26.04.2017 - 11:34 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Brennnessel-Kochkurs im Kräuterstüberl Juckt nicht und schmeckt lecker

Sie ist eine große Heilerin. Streift man sie aber, ist das schmerzhaft. Die Brennnessel stand im Mittelpunkt eines Kochkurses im Kräutergarten der Stadt Schnaittenbach.

Brennnesseln pflücken kann man auch ohne dass es juckt: Wie das funktioniert, zeigte Sigrid Fischer (links) ihren Kursteilnehmer.
von Dagmar WilliamsonProfil

Zurück zur Natur und zurück zur alternativen Medizin: Willi Meier, der den Kräutergarten betreut, und Sigrid Fischer aus Schnaittenbach haben das Wissen darüber - und sie geben es auch gern weiter.

Seit 43 Jahren ist Willi Meier Vorsitzender des Gartenbauvereins, der vor über 20 Jahren auch den Kräutergarten ins Leben gerufen hat. Dort ist Meier täglich ehrenamtlich im Einsatz. Sigrid Fischer hat eine Ausbildung zur Kräuterführerin gemacht und arbeitet seit fast zehn Jahren für die Stadt Schnaittenbach im Garten. Jetzt wurde dort, im Kräuterstüberl, mit der Brennnessel als Hauptzutat gekocht: Suppe, gebackene Brennnesselspitzen, ein Aufstrich und Pfannkuchen.

Schmerzfrei ernten

"Natürlich könnte ich jetzt auch nur einen Vortrag über die Bedeutung von Brennnesseln halten, aber da lernt doch niemand etwas", sagte Fischer. Die 62-Jährige bevorzugt es deshalb, Kurse zu leiten, bei denen sie praktisches Wissen vermittelt. Bevor die Brennnessel verarbeitet werden kann, muss sie zuerst geerntet werden. Mit der richtigen Anleitung funktioniert das auch ganz schmerzfrei und ohne Jucken: Die Blätter von unten nach oben streichend pflücken, lautete der Experten-Tipp.

Der beste Erntezeitraum ist von Mitte April bis Ende Juni. Für die Brennnessel gibt es viele volksmedizinische Anwendungsgebiete. Mit ihr kann man Blasen- und Verdauungsproblemen vorbeugen oder diese auch lindern. Außerdem hilft die Brennnessel gegen Haarausfall und Arthritis. Vor allem wird das Wildkraut aber als Frühjahrskur in Form von Tee eingenommen. Das milde Getränk wurde zur Begrüßung des Kochkurses serviert.

Verlorenes Wissen

Unter den Teilnehmern war Renate Luber aus Kemnath am Buchberg. Für sie ist es besonders wichtig, zur Natur zurückzukehren. Die 61-Jährige möchte sich mit Heilkräutern auseinandersetzen und den richtigen Umgang damit lernen: "Es ist so viel Wissen verlorengegangen. Man kauft einfach alles im Laden - und vergisst, dass vieles direkt vor der Haustür wächst." Das Wissen, das sie sich aneignet, möchte sie auch an ihre Kinder und Enkel weitergeben.

Der Kräutergarten

Im Kräutergarten in Schnaittenbach wachsen rund 350 verschiedene Kräuter, Gewürz- und Heilpflanzen. Eine Streuobstwiese, ein Moorbeet, eine Kompost-Ecke und ein kleiner Hausgarten für die Kindergruppe des Obst- und Gartenbauvereins gehören ebenso zur Anlage. Geöffnet ist sie von Mai bis September. Interessierte Gruppen können sich unter 09622/1224 bei Willi Meier zum Besuch anmelden. (dwi)

Zwei Brennnessel-Rezepte

Brennnessel-Aufstrich:

eine große handvoll Brennnesseln

eine große reife Tomate

2 EL Sonnenblumenkerne

etwas Öl

Salz

Alle Zutaten mit einem Pürierstab zu einer Paste mixen.

Brennnesselsuppe nach Hildegard von Bingen:

200g Brennnesselköpfe und junge Blätter

1 große Kartoffel

1 große Möhre

1 große Zwiebel

2 Brühwürfel

25g Butter

1 Liter Wasser

1 Eigelb

100 ml Sahne

Brennnesseln waschen und abtropfen lassen. Kartoffel, Möhre und Zwiebel schälen und würfeln. Zwiebel goldgelb andünsten. Restliches Gemüse, Wasser und Brühwürfel zugeben, etwa 20 Minuten kochen und mixen. Eigelb und Sahne verquirlen, kurz vor dem Servieren zugeben. Nicht kochen lassen, sonst gerinnt das Eigelb

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