04.05.2017 - 14:48 Uhr
RiedenOberpfalz

Ärger nach Zwischenfrage: Reinhard Erös bricht Vortrag ab und geht Eklat bei Spendenübergabe

(sön/upl) Der Riedener Pfarrer Gottfried Schubach spricht von "einer der bemerkenswertesten Veranstaltungen, die ich je erlebt habe". Er meint damit den Vortragsabend, zum Thema "Afghanistan - Fluchtursachen und ihre Bekämpfung", zu dem die örtliche KAB eingeladen hatte. Redner war Reinhard Erös, der Gründer der Kinderhilfe Afghanistan. Er sollte an dem Abend eine Spende in Höhe von 1000 Euro entgegennehmen. Dazu kam es aber nicht. Erös verweigerte die Annahme der Spende und reiste erbost ab.

Vor dem Referat war die Welt noch in Ordnung. Spender und Empfänger stellten sich zum Gruppenbild auf (von links): 2. Bürgermeister Josef Weinfurtner, Ulrich Siebenbürger, KAB-Vorsitzender Peter Pilz, Isabelle Haustein, KAB-Vorsitzende Andrea Höfler, Landrat Richard Reisinger und Reinhard Erös. Bild: sön
von Hubert SöllnerProfil

Ursache für den Eklat war eine Zwischenfrage während seines Vortrags. Laut mehreren Teilnehmern hatte Erös gerade angemerkt, dass ihm erklärt worden sei, die Bundesrepublik müsse Politikern wie Orban oder Erdogan dankbar sein. Denn diese hielten mit ihrer Politik Flüchtlinge von Deutschland fern. Daraufhin habe sich ein Zuhörer gemeldet und zuspitzend gefragt, was man denn alternativ gegen einen Ansturm der Flüchtlinge tun könne. Sinngemäß habe die Äußerung gelautet: "Wenn dann diese Leute vor der Tür stehen, soll man die dann erschießen?", erklärte Pfarrer Schubach.

Harsche Worte

Erös brachte die Zwischenfrage derart in Rage, dass er den Mann aus dem Saal verwies. Er schickte dem Fragesteller beim Verlassen des Pfarrheims harsche Worte hinterher und ging auch den Hausherrn, Pfarrer Schubach, lautstark an. Schubach hatte versucht, die Wogen zu glätten. Die rund 60 Zuhörer blieben konsterniert zurück.

Der KAB-Ortsverband brachte zumindest einen Teil des Erlöses aus Palm- und Kräuterbuschenverkauf, Adventsbasar und Marktsonntag an den Mann. Landrat Richard Reisinger - der vor dem Eklat bereits terminbedingt weiter musste - freute sich über 1000 Euro für den Landkreis-Fonds "Hilfe zum Helfen", Ulrich Siebenbürger für die Projekthilfe Dr. Luppa und Isabelle Haustein für die Organisation Africa Luz. Siebenbürger sprang dann als Referent ein und erklärte, was Dr. Luppa an Hilfe zur Selbsthilfe in der Dritten Welt organisiert. (Reaktionen)

Reaktionen

Pfarrer Gottfried Schubach zeigte sich nach der geplatzten Spendenübergabe in Rieden tief erschüttert. "Ich kann das Verhalten von Herrn Erös in keiner Weise verstehen", sagte er auf Nachfrage. Der Referent habe die Zwischenfrage während des Vortrags im Pfarrheim offensichtlich in den falschen Hals bekommen. "Er ist dann regelrecht ausgeflippt", sagte der Geistliche. Schubach habe noch versucht, die Veranstaltung zu retten, doch vermittelnde Worte hätten ihre Wirkung verfehlt. Der Pfarrer betonte, dass er die Arbeit der Kinderhilfe Afghanistan nach wie vor als sehr wertvoll erachte. "Die großartige Leistung von Herrn Erös und seiner Familie ist unbestritten."

Für den Vorsitzenden des KAB-Ortsverbandes, Peter Pilz, ist das Verhalten von Erös inakzeptabel. Vor allem, weil er nach dem Eklat überhaupt nicht mehr mit sich habe reden lassen. "Der ist richtig explodiert", berichtete Pilz. "Da war nichts mehr zu machen. Er hat jeglichen Kontakt abgebrochen." Pilz und die anderen Vorstandsmitglieder beraten nun, wer die 1000-Euro-Spende statt der Kinderhilfe Afghanistan erhalten soll. "Wir setzen uns zusammen und werden sicher bald eine Alternative finden." Erös hätte das Geld in bar entgegennehmen sollen. Ein Kuvert mit dem Betrag war vorbereitet. Jetzt wandern die 1000 Euro vorerst wieder auf das Vereinskonto.

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