12.04.2018 - 20:00 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

Drei Standorte für neue Anlage

Der Zweckverband Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf braucht eine neue Verbrennungsanlage für Klärschlamm, um die geänderten gesetzlichen Bedingungen einhalten zu können. Für das 45-Millionen-Euro-Projekt stehen insgesamt drei Varianten im Raum - zwei davon im Landkreis.

Um die gesetzlichen Rahmenbedingungen einzuhalten, muss der Zweckverband Thermische Klärschlammverwertung eine neue Anlage zur Verbrennung des Klärschlamms bauen oder sich dem Betrieb in Straubing anschließen. Für einen Neubau des etwa 45 Millionen Euro teuren Projekts kämen Areale in der Kreisstadt Schwandorf sowie in der Gemeinde Schmidgaden infrage. Bild: Götz
von Benjamin Tietz Kontakt Profil

Schmidgaden/Schwandorf. Kein Ausbringen des Klärschlamms größerer Anlagen mehr auf den Feldern und verpflichtende Phosphat-Rückgewinnung: Mit der Novellierung der Abfallklärschlammverordnung im Jahr 2017 wurden die gesetzlichen Rahmenbedingungen verschärft. "Sie sind zur Sache gegangen", charakterisiert Thomas Knoll, Verbandsdirektor des Zweckverbandes Müllverwertung Schwandorf (ZMS) die neuen Voraussetzungen. Diese machen es nötig, dass der Zweckverband Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS) eine neue Mono-Verbrennungsanlage für den Klärschlamm benötigt und ihn nicht mehr - wie bisher - im Zementwerk in Burglengenfeld verbrennen kann.

Einer Machbarkeitsstudie zufolge gibt es drei Varianten, um dieses Problem zu lösen: Neubau einer Verbrennungsanlage in Schwandorf oder Schmidgaden oder Beteiligung an der Mono-Verbrennungsanlage in Straubing. In der Gemeinde Schmidgaden käme das Industriegebiet in Trisching an der A 6 als ein möglicher Standort in Frage. Verbandsdirektor Knoll stellte das Projekt deshalb bei der Sitzung des Gemeinderates Schmidgaden am Mittwoch vor.

Stoff mit "zwei Gesichtern"

Generell bezeichnete Knoll Klärschlamm als "Stoff mit zwei Gesichtern": Einerseits sei er ein wichtiger Dünger, andererseits aber schadstoffbelastet - und das vor allem durch Kunststoffe und Medikamenten-Rückstände. Mit der Überarbeitung des Gesetzes wurde nun versucht, diesen Gegebenheiten Rechnung zu tragen und zum einen die Ausbringung auf den Feldern für größere Anlagen zu verbieten und zum anderen das wertvolle Phosphat zurückzugewinnen. Um die neuen gesetzlichen Pflichten zu erfüllen, sind im Fall des ZTKS zwölf Jahre Zeit. Bezüglich des Ausstoßes betonte Knoll, dass der Verband - wie auch der ZMS im Müllkraftwerk - die Grenzwerte der 17. Bundesimmissionsschutz-Verordnung deutlich unterschreite: "Es wird nichts herauskommen, was gesundheitsschädlich ist", versprach der Redner.

Dynamische Grenzwerte

Die Werte, die die Anlage verursache, lägen weit unter denen, die mancher Privathaushalt zum Beispiel durch die Verbrennung von Holz im Kaminofen produziere. Die Grenzwerte seien darüberhinaus ein dynamischer Prozess und würden stets dem Stand der Technik angepasst. Doch auch hier will der Zweckverband laut Knoll noch einen weiteren Schritt vorausgehen: "Wir bauen nicht den Stand der Technik ein, sondern wir bauen die best verfügbare Technik ein".

Der frühe Zeitpunkt der Information über die mögliche Klärschlamm-Verbrennungsanlage war absichtlich gewählt: Offen, ehrlich und transparent, betonte Knoll, sollen die Bürger über das Projekt in Kenntnis gesetzt werden. Damit sie sich auch zu Wort melden können, wird in den nächsten Wochen eine öffentliche Informationsveranstaltung stattfinden.

Wir bauen nicht den Stand der Technik ein, sondern wir bauen die best verfügbare Technik ein.Verbandsdirektor Thomas Knoll

Daten zur Mono-Verbrennungsanlage

Der Neubau einer Mono-Verbrennungsanlage für Klärschlamm in der benötigten Dimension würde laut Verbandsdirektor Thomas Knoll rund 45 Millionen Euro kosten. Die Anlage, in der etwa 17 Beschäftigte arbeiten, würde rund um die Uhr etwa 7500 Betriebsstunden im Jahr laufen. Zur Größe der Verbrennungsanlage sagte Knoll: "85 000 Tonnen Importmaterial werden in die Anlage einlaufen". Die Anlieferung von Klärschlamm würde von Montag bis Freitag erfolgen - mit einer Ausnahme: Wenn unter der Woche ein Feiertag ist, könnte laut Knoll auch am Samstag Anlieferverkehr sein. Der Verbandsdirektor rechnete unter dem Strich mit insgesamt etwa drei Fahrzeugen in der Stunde. "Das lässt sich gegenüber der Autobahn, die daneben vorbeiläuft, nicht mehr messen", betonte er in Bezug auf mögliche Lärmbelastung. Etwaigen Bedenken, die Fahrzeuge würden den Weg über Trisching nehmen, entgegnete Knoll: "Hauptzufahrt wird die A 6 sein". Wer die Anlage betreibt - der ZMS oder eine 100-prozentige Tochter - ist noch nicht sicher. Es soll laut Knoll aber auf jeden Fall eine Lösung gefunden werden, bei der die anfallende Gewerbesteuer in der Gemeinde bleibt. Bis zum Ende des Jahres soll nun die Grundsatzentscheidung über Neubau und Standort der Mono-Verbrennungsanlage gefallen sein. Knoll rechnete mit einer etwa einjährigen Planungsphase sowie einem weiteren Jahr für Genehmigung und Ausschreibung. Bei einer Bauzeit von zwei Jahren könnte die Anlage dann Ende des Jahres 2022 in Betrieb genommen werden. (tib)

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