02.03.2018 - 20:00 Uhr
Schmidgaden

16 Revolver im Kofferraum

Da schrillen Alarmglocken! Ein Mann mit belgischem Pass und arabischer Abstammung. Er wird an der Autobahn A 6 am Rastplatz Stocker Holz kontrolliert. Zivilfahnder finden im Kofferraum 16 Revolver vom kleinen Kaliber vier Millimeter. Es kommt zu zwei Festnahmen.

von Autor HWOProfil

Amberg/Schmidgaden. Die Polizei war angesichts terroristischer Übergriffe in Belgien sensibilisiert. Von daher nahmen Schleierfahnder im Herbst letzten Jahres Fahrzeuge ins Visier, die an Rastplätzen neben der A 6 standen. Auch einen Ford Fiesta, der am Abend des 4. Oktober 2017 gegen 21 Uhr auf dem Parkgelände Stocker Holz im Gemeindebereich Schmidgaden stand.

Zwei Männer gönnten sich nach längerer Tour eine Pause. Der eine war 60 Jahre alt und gebürtiger Belgier. Sein Mitfahrer besaß ebenfalls belgische Papiere. Er stammte aber von seinen Wurzeln her aus einem arabischen Land. Wie sich herausstellte, stand der 20-Jährige unter Drogen.

Voll funktionsfähig

Im Kofferraum des Kleinwagens stießen die Beamten auf 16 kleine Tragekoffer aus Kunststoff. In ihnen lagen schwarz- und silberfarbene Revolver vom Kaliber vier Millimeter. Die Waffen waren, wie sich bei näheren Befragungen ergab, in der Slowakei für 1500 Euro angekauft worden, Neuwaren und ursprünglich in der Türkei hergestellt. Die beiden Belgier kamen auf Antrag der Amberger Staatsanwaltschaft in U-Haft. Dort blieben die zwei fast auf den Tag genau ein halbes Jahr.

Jetzt führte man sie vor das Amberger Jugendschöffengericht, wo ein dreistündiger Prozess begann. Den Richtern lag dabei ein Beschussgutachten des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA) vor. Dort hatte ein Sachverständiger die Revolver als voll funktionsfähig eingestuft. Durchgängiger Lauf, nichts zugeschweißt.

Ihren Waffenschmuggel gaben die Männer aus Belgien zu. Wo sie die Revolver kauften und was sie mit ihrer Fracht vor hatten, wurde in der Verhandlung nicht näher erörtert. Wohl aber kam zur Sprache, dass es - wie einer der Verteidiger sagte - "Flobert-Luftgewehre mit wesentlich höherer Durchschlagskraft gibt". Und die könne man in Deutschland komplikationslos erwerben.

Frei nach dem Prozess

Egal wie: Die Revolver aus der Türkei unterlagen der Einziehung. Allein schon wegen fehlender Prüfzeichen. Als das geschehen war, verlangte Staatsanwältin Jennifer Jäger für den Älteren der beiden 18 Monate Haft. Für den 20-Jährigen forderte sie 15 Monate, zur Bewährung ausgesetzt, wie die Beschuldigten mit Aufatmen vernahmen. Die Anwälte Georg Karl und Philipp Janson (beide Regensburg) hielten weit niedrigere Ahndungen für angebracht. Und mit dem Ziel: "Sie müssen freigelassen werden." Die Männer aus Belgien waren gefesselt aus den Justizvollzugsanstalten Amberg und Weiden vor das Gericht geführt worden. Doch ihre Gefängnisaufenthalte galten nach dem Prozess als erledigt. Der 60-Jährige bekam ein Jahr zur Bewährung, der 20-Jährige zehn Monate. Auch er konnte danach seiner Wege ziehen. Die Revolver blieben bei der Staatsanwaltschaft. Sie werden vernichtet.

Weil er eine Lizenz als Jäger hat, schritt der Amberger Jugendschöffengerichtsvorsitzende Peter Jung im Prozess gegen die beiden Waffenschmuggler zu einem ungewöhnlichen Vergleich. Um allen Beteiligten die Größenordnung des zur Debatte stehenden Revolverkalibers von vier Millimetern zu veranschaulichen, legte er aus seinem eigenen Besitz eine Patrone vom Kaliber 38 Special auf den Tisch. Geeignet zur Verwendung in großkalibrigen Waffen. Dabei wurde deutlich: Jung präsentierte eine Art Magnum-Größe, die sich wie Goliath zu David gegenüber den Vier-Millimeter-Kammern der 16 Revolver ausnahm.

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