30.06.2017 - 20:16 Uhr
SchirmitzOberpfalz

Wie Familie Huschka mit einem behinderten Kind den Alltag meistert Lisas neue Rampe

Lisa sitzt im Rollstuhl. Sie braucht ständig Hilfe. Mama Yvonne Huschka muss die 16-Jährige waschen, wickeln, füttern. Zubehör und Geräte sind nötig. Das geht ins Geld. Doch es gibt Unterstützung.

Über eine Rampe schiebt Yvonne Huschka (Mitte, hinten) ihre Tochter Lisa ins Auto. Endlich kann die Familie zu fünft etwas unternehmen. Darüber freuen sich Herbert Putzer (links), Jutta Harbig und Andreas Steinl (von rechts) vom Verein Kinderkrebshilfe. Bild: Schönberger
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

24. Schwangerschaftswoche. Mit 630 Gramm kam Lisa zur Welt. "Seit Geburt ist sie schwerstbehindert", sagt ihre Mutter Yvonne Huschka. Lisa ist blind, hat ein Problem mit dem Gehirnwasser, das im Kopf in Regionen dringt, wo es nicht hingehört. Die Jugendliche sitzt in einer für sie angepassten Sitzschale im Rollstuhl. "Schon als Baby hatte sie viele Operationen." Kürzlich musste sie an der Hüfte und wegen Skoliose operiert werden. Jetzt gehe es ihr besser, das Mädchen sei ruhiger geworden, berichtet die Mutter.

Der Alltag mit Lisa sei nicht einfach, spontan ginge gar nichts, erzählt Yvonne Huschka. Zur Familie gehören neben ihrem Mann Markus auch die Jungs Sebastian (10 Jahre) und Julian (6). Markus Huschka verlässt jeden Tag sehr früh das Haus. Er arbeitet auf dem Bau und als Fließenleger. Termine wie beim Zahnarzt, Therapeuten oder wenn eins der Kinder krank wird und von der Schule abgeholt werden muss, bleiben an der Mutter hängen. Für manches muss Lisas Stiefvater herhalten: Zum Beispiel, wenn sie zu Hause ins Badezimmer im Obergeschoss muss. Dann schiebt er sie mit einem Rollstuhl, der Treppenstufen überwinden kann, hoch.

Therapien statt Mathe

Wochentags wird Lisa um 7.30 Uhr von einem Fahrdienst abgeholt und ins Heilpädagogische Förderzentrum in Irchenrieth gebracht. Auch behinderte Kinder sind schulpflichtig. Dort besucht sie die 8. Klasse mit ihrem Schulbegleiter. Statt Mathe und Deutsch stehen dort für die 16-Jährige Logopädie, Ergo- und Schwimmtherapie sowie Krankengymnastik auf dem Stundenplan. Dazwischen ist sie in der Klasse und hört zu. Vor allem das Schwimmen genießt die Jugendliche. Im Wasser liegt Lisa auf einem Schwimmbrett und entspannt. "Das liebt sie ohne Ende", freut sich ihre Mama. Um sich selbst vom anstrengenden Alltag zu erholen, geht Yvonne Huschka stundenweise arbeiten. Sie ist in einem Altenstädter Wirtshaus beschäftigt.

In ihrer Freizeit liegt Lisa am liebsten in ihrem Bett und hört Musik. "Da lacht und kirrt sie", erzählt Yvonne Huschka. Sie meint damit, dass die blinde Lisa bei Musik, aber auch wenn Rasenmäher oder Staubsauger laufen, freudig laute Töne von sich gibt. "Da ist sie nicht mehr aufzufangen." Sprechen kann Lisa nicht. Ihre Familie muss erraten, was das Mädchen ausdrücken will.

Verein hilft

Lisas Krankheit belastet die Familie. Yvonne hat nicht so viel Zeit für die Jungs wie sie gerne hätte. Doch seit Kurzem läuft es besser. Das liegt auch am Verein Kinderkrebshilfe in der Region Oberpfalz-Nord. Der hat den Umbau des Familienautos finanziert. Für 7300 Euro wurde der Boden im hinteren Teil des Wagens ausgesägt, damit eine Rampe und Lisa samt Rollstuhl Platz finden. Zwei Wochen war das Fahrzeug in einer Spezialwerkstatt. Jetzt können die Fünf zusammen etwas unternehmen. Einer der ersten Ausflüge ging nach Fuchsmühl.

Seit 2011 sind der Verein, der sich nicht nur um Krebskranke, sondern auch um Familien mit schwerstkranken Kindern kümmert, mit den Huschkas verbunden. Unter anderem finanziert er sich durch Spenden. Damit die Spender sehen, was mit dem Geld geschieht, erzählt Yvonne Huschka von ihrem Alltag. Als Julian (ebenfalls Frühchen) geboren wurde, bezahlte die Einrichtung zum Beispiel auch eine Haushaltshilfe oder einen Urlaub.

Der Verein Kinderkrebshilfe Oberpfalz-Nord

Oft vermitteln Ärzte im Krankenhaus den betroffenen Familien den Kontakt zum Verein Kinderkrebshilfe in der Region Oberpfalz-Nord, der sich aber auch um Schwerstkranke kümmert. Um finanziell unterstützt zu werden, müsse eine Familie alles offen legen: Einnahmen, Ausgaben, Vermögen.

Der Vorstand entscheidet, ob die Familie Geld erhält oder nicht, sagt Vorsitzender Herbert Putzer. Der Verein trägt Kosten für Hilfsmittel, die Kranken- oder Pflegekassen nicht übernehmen. "Eigentlich fokussiert sich alles auf das kranke Kind", sagt Putzer. Die Ehrenamtlichen sorgen sich deshalb auch um Geschwister. Es gibt Familienausflüge, Nikolausfeiern oder Geld für Urlaub. 2016 hat der Verein 130 000 Euro verteilt. Im Moment hilft er 68 Familien, insgesamt erhielten schon 141 Unterstützung. (esa)

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Weitere Informationen zum Verein:

www.kinderkrebshilfe-oberpfalz-nord.de

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