12.01.2018 - 18:28 Uhr
SchirmitzOberpfalz

Schirmitzer Landwirt in Australien Ernte in Down Under

Spontan sein und "einfach jeden Tag leben", das hat er sich für das neue Jahr vorgenommen. Landwirt Luca Lang übt sich in den australischen Tugenden. Nach eineinhalb Monaten anstrengender Erntearbeiten genießt er seine Reise-Zeit.

Bei der Lupinenernte im Bundesstaat Victoria auf einem für australische Standards "handelsüblichen" Traktor. Bilder: exb (3)
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Schirmitz/Sydney. In Sydney begrüßte der junge Schirmitzer zusammen mit seiner Freundin das neue Jahr. "Es ist verrückt, manche Leute haben sich an Silvester morgens um 7 Uhr Plätze mit dem besten Blick auf die Brücke gesichert", erzählt der 21-Jährige. "Das Feuerwerk war gigantisch. Vom Thornton Park hatten wir einen super Blick auf die Brücke und den Hafen, an dem das Feuerwerk stattfand." Und statt unterm Christbaum feierte er dieses Jahr zusammen mit den Kängurus Weihnachten. Seine Freundin besuchte ihn für zwei Wochen, zusammen fuhren sie an der Küste entlang über Newcastle nach Coffs Harbour.

Nun bleibt er noch einige Tage in Sydney, um die Stadt zusammen mit seinen Ernte-Kollegen zu erkunden. Gerade übt sich Lang also vor allem in australischer Lebensart: Spontanität und Gelassenheit. "Meine Chefs auf der Farm sind dafür das beste Beispiel. Zu meinen Reiseplänen sagten sie: 'Du kannst kommen und gehen, wann du willst.'" Weil er nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch das Land erkunden wollte, reist er seit einigen Wochen die Ostküste entlang. Immer der Nase nach, einen Plan hat er nicht. Ziel der Reise: Cairns, ganz im Norden.

Seine Chefs sind seit 26. September Richie und Tim Gleeson. Ihnen gehört die größte Ackerbau-Farm im Bundesstaat Victoria. Sie liegt am Murray River, an der Grenze zu New South Wales im sogenannten Mallee. 18.000 Hektar gehören zu der Landwirtschaft, die größten Felder umfassen teils 1050 Hektar.

Zusammen mit sechs anderen Facharbeitern aus der Schweiz, Dänemark und Deutschland bewohnte er dort ein Farmhaus. "Zur Ernte von 31. Oktober bis 10. Dezember mussten wir 24 Stunden Arbeitszeit abdecken. Es gab deshalb eine Tages- und eine Nachtschicht, jeweils zwölf Stunden", erzählt Lang. "Ich habe meist tagsüber gearbeitet, von 7 bis 19 Uhr." Insgesamt sieben Mähdrescher waren zu dieser Zeit im Einsatz. "Auf Übergabewagen haben wir die Ernte zum Feldrand gebracht und dort in Schläuche, sogenannte Bags, gefüllt, in denen 300 Tonnen bis zu zwei Jahre lang gelagert werden können."

Ernte-Marathon

Er half bei der Ernte von 1,7 Tonnen Weizen, 1,9 Tonnen Gerste und 0,6 Tonnen jeweils Raps und Lupinen, 0,5 Tonnen Linsen sowie 2,5 Tonnen Wickenheu, jeweils pro Hektar. "Und das war noch wenig. In der Wachstumsphase regnete es sehr wenig und frostete stark, weswegen die Ernte sehr schlecht ausfiel", erzählt Lang. Zum Betrieb gehören auch 2500 Merino- und Crossbred-Schafe. "Mit den Schafen hatte ich allerdings kaum etwas zu tun. Aktuell sind sie auf den Paddicks, so nennt man die Felder, und ernähren sich von den Stoppeln", erzählt der 21-Jährige. "Nach sechs Monaten sind sie gemästet und werden weiterverkauft."

Besonders spannend sei die komplett andere Wahrnehmung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat. "Während es in Deutschland eine große Diskussion gab, ist es hier in Australien überhaupt kein Thema." Weil Bodenbearbeitung bei solch sandigem, staubigem Boden keine Option sei, werden die Felder bis zur Aussaat rund vier Mal gespritzt. "Meine Farm spritzt in einem Jahr bis zu 250.000 Liter glyphosathaltige Mittel."

Und nicht nur das sei gewöhnungsbedürftig. Auf der Farm gelten andere Regeln, erzählt Lang: "Unseren Müll zum Beispiel haben wir in alten Ölfässern hinter dem Haus verbrannt. Gibt es größere Mengen wie alte Folien, werden Löcher ausgehoben, in denen der Müll gesammelt und irgendwann angezündet oder einfach mit Erde bedeckt wird." 42 Grad Außentemperatur seien im Winter keine Seltenheit. "Wenn es ab und zu regnet, nennt man das hier 'Sommergewitter'." Aber das Wort sei irreführend. "Die Gewitter sind umwerfend. Weil es kaum Hügel in der Landschaft gibt, kann man sie besonders gut beobachten. Und das Wetterleuchten ist einmalig."

"Landwirt war schon immer mein Traumberuf", erinnert sich Luca Lang. Noch in seinem ersten Lehrjahr bewarb er sich beim Bauernverband für ein "Auslandsjahr". "Mein jetziger Chef stellte sich und den Betrieb schließlich bei mir vor - und ich habe sofort zugesagt." Im Juli schloss er seine Ausbildung zum staatlich geprüften Landwirt ab. "Im September bin ich dann nach Australien - denn ich wollte schon immer Landwirtschaft im ganz großen Stil sehen. Neue Einblicke und Erfahrungen sammeln: Landwirtschaft bei anderem Klima, unter anderen Bodenbedingungen und mit anderen Maschinen." Besonders letztere scheinen besonderen Eindruck hinterlassen zu haben. "Manche Traktoren haben bis zu 700 PS, das ist unvorstellbar."

Wenn die Butter alle ist

Größere Maschinen für größere Felder und Lasten. Und: Längere Wege. "Zum nächsten Supermarkt in Swan Hill mussten wir 80 Kilometer mit dem Auto fahren. Gewöhnungsbedürftig. Wir haben meist für zwei, wenn nicht für drei Wochen Lebensmittel gekauft. Und wenn die Butter aus ist, dann ist sie aus." Auch Handyempfang sei auf der Farm eher eine Glückssache: "Entweder man stellt sich auf einen Hügel oder ganz nah an die Hauswand, dann funktioniert es meist."

Bis Ende Januar erkundet der 21-Jährige Land und Leute, dann möchte er wieder zurück auf die Farm. "Anfang April beginnt die Aussaat, bei der ich auf jeden Fall noch mithelfen möchte, bevor ich wieder zurückfliege." Am 27. April geht es für den jungen Schirmitzer Landwirt zurück nach Hause. Fast einen ganzen Jahreszyklus hat er dann als Landwirt in Australien verbracht. "Nur eben andersrum." Pläne für seine Rückkehr? Hat er eigentlich keine. "Fachlich weiterbilden möchte ich mich aber in jedem Fall."

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