16.03.2018 - 20:56 Uhr
Schmidgaden

Haushalt des Zweckverbandes erhöht sich von 534 900 auf 3 039 300 Euro "Die Situation ist dramatisch"

Rund 30 Jahre ist der Vorsitzende des Wasserzweckverbands, Armin Schärtl in der Kommunalpolitik. Doch eine Situation, wie die der Brudersdorfer Gruppe "ist noch nie dagewesen" betont er mit Blick auf Volumen und Eckdaten des Etats 2018. "Wir müssen die Bürger mit viel Geld belasten". Die Gesamtlage sei "dramatisch".

Angespannte Mienen bei den Verbandsräten und den vielen Zuhörern im Schmidgadener Sitzungssaal: Der Zweckverband hat einen Haushalt in einer bisher noch nie gekannten Höhe zu schultern. Bild: Völkl
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Schmidgaden/Nabburg. Armin Schärtl, Vorsitzender des Zweckverbandes zur Wasserversorgung der Brudersdorfer Gruppe, und Geschäftsführer Hans Werner erläuterten die Eckdaten.

Der Zweckverband hat ein schwieriges Etatjahr hinter sich. Mehrere große Rohrbrüche in Rottendorf stellten den Zweckverband vor große Liquiditätsprobleme. Der Wassereinkauf steht mit 108 000 Kubikmeter auf einem Rekord. Der Grund: Die Wasserverluste im maroden System betrugen 22 260 Kubikmeter, also 20,51 Prozent. Von der eingekauften Frischwassermenge versickert jeder fünfte Kubikmeter im Erdreich, ist im Haushaltsvorbericht zu lesen. Die Straßenwiederherstellungen "Am Schulberg" in Rottendorf wurden durch die Unterspülungen erheblich teuerer. Die Verwaltungskosten, die bei der Gemeinde Schmidgaden für den Zweckverband aufliefen - 43 100 Euro - wurden gestundet, die Rücklagen sind aufgebraucht. "Trotz der dreigeteilten Verbesserungsbeiträge reicht das Geld nicht", fasste Schärtl zusammen. "Wir müssen noch einmal in die Verschuldung gehen".

Über 53 Prozent mehr

Mit den restlichen Sanierungsmaßnahmen des Bauabschnitts I (Ortsbereich in Rottendorf ohne Siedlungen, Inzendorf, Kadermühle, Obersteinbach, Ragenhof, Fraunberg und Passelsdorf) steht die größte Investition des Zweckverbandes seit seiner Gründung an. Der günstige Ausschreibungszeitpunkt wäre laut schriftlichen Vorbericht des Kämmerers im Frühjahr 2016 gewesen. Doch der anhängige Rechtsstreit und die zahlreichen Widersprüche "hemmten und blockierten die weitere Erneuerung der Wasserleitungen für rund zwei Jahre". Mit dem eindeutigen Urteil des Verwaltungsgerichts Regensburg Ende 2017 sei der Weg frei für die Ausschreibung gewesen.

Nur zwei Firmen gaben ein Angebot ab. Angesicht gestiegener Baupreise und Auslastung der Firmen lag das beste Angebot 14 Prozent über der Kostenberechnung des Planungsbüros Seuss vom 19. Februar dieses Jahres. Im Vergleich zur Globalkalkulation der Verbesserungsbeitragssatzung, die auf den Preisen vom Frühjahr 2015 beruht, müssen die Bürger mit Kostensteigerungen von über 53 Prozent rechnen. Die zweite Rate der Verbesserungsbeiträge - jetzt 1,6 Millionen Euro - wird im Frühjahr 2018 fällig. Die Wassergebühren werden zum 1. Januar 2019 angehoben und die Zwischenfinanzierung muss über einen höheren Kredit abgewickelt werden.

Etwas abgepuffert wird die Situation mit der staatlichen Förderung nach "RZWas". Laut Schärtl ist die erste Förderschwelle bei zwei Millionen Euro Bausumme erreicht. Wenn von den sieben Kilometern Leitungen fünf gebaut sind, könne man mit 400 000 Euro rechnen. Die Baumaßnahme soll Ende 2019 fertig sein, die Schlussabrechnung 2020 vorliegen.

"Hart und ungeschminkt"

Auf der Basis dieser Eckdaten braucht der Zweckverband eine Zuführung von 278 000 Euro vom Vermögens- an den Verwaltungsetat. Man hat noch Schulden durch Stundungen, von zwei Schuldnern stehen Verbrauchsgebühren aus, in einem Fall ist eine Zwangshypothek ins Grundbuch eingetragen. "So sieht die Situation hart und ungeschminkt aus", fasste Schärtl zusammen.

Der Etat schließt im Verwaltungshaushalt mit 660 900 Euro, im Vermögenshaushalt mit 2,378 Millionen Euro. Das ist eine Rekord-Gesamterhöhung von 534 900 auf 3 039 300 Euro. Die Kreditaufnahme beträgt 754 000 Euro, 2 250 000 Euro sind an Verpflichtungsermächtigungen festgelegt. Der Haushalt wurde mit einer Gegenstimme von Christian Pröls verabschiedet.

Wir müssen die Bürger mit viel Geld belasten.Zweckverbandsvorsitzender Armin Schärtl

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