15.09.2017 - 15:42 Uhr
Schmidmühlen

Verschwundene Kulturdenkmäler Die Wasserschöpfräder der Lauterach

Wer hier vorbeikommt, fährt an einem Stück Geschichte vorbei. Nur ist davon heute praktisch nichts mehr zu sehen: Auf dem Radweg entlang der Lauterach standen einst Wasserschöpfräder am Fluss. Nur wer weiß, wonach er suchen muss, kann noch Überreste dieser landwirtschaftlichen Kulturdenkmäler entdecken - in Form einer etwas ausgeprägteren Uferbefestigung.

1931 wurde das letzte Wasserschöpfrad an der Lauterach zwischen Allersburg und Ransbach gebaut. Die Zimmerer waren Georg Lorenz (links) sowie Sohn und Vater Leonhard Ehrensberger (von rechts), hier mit Bauherr Donatus Lorenz (Zweiter von links). Repro: bö
von Paul BöhmProfil

Ein paar morsche Eichenpfahl-Stummel sind hier noch zu finden. Aber die Räder und die hölzernen Rinnen, über die die Felder bewässert wurden, gibt es schon lange nicht mehr. Die kleinen Wassergräben sind verfüllt, die Schöpf- und Triebwerkskanäle im Uferbereich verschwunden. Aber es gibt noch Zeitzeugen: Der Allersburger Georg Geitner kennt die Stellen, wo in seiner Kindheit die Wasserräder zwischen Allersburg und Ransbach an der Lauterach standen. Als Vinzenz Praller aus Ransbach ein Bub war, schauten ein paar Eichenpfähle aus dem Uferbereich heraus. Aus Erzählungen seines Vaters weiß er, dass dort einmal ein Wasserschöpfrad gestanden hat.

Im 19. Jahrhundert und früher gab es im Lauterachtal mehrere dieser knarrenden und ächzenden Anlagen, mit denen die Bauern ihre Wiesen bewässerten. Die Räder wurden wohl als selbstverständlich hingenommen und kaum beachtet, obwohl ihre ruhelose, gleichmäßige Arbeitsmelodie, besonders bei Nacht, im engen Lauterachtal weithin hörbar war.

Endgültig verloren

Leonhard Ehrensberger aus Hohenburg erzählt, dass 1931 das letzte Wasserschöpfrad zwischen Allersburg und Ödenwohr, kurz vor Ransbach, gebaut wurde. In Auftrag gegeben hatte es Donatus Lorenz, der "Dorfmüller" von Allersburg. Die Zimmerer waren damals Georg Lorenz, Leonhard Ehrensberger, sein Urgroßvater, und Leonhard Ehrensberger, der Vater des heute über 80-Jährigen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen diese für das Lauterachtal einmaligen und historisch wertvollen Schöpfräder endgültig verloren. Nur noch wenige Leute können sich heute daran erinnern. Einer von ihnen ist der Landwirt und ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Allersburg, Georg Geitner. Seiner Familie gehörten die Felder zwischen Allersburg und Ransbach: "Als Bub bin ich dort mit einen Eltern immer auf dem Feld gewesen." Mutter und Vater hätten ihm immer verboten, in die Nähe des Wasserrades zu gehen: Das sei gefährlich - "da kommst unter die Schaufelräder und dann bist zu weg". So kamen wohl auch die Geschichten vom Wassermann auf, der spielende Kinder vom Ufer zu sich ins Wasser holt.

Das Wasserrad oberhalb von Allersburg gehörte der Familie von Donatus Lorenz, dem Betreiber der Kreuzermühle in Allersburg (Hausname Dorfmüller). Der Großvater des jetzigen Inhabers, auch ein Donatus Lorenz, hatte 1931 den Auftrag für den Bau des letzten Exemplars gegeben: "Mein Vater hat unser Wasserschöpfrad in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg nochmals herrichten lassen."

