23.02.2018 - 16:20 Uhr
Schmidmühlen

Gebürtiger Oberpfälzer Heiko Roggenhofer-Stiegler (47) startet in Berlin Statisten-Karriere Vom Lauterachtal nach Babelsberg

Als Heiko Roggenhofer-Stiegler (47) vor drei Jahren nach Berlin zieht, hat er beruflich noch nichts mit dem Thema Film zu tun. Heute ist er gefragter Komparse. Innerhalb eines halben Jahres dreht er elf Filme. Die unerwartete Karriere an deutschen und internationalen Filmsets hat er seiner Abenteuerlust zu verdanken.

Heiko Roggenhofer-Stiegler ist zum dritten Mal auf der Berlinale. Hauptsächlich als Cineast. Bild: doz
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Von Cindy Michel und Christopher Dotzler

Die Biografie des gebürtigen Schmidmühlener (Landkreis Amberg-Sulzbach) ist recht ungewöhnlich. Er hat über 30 Länder bereist. Mit 19 zieht er für fünf Jahre in einen Bauwagen, weil er sich nicht in eine gesellschaftliche Rolle zwängen lassen will. Im Winter ist es oft so kalt, dass es die gefrorenen Wasserflaschen zerreißt. Er macht eine Ausbildung zum Landwirt, arbeitet eine Zeit lang am Landwirtschaftsamt. So viel zu den konventionellen Jobs. Roggenhofer-Stiegler sagt im Interview: "Ich habe schon Gold in Neuseeland gewaschen, war Imker und habe Christbäume verkauft - ich habe schon alles gemacht." Heute hat er eine Frau, drei Kinder und ist jetzt eben beim Film.

Schon seine erste Begegnung mit der Filmbranche ist kurios. Roggenhofer-Stiegler lebte 15 Jahre lang in Kastl. Er erzählt: "Ich wollte aus dem Ort weg, weil ich ein Input-Problem hatte." Kaum war dieser Entschluss gefasst, rief ihn seine Schwägerin an, als er gerade nicht zu Hause war und sagte: "Du, da war heute jemand da, die wollen bei dir im Haus einen Film drehen." Wie sich herausstellte, suchte der Regisseur Marcus H. Rosenmüller ("Wer früher stirbt ist länger tot") Drehorte. Für "Wer's glaubt, wird selig" kommen 2011 schließlich Kamerateams und Schauspieler in den Landkreis Amberg-Sulzbach. "Rosenmüller, Christian Ulmen und Simon Schwarz standen bei mir im Garten und haben gedreht", sagt Roggenhofer-Stiegler.

Selbst damals sagt er noch: "Ich habe nie daran gedacht, beim Film zu arbeiten. Ich habe Lampenfieber, dass alles aus ist." Der 47-Jährige, der seit einigen Jahren in Berlin lebt, spazierte drei Jahre lang fast täglich an der Agentur "Filmgesichter" vorbei. Immer mit dem Gedanken: "Schaue ich mal rein oder nicht?" Schließlich entscheidet er sich dafür: "Dann bin ich dort hin, habe Fotos gemacht und Zeug ausgefüllt - danach ist es abgegangen." Die Casting-Agenturen buchen den gebürtigen Oberpfälzer für zig Produktionen. Als erstes steht er für "Berlin Station" vor der Kamera. Es folgen Auftritte in der Katastrophenserie "Acht Tage", einem Usedom-Krimi, "Ku'damm 59", "Die Lobbyistin", einem finnischen Actionfilm und einer ARD-Anwaltsserie. Einmal wird Roggenhofer-Stiegler sogar als Double von Devid Striesow angefragt.

Politiker und Kommissar

Der 47-Jährige sagt: "Ich werde sehr oft im Anzug gebucht, spiele irgendwelche Politiker, Beisitzer bei einer Gerichtsverhandlung oder einen Kommissar beim Landeskriminalamt." Es ist nicht so, dass Roggenhofer-Stiegler erfährt, was ihn auf dem Set erwartet: "Du weißt am Anfang gar nichts. Manchmal steht da Komparse, manchmal Kleindarsteller. Letzteres heißt dann, dass ich einen Text habe."

Für jedes Engagement bekommt er eine Pauschale, für Überstunden und Nachtschichten Zuschläge. Aber wie sich locker machen bei einem Dreh? Der Berliner sagt: "Am Anfang spielst du stocksteif. In der Pause blödelt man rum, dann wird man wieder ein bisschen zum Kind. Ich merke, dass mir das gut tut und mir den Stock aus dem Hintern zieht."

Gegen Schauspielausbildung entschieden

Roggenhofer-Stiegler hat keine Ambitionen, größere Rollen zu übernehmen. Er hat zwar einmal überlegt, eine Schauspielausbildung zu machen, sich aber letztlich dagegen entschieden - sein schauspielerisches Talent sei begrenzt, sagt er. An einem Set bekomme man erst richtig mit, was einen guten Schauspieler ausmacht. Zudem sagt der 47-Jährige: "Mein Dialekt kommt immer hardcore durch." Vor kurzem habe er eine Szene mit Text gehabt - und dann aus dem Off gehört: "Das drehen wir jetzt nicht noch einmal, das synchronisieren wir. Das kostet uns fünf Euro." Roggenhofer-Stiegler lacht, er liebt es, solche Anekdoten zu erzählen.

Ich weiß nicht, wer da oben für mich zuständig ist, aber der meint es echt gut mit mir.Heiko Roggenhofer-Stiegler

Die Drehs sind alles andere als einfach. Die Kunst der Komparserei sei es, "ruckzuck in die Atmosphäre zu kommen". Alles muss auf den Punkt genau passen, sonst vermiest das die Szene. Wenn der Regisseur sich für zehn verschiedene Kameraeinstellungen entscheidet, muss Roggenhofer-Stiegler zehn Mal am gleichen Fleck stehen, die Haare müssen so sitzen wie im vorangegangenen Take. Das alles passt, dafür sind Helfer am Set zuständig: "Die zupfen dir wirklich jedes Härchen ab, rollen dir jedes Fuserl weg und schauen, dass deine Schuhbänder richtig zu sind. Im Film siehst du dich dann verschwommen hinten im Eck stehen." Oder es kommt noch ernüchternder: "Du kannst wirklich eine Woche drehen, siehst den Film an und bist komplett rausgeschnitten."

"Reeller Touch"

Trotzdem ist Roggenhofer-Stiegler dankbar für seine unerwartete Karriere. Vor drei Jahren war Film für ihn noch gar kein Thema. Jetzt dreht er mit Schauspieler-Stars: "Es ist witzig, dass das alles so einen reellen Touch bekommt. Wenn man auf dem Dorf aufwächst, dann ist das so weit weg." Die Agentur, bei der der 47-Jährige ist, hat schon für "Inglourious Basterds" und "Bridge of Spies" gecastet. Auch für "Babylon Berlin" sucht sie die Komparsen aus. Roggenhofer-Stiegler rechnet sich für die dritte Staffel gute Chancen aus, bei der teuersten nichtenglischsprachige Serie dabei zu sein und freut sich auf solch eine Chance. Dabei weiß er selbst, dass er ein Glückspilz ist: Es sei nicht so, dass er sich wahnsinnig Mühe gebe, um die Jobs zu bekommen. Vielmehr falle ihm alles in des Schoß: ""Ich weiß nicht, wer da oben für mich zuständig ist, aber der meint es echt gut mit mir."

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