25.08.2014 - 00:00 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

Das Kernobst ist heuer zwei Wochen früher reif - Saft aus eigener Ernte voll im Trend Apfelschwemme in den Mostereien

"In diesem Jahr gibt es eine Obstschwemme", stellt Alois Dirrigl fest und kippt zentnerweise Äpfel in den Waschbottich. Die Reife setzt zwei Wochen früher als üblich ein. Als eine der ersten Vereins-Mostereien im Landkreis warf deshalb am Samstag der Gartenbau- und Ortsverschönerungsverein Schmidgaden die Saftpresse an. Die ersten frühen Sorten wurden angeliefert - in Wannen, Körben, Säcken - und in Mengen.

Die zerkleinerten Äpfel werden Lage für Lage in Tücher eingeschlagen. Dann wird der fünflagige "Kuchen" gepresst.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Die Mostereien nehmen nach und nach den Betrieb auf. "In unserem Garten biegen sich die Äste, sie brechen fast unter der Last", erzählt eine Kundin aus Windpaißing und lädt beim Mosthaus Zentner um Zentner aus dem Kofferraum. Jeder bringt hier seine eigenen Äpfel und bekommt - streng getrennt - die eigene Ernte zurück. Der eine hat seine Bio-Schätze schon gewaschen, geviertelt und entkernt dabei, der andere pfeift sich nichts um ein bisschen "Protein-Einlage" im Vitaminschub. Der Saft ist ja sterilisiert.

8000 Euro hat der Schmidgadener Verein alleine in die Wasch- und Mostanlage investiert. Die Presse wurde den individuellen Anforderungen entsprechend gebaut. Im angrenzenden Abfüllraum steht ein leistungsfähiger Sterilisator. Die Äpfel - hin und wieder sind auch Birnen untergemischt - werden gewaschen und im Mahlwerk zerkleinert.

Fünf Lagen

Alois Dirrigl breitet ein Tuch in die Pressform, der erste "Apfelkuchen" fällt hinein, wird eingeschlagen. Dirrigl legt ein Deckbrett darauf. Die Prozedur wird fünf Mal wiederholt. Dann spannt der "Mostmeister" noch ein dickes Brett darauf und presst es mit 200 bar. Der Saft läuft in einen großen Bottich, wird geklärt und in einen Messbehälter geleitet.

Etwa ein Fünftel der Kunden nimmt diesen Rohsaft mit nach Hause, erzählt Dirrigl, "und macht daraus Apfelwein". Ansonsten läuft das flüssige Obst weiter in den Sterilisator und wird auf 80 Grad erhitzt. Birgit Gschrey füllt den warmen Saft ab. Es gibt Fünf- und Zehnliterbeutel. Der passende Karton darum und fertig ist die "Bag in Box", die mit einem Ausgießer bequem angezapft werden kann. "Der Saft hält ungeöffnet zwei Jahre", so Birgit Gschrey.

In Schmidgaden bilden Birgit und Josef Gschrey, Peter Kraus, Helga Wiesneth und Alois Dirrigl - Manager vor Ort, Altvorstand und zugleich stellvertretender Bezirksvorsitzender des Kreisverbandes für Gartenbau- und Landespflege - das Most-Team. Ähnliche Anlagen betreiben etliche Vereine im Kreisverband, beispielsweise in Dieterskirchen, Schönsee, Oberviechtach, Fuhrn, Pfreimd und Neunaigen. Beim GOV Schmidgaden wird witterungsabhängig meist bis Anfang November gemostet. Nicht nur am Wochenende, sondern auch während der Woche werden an festen Tagen Termine vergeben.

Gratis für den Kindergarten

Heuer dürften etwa 30 000 Liter Apfelsaft abgefüllt werden, schätzt Alois Dirrigl. 500 Liter gibt es übrigens gratis für den Kindergarten. Die Kleinen helfen an Aktionstagen bei der Apfelernte auf den vereinseigenen und gemeindeeigenen Obstwiesen. Dafür gibt es das ganze Jahr über Gratis-Saft.

Wenn die frühen Sorten wie "Jakob Fischer" und "Gravensteiner" verarbeitet sind, kommen die "mittleren" und späten Sorten. Es gibt eine Fülle davon: Dirrigl nennt "Kaiser Wilhelm", " Idared", den traditionellen Boskop, Wein- und Glockenapfel. "Gut zu mosten sind auch der Berner Rosenapfel oder der Rheinische Bohnapfel", weiß der Fachmann. Und die Äpfel sind recht gesund. "Es gibt kaum Spitzendürre, die sogenannte Monelia". Die Apfel-Maische kippt der Altvorstand schwungvoll auf einen Anhänger. "Das holen die Jäger und silieren es als Winterfutter für die Rehe".

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