10.05.2017 - 18:14 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Verfahren gegen Motorradfahrer eingestellt Temposünder mit Visier

Amberg-Sulzbach. Es war Sommer. Schöner Tag für viele "Easy Rider". Südlich von Schmidmühlen stand ein Radargerät der Polizei neben der Staatsstraße. 100 Stundenkilometer wären erlaubt gewesen. Mit 136 Stundenkilometern bretterte ein Krad mit Amberger Kennzeichen durch die Lichtschranke.

Unter einem Motorradhelm ist der Fahrer oft kaum zu erkennen. Einem 56-jährigen Amberger ersparte dies nun eine Strafe. Symbolbild: dpa
von Autor HWOProfil

Die Halterfeststellung war kein Problem. Einige Zeit später bekam der 56-jährige Amberger Post von der Bußgeldstelle. Darin stand: 160 Euro an die Staatskasse und ein Punkt in Flensburg. Der Mann ging zu Rechtsanwalt Jürgen Mühl und gemeinsam legten beide Einspruch gegen diese Ahndung ein.

So wurde nun in einem Ordnungswidrigkeits-Verfahren vor der Amtsrichterin Katrin Rieger verhandelt. In aller Regel haben Geschwindigkeitssünder in solchen Prozessen kaum eine Chance. Diesmal schon. Denn der Beschuldigte ließ erklären, er sei damals nicht mit seinem Motorrad unterwegs gewesen. "Ist immer gut, wenn ich dann erfahre, wer es war", konterte die Richterin. Doch das mochte der Mann nicht sagen. Musste er auch nicht. Zur Preisgabe eines Namens konnte ihn keiner zwingen.

Nicht sicher der Fahrer

Es gab ein Bild, das beim Auslösen des Kontrollgerätes entstanden war. Die Aufnahme zeigte einen Mann mit Helm, in dessen heruntergeklapptem Visier sich Lichtreflexe spiegelten. Beim Betrachten erhob sich die Frage: War es tatsächlich der 56-Jährige? Äußerst schwierig zu beantworten. Denn das Gesicht war vollkommen verdeckt.

Was geschieht in solchen Fällen? Die in Sachen "Temposünder" erfahrene Richterin ließ anklingen, dass man einen Sachverständigen beauftragen könne. Mit Kosten in vierstelliger Höhe. Der Experte errechne dann nach eingehenden Vermessungen die Wahrscheinlichkeit einer Täterschaft. Die liege allerdings, so vermutete Rieger angesichts des vorhandenen Fotos, eher im unteren Prozentzahlen-Bereich.

Ein paar Minuten später wurde deutlich: Der Tempo-Ausraster bei Schmidmühlen bleibt ungeahndet. Die Richterin schlug eine Einstellung des Verfahrens vor. Bedeutete für den 56-Jährigen: Er muss zwar seine Auslagen selbst tragen, aber die Geldbuße nicht zahlen und bekommt auch keinen Punkt in Flensburg. Er zog zufrieden von dannen.

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