Dragster-Rennen fahren: Eine Leidenschaft, die Florian Uebel nicht mehr los lässt
In 1,2 Sekunden von Null auf 100

Florian Uebel sitzt am Steuer, doch ohne Markus Vetter (links) und Kurt Ries (rechts) wären die Vorbereitungen nicht zu schultern. Bilder: Völkl (2)
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Schmidgaden
02.12.2016
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Dragster-Rennen fahren: Eine Leidenschaft, die den 42-jährigen Florian Uebel nicht mehr los lässt.

Der Boden vibriert, ohrenbetäubendes Dröhnen, irrsinnige Geschwindigkeit: Das ist Adrenalin pur, das ist Urgewalt. Fast zärtlich streicht Florian Uebel über seinen Ford Mustang. Mit einem "normalen" Auto hat die "Highway Patrol" nichts mehr zu tun.

Florian Uebel sitzt im feuerfesten Anzug, geschützt durch Gitterrohrrahmen und massivem Gestänge hinterm Lenkrad. Der Scoop auf der Kühlerhaube erinnert an ein Haifischmaul. Am Heck sorgt die Wheelie Bar dafür, dass die Kiste beim Start nicht wie ein Wildpferd hochsteigt. Die Karosserie besteht aus Metall, Glas- und Kohlefaser, der Mustang bringt 1000 Kilo auf die Waage, hat 1000 PS. Die 45 Zentimeter breiten Reifen sind mit den Felgen verschraubt, sonst würden sie sich beim Start auf der Felge drehen.

Eine Welt für sich

Der 42-Jährige Schwarzenfelder hat seine Leidenschaft für Dragster-Rennen 2008 entdeckt. Und nicht nur er. Ohne Kurt Ries (Schwarzenfeld) und Markus Vetter (Kümmersbruck) wäre dieses Hobby nicht machbar. Zimmerer, Elektriker, Kaufmann - sie haben normale Berufe, riesiges Interesse am Motorsport und sind mit einem Stück Verrücktheit behaftet, wenn sie in der Halle im Schmidgadener Gewerbegebiet am Motor schrauben, an den Gemischen tüfteln, Versuchsreihen am PC auswerten. Luftdruck und Temperatur spielen eine große Rolle, um die Leistung punktgenau auf die Strecke zu bekommen. Manche Konkurrenten arbeiten mit einer ausgeklügelten Wetter-App, machen eine Wissenschaft daraus. "Da verlassen wir uns aber schon noch auf unser Gespür", erzählt Kurt Ries. Bisher hat es geklappt.

Für Florian Uebel war früher das 24-Stunden-Mofarennen in Speinshart eine Herausforderung. Dann wollte er mehr. "Das ist kein Vergleich zum Kick beim Dragster-Fahren". Kurt Ries erinnert an die Nitrolympx in Hockenheim: Die Urgewalt an Geräuschen und Erschütterung ließ den Blutdruck steigen. Inzwischen ist ein Gehörschutz obligatorisch. Denn die "Top Fuel"-Klasse, das sind 10 000 PS, flüssiger Sprengstoff. Und auch entsprechender Kapitaleinsatz. "Da sind schon Häuser draufgegangen", weiß Florian Uebel von Fahrern in dieser Klasse.

Doch nach diesem Erlebnis stand für Florian Uebel fest: "Das muss ich machen". Der selbstständige Monteur ist während der Woche beruflich bayernweit unterwegs. In seiner Freizeit geht es in die Halle und dann mit dem Truck zu Rennen in ganz Europa. Der 42-Jährige hat Glück: Nicht nur beim Dragster fahren. Ehefrau Silke ist dabei, ebenso die Söhne Lukas und Felix. Der achtjährige Lukas fährt schon beim Junior Dragster mit. Vollkommen gesichert, "sonst würde ich ihn da nicht ran lassen", erzählt Uebel. Auch in seiner Klasse gab es bisher keinen Unfall, keine Verletzungen.

Uebels erstes Auto war ein himmelblauer 1967er Chevrolet Nova. Er wurde dann umlackiert. Weiß mit schwarz-weißen Kästchen war attraktiver. In der dritten Saison war Uebel bereits deutscher Vizemeister in der Klasse Super Gas. Das zweite Auto ist jetzt noch am Start: Ein goldener, animalisch anmutender 1998er Ford Mustang. Mit ihm reist das Team nach Santa Pod (England), nach Rivannzzano (Italien), nach Tschechien oder nach Hockenheim, wo die größten Dragster-Rennen in Europa abgehen - und das schon mal vor 50 000 Fans.

Der Schwarzenfelder startete heuer mit dem Ford Mustang in der Super Pro ET Challenge. Die Fahrer haben hier ein Zeitfenster zwischen 8.99 und 6 Sekunden: Eine viertel Meile (402 Meter) Distanz ist in 8,32 Sekunden zurückzulegen. Das entspricht 275 km/h bei 402 Metern. In der stärksten Klasse steigert sich das auf 512 km/h. Uebel musste eine Punktlandung hinlegen. "Das sind Abstimmungen im 1000stel Bereich". In der Ausscheidung holte sich der 42-Jährige den Europatitel. Das hieß bei den Rennen am Mittwoch anreisen und aufbauen, am Donnerstag technische Abnahme (er selbst muss jährlich einen Gesundheitscheck machen), dann die Qualifikationsläufe. Ein Lotteriespiel mit dem hochgezüchtetem Ford Mustang: 1000 Kilo schwer, Saugmotor, 10,2 Hubraum, 1000 PS. Doch es hat geklappt. Die Preisgelder sind im Vergleich zum finanziellen Einsatz und der Manpower eher bescheiden. Uebel freut sich deshalb, dass ihm einige Sponsoren unter die Arme greifen.

Adrenalin pur

Sie teilen seine Begeisterung für den schnellsten Motorsport der Welt. "Das ist Adrenalin pur, wenn es in 1,2 Sekunden von Null auf 100 geht". Nächstes Jahr will Uebel noch weiter in der Super Pro ET Challenge fahren. Er liebbäugelt aber schon mit der FIA-Klasse Pro Modified und 3500 PS.

Das sind Abstimmungen im 1000stel Bereich.Florian Übel
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