Elisa Wiesnet spendet Zopf
An den Empfänger meiner Haare

Elisa Wiesnet vorher ... ... und nachher. Bilder: hfz (3)
Vermischtes
Schlammersdorf
04.12.2016
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Elisa Wiesnet vorher ... ... und nachher. Bilder: hfz (3)

Nur die Spitzen, bloß nicht zu viel. Mit Frauen und ihren langen Haaren ist das so eine Sache: Jede Bewegung des Friseurs verfolgen sie mit Adleraugen, wenn er mit der Schere an ihrer Mähne hantiert. Elisa Wiesnet gehört eigentlich auch zu diesem Typ Frau. Doch dann lässt sie sich spontan ihre fast Po-langen Haare abschneiden - um kranken Menschen eine Freude zu machen.

Ernstfeld/Lille. Ein dicker brauner Zopf liegt auf dem Boden des französischen Friseursalons. Vor wenigen Minuten hing er noch an Elisa Wiesnets Kopf. Jetzt ist er ab. 40 Zentimeter Strähnen fehlen ihr nun. Die Haarspitzen umspielen nur noch die Schultern. Zuhause in Ernstfeld hätte sie bittere Tränen geweint. Oder sie hätte sich dort gar nicht erst getraut, ihre Haare abzuschneiden, vermutet die 20-Jährige. Das Auslandssemester in der französischen Stadt Lille hat die Oberpfälzerin jedoch verändert. "Es ist alles anders hier, Stadt, Uni ...", erzählt Wiesnet am Telefon. Deshalb kam sie zu dem Entschluss: Wenn sich alles verändert, "warum ich mich nicht auch - zumindest äußerlich."

Also macht sie spontan einen Termin bei einem Friseur aus, erzählt weder Mama noch Freund in Deutschland davon. Der Mann, der ihre Haare kürzen soll, ist "alt und hat gezittert", erinnert sich Wiesnet. Der Franzose habe ihre Haare einfach abgeschnitten, ohne nachzumessen, wie viel. Die 20-Jährige hatte Angst. Nach fünf Minuten war alles vorbei. "Als ich mich gesehen habe, habe ich gedacht: Oh Himmel", gesteht die Studentin. Aber nicht, weil ihr der Schnitt nicht gefiel, sondern weil er ungewohnt war. "Ich war trotzdem zufrieden und habe nicht geplärrt", verkündet sie stolz.

Das ist für Wiesnet nicht selbstverständlich. "In meinen 20 Jahren habe ich drei Veränderungen mit meinen Haaren gemacht: Einmal Pony, einmal Stufen und einmal Farbe." Das Geschrei danach daheim war groß. Wiesnet kichert, wenn sie daran denkt. "Ich habe es jedes Mal bereut." Diesmal aber nicht. Nicht nur, weil die Studentin viel Zeit bei der morgendlichen Dusche spart. Sie hat ihre Haare gespendet. Von Bekannten habe sie davon gehört, dass Frauen ihre Haarpracht für Perücken spenden könnten. Nach ein wenig Recherche im Internet stieß sie auf eine Webseite namens haare-spenden.de. Die Organisation mit Sitz in Velen-Ramsdorf (Nordrhein-Westfalen) produziert Perücken aus echtem Haar für Menschen, die keines mehr haben. "Mindestens 25 Zentimeter müssen es sein", weiß Wiesnet. Die hat sie mit ihrem Zopf locker erfüllt - 40 Zentimeter braune Strähnen fielen zu Boden.

Auf der Homepage der Organisation füllt Wiesnet ein Formular aus. Die Haare müssen chemisch unbehandelt und zu einem Zopf gebunden sein, heißt es da zum Beispiel. Wer ihre Haare als Perücke tragen darf, ist Wiesnet egal. "Ich weiß, dass es an irgendwen geht, der meine Haare brauchen kann und dem ich Freude mache", sagt sie nachdenklich. Für viele seien Haare selbstverständlich für andere, die keine haben, etwas Besonderes.

In das Paket legt die 20-Jährige noch einen emotionalen Brief: "An den Empfänger meiner Haare, ich wünsche dir mit meinen Haaren so viel Freude, wie ich sie jahrelang hatte. Ich wünsche dir, dass - so oft du dich im Spiegel siehst - du dich wunderschön findest. Und ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du bald wieder gesund bist - so gesund, dass du irgendwann einmal selbst 40 Zentimeter Haar spenden kannst. In Liebe, Elisa."
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