02.10.2012 - 00:00 Uhr
SchlammersdorfOberpfalz

Hobbyarchäologen stoßen in der Nähe der "Biestum" auf Scherben - Aus dem 13. Jahrhundert Glück mit der Pechsiederei

Wesentlich mehr Glück als so mancher Schwammerlsucher hatten die Hobbyarchäologen, die in den vergangenen Wochen die unmittelbare Umgebung der "Biestum" untersuchten. Ein ganzes Arsenal an Töpfen - rund 20 an der Zahl, teilweise mit einem Durchmesser von einem halben Meter - entdeckten Josef Püttner, Rudi Rauh, Michael Biersack und Manfred Müller.

Die Ausgrabungserfolge können sich sehen lassen, wie immer an der Bienenstube. Dieses Mal stießen Rudi Rauh, Manfred Müller, Josef Püttner und Michael Biersack (von links) auf viele Gefäße einer Pechsiederei aus dem Mittelalter. Bilder: ly
von Autor LYProfil

Damit stießen sie - nach dem großen Kohlenmeiler - bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr auf einen bemerkenswerten Fund. Unter Anleitung von Privatdozent Dr. Hans Losert hatten sie einen weiteren Bereich neben der "Biestum" untersucht.

Dank der großen Scherben sind die Tontöpfe leicht rekonstruierbar. Die Glimmerpartikel in ihnen lassen den Schluss zu, dass das Material nicht aus der Gegend um Schlammersdorf, sondern aus dem Fichtelgebirge stammte. "Pechsiederei war dort ein einträgliches Handwerk", weiß Losert. Die Gefäße wurden auch zum Pechsieden verwendet. Nicht belegt ist, dass ein Pechsieder aus dem Fichtelgebirge, der seine eigene Gerätschaft und Werkzeug mitgebracht hatte, bei Schlammersdorf beschäftigt war - aber denkbar ist es.

Hergestellt wurde das Pech, das als Kleber und zum Abdichten benötigt wurde, im Doppeltopfverfahren: Ein Gefäß mit Löchern im Boden wird auf ein zweites gestellt. Im oberen ist harzreiches Holz, das mit Lehm luftdicht abgeschlossen und dann erhitzt wird. Das Pech schlägt sich dann an der Wand des unteren Topfes nieder. Zeitlich einordnen lassen sich die Scherben gut aufgrund ihrer Verzierung. Die ältesten Funde sind aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, und damit wesentlich älter als die Bienenstube, die urkundlich 1432 erwähnt wird.
Doch auch aus dieser Zeit finden sich Scherben. "Wir haben zwar schon seit der Ausgrabung in der Bienenstube gewusst, dass es eine Pechsiederei gegeben haben muss - wir haben dort schon ein Gefäß gefunden", sagt Losert. Doch von diesem Ausmaß - ein Pflaster an Scherben rund 20 Meter entfernt - ahnte er nichts.

Ofen noch nicht entdeckt

"Den Ofen haben wir noch nicht gefunden": Zu seinem Bedauern muss er einräumen, dass die Siederei noch nicht lokalisiert ist. Nach ihr wollen er und seine fleißigen Helfer im nächsten Jahr bei einer weiteren Ausgrabung suchen. Nach der Bienenstube und dem Kohlenmeiler wäre die Pechsiederei dann die dritte nachgewiesene wirtschaftliche Nutzung des Waldes im ausgehenden Mittelalter. Kohlenmeiler und Pechsiederei wurden gleichzeitig betrieben, ehe die "Biestum" entstand.

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