Das große Hochwasser

Das große Hochwasser von 1956 hat die Räder so beschädigt, dass eine Reparatur nicht mehr in Frage kam. Später haben sich Georg Geitner, Donatus Lorenz und Johann Inzelsberger eine mit einem Dieselmotor betriebene Pumpe angeschafft, um ihre Wiesen zu bewässern. "Aber das haben wir bald wieder eingestellt, weil es zu arbeitsaufwendig und zu teuer geworden ist", sagt Geitner.

Auch am Hausner-Bach bei Malsbach in Richtung Heimhof gab es ein solches Rad. Geitner weiß, "dass man nicht immer Wasser aus der Lauterach und aus dem Hausner-Bach entnehmen durfte". Entnahmerechte regelten dies. "Aber das hat man damals nicht so genau genommen. Die Eigentümer haben den Flutkanal geöffnet, wenn sie meinten, dass ihre Wiesen bewässert werden müssen."

Vom Hochwasser zerstört

Durch das katastrophale Hochwasser vom 4. und 5. Februar 1909 wurden die meisten der Wasserschöpfräder von Treibgut zerstört oder so stark beschädigt, dass sie nicht mehr zu gebrauchen waren.

Nach 1909 waren noch folgende Wasserschöpfräder in Betrieb: bei Schmidmühlen gegenüber dem Marienthal auf Höhe der jetzigen Brunnmühle, bei Stettkirchen an der Lauterach, außerdem oberhalb von Allersburg und unterhalb von Ransbach, auf Höhe des Weilers Ödenwöhr. Letzteres wurde wegen des Zweiten Weltkriegs nicht mehr fertig. Da die Dürrejahre im 20. Jahrhundert seltener wurden (Ausnahmen waren die Jahre 1904, 1911, 1921 und 1934), verfielen diese ungewöhnlichen Kulturgüter.

Sie wurden meist nicht mehr instand gesetzt oder erneuert, da der jährliche Ein- und Ausbau sowie der Unterhalt erhebliche Kosten für jedes Exemplar verursachten, heißt es in den Aufzeichnungen von Xaver Eichenseer. (bö)

Eine Besonderheit

Im 19. Jahrhundert und auch schon früher gab es im Lauterachtal von Schmidmühlen bis Ransbach mehrere Schöpfräder, mit denen die Bauern Wasser aus der Lauterach auf die Talwiesen ausbrachten. Erhalten sind diese Anlagen nicht. Aber sie werden im Heimatbuch des Marktes Schmidmühlen erwähnt.

Heimatchronist Xaver Eichenseer hat sich 1978 mit der Geschichte der Wasserschöpfräder an der Lauterach zwischen Schmidmühlen und Ransbach beschäftigt und diese in seiner Heimatchronik gewürdigt. Diese Hebemaschinen aus Holz, wie er sie nannte, drehten sich Tag und Nacht und schöpften Wasser aus der Lauterach. In den damals häufig trockenen Sommern konnte auf den mit dieser Technik bewässerten Wiesen drei- bis viermal statt zweimal im Jahr reichlich Heu gemacht werden.

Die Räder waren auf einer oder auch zwei Seiten mit Wasserkästen, sogenannten Kümpfen, bestückt. Es gab Exemplare mit einem oder auch einem doppelten Radkreuz - je nachdem, wie groß der Bauer oder die Wiese war. Die Schöpfkästen tauchten etwa einen halben Meter tief ins leicht angestaute Wasser, füllten sich mit ungefähr 15 Litern und schütteten den Inhalt von oben in den Schöpftrog. Von dort aus lief das Wasser in eine größere Holzrinne, von der mehrere kleinere, auf Böcke gestützt, beweglich auf die Wiesen abzweigten. Durch ein Netz von kleinen Gräben konnte das Wasser gleichmäßig über die ganze Fläche verteilt werden. Die Räder auf einem gut verstrebten Balkengerüst hatten einen Durchmesser von vier bis fünf Metern. (bö)

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