11.08.2014 - 00:00 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

Freizeit ade: Josef Deichl ist seit hundert Tagen Gemeindeoberhaupt von Schmidgaden "Kennen Sie den Bürgermeister-Spruch?"

Er will zusammenführen und motivieren und der Gemeinde Schmidgaden neuen Schwung verleihen. Josef Deichl, seit hundert Tagen Bürgermeister des 2865 Einwohner zählenden Ortes, verzichtet dafür nicht nur auf seinen geliebten Sport. "Früher bin ich jeden Tag 15 Kilometer mit dem Fahrrad in die Arbeit gefahren, habe Tennis gespielt und gekegelt." Das ist vorbei, jetzt braucht er für seine vielen Termine verstärkt das Auto. Die Plätzchen, die es beim Interview mit dem Neuen Tag gibt, lehnt er daher dankend ab: die Figur!

von Thomas Dobler Kontakt Profil

"Was mir momentan sehr viel Freude macht, ist einfach, dass man zusammenarbeiten kann - der Gemeinderat, die Verwaltung, Bauhof, Kindergarten, die Bürger." Josef Deichl hat das Gefühl, dass es hier Nachholbedarf gibt. Mit Leib und Seele hängt er an der Gemeinde, wie er versichert, deren Wohlergehen im wichtiger ist als jede ungestörte Freizeit.

Vor einigen Monaten ist der 50-Jährige aus der Rolle des interessierten Bürgers, der auch im Gemeinderat saß, herausgetreten. Er ließ sich als Herausforderer des amtierenden Bürgermeisters Rudolf Birner aufstellen - und gewann recht deutlich. Nicht jeder Buchmacher hätte darauf eine Wette angenommen. "Mir hat damals Helmut Hey, der Oberbürgermeister von Schwandorf, gesagt, die Chancen von Herausforderern stehen vielleicht bei 20 Prozent." Mit diesem Pfund hat Josef Deichl in der Zeit des Wahlkampfs gewuchert. "Ich habe viele Hausbesuche gemacht und mir Zeit genommen für Gespräche und konnte das Eis teilweise brechen", erzählt er von der Ochsentour, die schließlich erfolgreich war.

An die neue Rolle als Gemeindeoberhaupt musste sich Deichl erst gewöhnen, wie er schmunzelnd berichtet. Der Zuruf "Hawadere Buagamoasta" habe ihn anfangs irritiert, auch wenn die Menschen ihn fragten, "wie dürfen wir dich denn noch anreden?" Für Deichl war und ist klar: "Ich bin immer noch der Josef, der Sepp." Zwischenzeitlich merke er, wie er in die Rolle des Bürgermeisters innerlich hineinwachse. Was aber keine Auswirkung auf das Auftreten und seine Kleiderordnung haben werde: "Ich bleibe weiß-blau - weißes Hemd und blaue Jeans."

Auch Bürgermeister muss man lernen. Für die vielen neuen Rathauschefs gab es nach der Kommunalwahl einen Lehrgang, an den sich Deichl gerne erinnert. Dort wurde Tacheles geredet, was die neuen Aufgaben und Herausforderungen anbelangt, mitunter ging es auch humorvoll zu. Hugo Bauer, Bürgermeister der Gemeinde Wald und Vorsitzender im Bezirksverbands des Bayerischen Gemeindetags, konfrontierte die anwesenden Bürgermeister-Lehrlinge mit dem "Bürgermeister-Spruch", den sie draußen vermutlich bald hören würden. Natürlich kannte ihn noch niemand. Er geht so: "Ah, weil ich dich gerade sehe..."; genauso häufig würde es diese Worte zu hören geben: "Weißt du das nicht mehr, das habe ich dir doch gesagt!"

Und wie es der Zufall will: Am 1. Mai, seinem ersten Arbeitstag als Bürgermeister, geht Deichl zum Maibaumaufstellen, da spricht ihn eine Bürgerin genau auf diese Weise an: "Ah, weil ich dich gerade sehe...". Dass er spontan lachen musste, hatte er danach der erschrockenen Frau zu erklären: "Ich hatte echt nicht gedacht, dass das so kommt, wie ich es im Lehrgang gehört habe."

"Es läuft derzeit gut"

Natürlich besteht das Leben und Arbeiten eines Bürgermeisters nicht nur aus Anekdoten, mögen sie auch noch so nett sein. "Ich könnte über jeden Tag eine erzählen", versichert Deichl und lacht, behält die Geschichtchen aber dann natürlich doch für sich. Wichtiger ist ihm, seine Freude darüber auszudrücken, dass es "momentan gut läuft", besonders im Gemeinderat. Er berichtet von regelmäßigen Dienstbesprechungen, auch mit seinen Stellvertretern, von Begehungen der Ortsteile, von Stärken-und-Schwächen-Analysen. Immer wieder fragt sich Deichl: Wie machen wir die Gemeinde noch attraktiver, wie bekommen wir den demografischen Wandel in Griff, wie siedeln wir neue Betriebe an, wie lässt sich das soziale Gefüge weiter festigen? Hier Antworten zu finden ist für ihn wichtig, weil er die Gemeinde liebt. "Das liegt mir alles sehr am Herzen", versichert er und muss schon wieder gehen - weil er als Bürgermeister einen Termin hat.

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