Heimatpfleger tagen in Winbuch
Damit die Namen bleiben

Flurdenkmäler wie das Hiltl-Kreuz in Schmidmühlen sollen systematisch erfasst werden. Bilder: pop (2)
Vermischtes
Schmidmühlen
22.12.2016
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Im Nachmittagsprogramm ihrer Tagung besuchten die Kreis- und Ortsheimatpfleger das Fledermaushaus in Hohenburg.

Früher wusste jeder in Schmidmühlen, wer der Hammerschmied ist. Hausnamen wie dieser haben im Landkreis eine lange Geschichte. Doch inzwischen besteht die Gefahr, dass die alten Bezeichnungen in Vergessenheit geraten. Wären da nicht die Heimatpfleger.

Winbuch. Die Kreis- und Ortsheimatpfleger des Landkreises haben sich zum 14. Mal zu ihrer jährlichen Fachsitzung getroffen, diesmal in Winbuch (Schmidmühlen). Rund 30 Vertreter aus den verschiedenen Gemeinden waren der Einladung von Kreisheimatpfleger Dieter Dörner gefolgt, der zugleich der Sprecher im Landkreis ist.

Landrat Richard Reisinger und Bürgermeister Peter Braun machten der Runde ihre Aufwartung und drückten so Unterstützung und Wertschätzung für die Arbeit der Heimatpfleger aus. Diese richteten den Blick zunächst zurück auf den "Tag des offenen Denkmals 2016": Die Resonanz darauf sei sehr unterschiedlich, aber durchaus positiv gewesen, resümierte Dörner. Im nächsten Jahr sei das Motto "Macht und Pracht".

Gegen das Vergessen

Ein Thema, das die Heimatpfleger schon seit langem beschäftigt, ist die Dokumentation von Hausnamen. Diese haben auch im Amberg-Sulzbacher Land eine lange Geschichte und sind vielerorts immer noch gebräuchlich. Und doch verschwinden sie langsam und geraten damit in Vergessenheit. Dem möchten die Heimatpfleger entgegenwirken.

Hausnamen entstanden schon sehr früh - als es noch keine Grundbücher, Straßennamen oder Hausnummern gab. Trotzdem war es notwendig, ein Anwesen oder eine Familie genau zu definieren: So gingen Namen von Bewohnern auf Häuser über - und deren Namen wieder zurück auf die Bewohner. Oft entstanden die Hausnamen aus Berufsbezeichnungen. So gibt es beispielsweise in Schmidmühlen den Hausnamen Hammerschmied: Einer der Gebäudebesitzer arbeitete einst als Schmied im Hammerwerk.

Zu den Fledermäusen

Inwieweit die Gemeinden oder betroffene Hausbesitzer beim Projekt zum Erhalt dieser Hausnamen mitmachen, bleibt vorerst noch offen. Die Heimatpfleger kamen überein, dieses Thema im März bei der LAG-Bürgermeisterversammlung (Lokale Aktionsgruppe) zu thematisieren. Danach werden Interessierte durch die Gemeinden und die Presse über das weitere Vorgehen informiert.

Im Nachmittagsprogramm besuchten die Heimatpfleger dann das Fledermaushaus in Hohenburg. LBV-Beauftragter Rudolf Leitl sprach über Geschichte, Erfolge und Probleme.

HintergrundAufgabe der Heimatpfleger ist es, sich der Kultur der Region, der Tracht, der Volksmusik, der Volkstänze, des Kirwa-Geschehens, des Brauchtums, der Mundart, der Heimatgeschichte und dem Erhalt der örtlichen Baukultur sowie des landschaftsgebundenen Bauens anzunehmen. Dazu gehören auch das Wissen und das Bewusstsein um die Geschichte. Ziel ist es, bei der Bevölkerung das Verständnis für den Wert der Heimat zu wecken, zu stärken und die Bürger zu motivieren, sich dafür zu engagieren. (pop)


Tag des offenen Denkmals: "Macht und Pracht"Der Tag des offenen Denkmals findet im kommenden Jahr am Sonntag, 10. September, statt. Er steht unter dem Motto "Macht und Pracht". Dieses Thema ermöglicht nach Ansicht der Verantwortlichen vielfältige Interpretationen.

Insbesondere Architektur und Kunst drücken seit jeher den Wunsch ihrer Erbauer, Erschaffer und Auftraggeber aus, Schönheit, Wohlstand, weltliche, aber auch religiöse Machtansprüche widerzuspiegeln. Dies wird unterschiedlich und facettenreich umgesetzt: durch Form- und Materialwahl, durch den Einsatz von Technik und Technologien, die Art der künstlerischen Ausgestaltung mit Farben, Motiven und Ornamentik, den gewählten Ort und die Qualität der eingebundenen Baumeister, Architekten, Künstler und Handwerker.

Der Tag des offenen Denkmals soll die Besucher dazu anregen, sich mit den vielfältigen Ausdruckformen von "Macht und Pracht" in allen relevanten Bereichen von Architektur- und Kunstgeschichte gezielt und damit auch bewusster auseinanderzusetzen. Jedes Denkmal steht oft beispielhaft für soziale und kulturelle Verhältnisse der Zeit, seiner Entstehung und Nutzung.

Bei "Macht und Pracht" soll es nicht nur um ein Zeigen von "reich und groß" gehen. Sicher werden Schlösser, Burgen, mächtige Klöster und Kirchen, Patrizierhäuser oder Industriellenvillen, aber auch Rathäuser, große historische Fabrikhallen, Gärten, Parks und stattliche Bauernhäuser im Fokus stehen. Aber der Denkmaltag eröffnet auch die Möglichkeit der kritischen Auseinandersetzung. (pop)

Im Blickpunkt

Veronika Schmalzl (LAG) erläuterte das Gemeinschaftsprojekt "Erfassen historischer Kulturlandschaften" (Beginn im Frühjahr) und die Fördermöglichkeiten. Die beteiligten Gemeinden und Heimatpfleger erhalten Vorgaben für die Erfassung und Fotografie. Angeregt wurde, auch nicht mehr existente Kulturdenkmäler aufzunehmen, soweit eine Dokumentation noch möglich ist.

Da der Eisengau-Sonderband "Straßennamen" aus redaktionellen Gründen nicht rechtzeitig fertig geworden ist (erscheint Mitte 2017), brachten Isabell Lautenschlager (Ensdorf) und Josef Schmaußer (Hohenkemnath) den Gedanken eines Sonderbandes "Geschichten aus dem Hirschwald" ein, der gut ankommt.

Ortsheimatpflegerin Ines Kämmler (Hohenburg) informierte über Aufbau, Pflege und Benutzung eines Gemeindearchivs. Öffentlichkeitsarbeit und Synergieeffekte in der Zusammenarbeit zwischen Archivar und Heimatpfleger waren auch Thema.

Kreisheimatpfleger Mathias Conrad referierte über "Die Burg als Bauwerk - Entwicklung und Burgenbau vom 11. Jahrhundert bis in die frühe Neuzeit." Übereinstimmend bestand die Meinung, dies im Eisengau zu publizieren.

"Kirche & Wirtshaus mit Pfiff" gibt es auch 2017: Frohnberg mit dazugehörigem Gasthaus (2. April), Dreifaltigkeit Amberg/Kirche und Kircherl mit Gasthaus Kummert (28. Mai), Pfaffenhofen mit Karner/Gasthaus Gehr (17. September) und Simultankirchen Königstein mit Gasthaus Zur Post (8. Oktober).
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