Kemnather Pferdefreunde ziehen Konsequenz aus Kutschen-Unfall
Premiere: Führerschein für 2 PS

Die Lehrgangsteilnehmer mit ihrem Schulungsgespann und den beiden Prüfern, Dieter Meisburger (links) und Johannes Raßhofer (Zweiter von links) sowie Lehrgangsleiter Fritz Suckart (rechts auf dem Fahrerbock). Bild: exb
Freizeit
Schnaittenbach
20.04.2017
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Beim Zusammenstoß einer Kutsche mit einem Auto sind Mitte Januar in Windischeschenbach sechs Menschen verletzt worden. Die Kemnather Pferdefreunde wollen dazu beitragen, solche Unfälle künftig zu verhindern. Mit einem Führerschein.

Kemnath. Der Beirat Sport der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) hat die Einführung eines Kutschenführerscheins zum 1. Juni beschlossen, teilen die Haflingerzüchter und Pferdefreunde Kemnath mit: "Jeder, der sich mit einer Kutsche im Straßenverkehr bewegt, soll demnach zukünftig über den ,Kutschenführerschein A Privatperson' seine Qualifikation nachweisen. Für gewerbliche Fuhrhalter gibt es den ,Kutschenführerschein B Gewerbe'."

Nach dem schweren Kutschen-Unfall bei Windischeschenbach haben die Haflingerzüchter und Pferdefreunde sofort reagiert. Sie haben in ihrer ersten Ausschusssitzung 2017 beschlossen, einen Ausbildungslehrgang zum "Kutschenführerschein A für Gespannführer" zu organisieren und Mitglieder dabei auch finanziell zu unterstützen.

45 Lerneinheiten


Unter fachkundiger Anleitung von FN-Trainer und VFD-Ausbilder Fritz Suckart aus Oberviechtach fanden auf dem Stallgelände von Robert Gschrei in Schwarzhofen im März 45 Lehreinheiten in Theorie und Praxis statt. Zu den Schwerpunkten gehörten die Eignung eines Pferdes als Fahrpferd, Sicherheit beim Auf- und Abschirren, Ein- und Ausspannen, Anforderungen an verkehrssichere Kutschen, Bremsverhalten und das Sichtbarmachen bei Dämmerung und Dunkelheit.

Schließlich mussten in der Praxis schwierige Verkehrssituationen im Ort (vorausschauendes Fahren, Abbiegen und Überholmanöver, das Überqueren von Ampeln, Kreuzungen und kleineren Hindernissen) intensiv geübt werden.

Alle haben bestanden


Mit den Gespannen von Hans Gschrei aus Schwarzhofen und von Fritz Suckart an der vorbildlich ausgerüsteten Trainingskutsche von Robert Gschrei trainierten die sechs LG-Teilnehmer mit viel Einsatz und Interesse an den vorgeschriebenen Stationen. Dann stellten sie sich den beiden Prüfern und Richtern der Landeskommission Bayern, Johannes Raßhofer (München) und Dieter Meisburger (Kempten), in einer theoretischen und praktischen Prüfung. Erleichterung und Freude kam bei allen auf, als Johannes Raßhofer verkündete: "Fundierte Kenntnisse in der Pferdekunde, am Fahrsimulator und im Fahren im Straßenverkehr innerorts und außerorts können festgestellt werden. Somit haben alle Teilnehmer nach der gewissenhaften Vorbereitung des Ausbilders Fritz Suckart bestanden."

Darüber freuten sich ganz besonders Siegfried Eckl (Nabburg), Robert Gschrei (Schwarzhofen), Gerhard Hanauer (Waidhaus), Hermann Mutzbauer (Nabburg), Michael Stubenvoll (Großenschwand) und Johannes Wurm aus Stadlern. Robert Gschrei formulierte es so: "Auch wir alterfahrenen Fuhrmänner haben hier noch viel dazugelernt."

Die beiden Vorsitzenden der Kemnather Haflingerzüchter, Lorenz Gebert und Robert Zimmermann, hatten bei ihren Besuchen im Lehrgang und bei der Prüfung ebenfalls einen sehr positiven Eindruck und zollten Lehrgangsleiter Fritz Suckart und allen Teilnehmern ein großes Lob: "Wer da nicht dabei war, ist selber schuld und hat eine einmalige Chance verpasst", stellte Gebert fest.

KutschenführerscheinIst nun der Kutschenführerschein ab Juni 2017 wirklich Pflicht? "Nein, es gibt derzeit keine Führerscheinpflicht per Gesetz", teilen die Pferdefreunde mit. Die Straßenverkehrsordnung regele das Reiten und Gespannfahren im öffentlichen Verkehrsraum nur allgemein: "Abgesehen von der technischen Verkehrssicherheit der Kutsche (Fahrzeug) muss ein Gespann von Personen mit ausreichenden Fähigkeiten und Einwirkungsmöglichkeiten geführt werden."

Auch wenn der Kutschenführerschein nicht vorgeschrieben sei, diene er vor Gericht als Beweis der Fachkenntnisse und fahrerischen Könnens. "Ein verantwortungsvoller Gespannführer hat natürlich zur eigenen und zur Sicherheit Dritter eine solide Ausbildung" und den entsprechenden Nachweis, betont der Verein.

Einige Versicherungen seien schon hellhörig geworden: Sie hätten Pferdehaltern schriftlich mitgeteilt, dass bei einem Unfall oder einem Rechtsstreit vor Gericht die Sachkunde nachgewiesen werden muss. Andernfalls könne dem Fahrer grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen und die Zahlung verweigert werden.


Auch wir alterfahrenen Fuhrmänner haben hier noch viel dazugelernt.Robert Gschrei
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