17.10.2017 - 16:26 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Das Kommunbrauhaus von Schnaittenbach Wo der Metzger sein Bier braute

Es ist eines der markantesten Gebäude in Schnaittenbach: Das 105 Jahre alte Rossel-Anwesen an der Hauptstraße/B 14 war einst Kommunbrauhaus. Vor 80 Jahren hat es den Betrieb eingestellt. Damit endete die 500-jährige Tradition des Kommunbrauwesens.

Diese historische Aufnahme zeigt rechts das erste Kommunbrauhaus von Schnaittenbach, das 1910 abgebrochen wurde. Vor dem Gebäude befand sich der Braubrunnen am Marktplatz. Repro: sh
von Autor SHProfil

Von Hans Grieger

Ein Kommunbrauhaus war ein von der Gemeinde eingerichtetes Brauhaus, meist aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Hier konnten Bürger ihr eigenes Bier brauen. Voraussetzung waren oft die Bürgerrechte und ein eigenes Haus oder Grundstück in der Gemeinde. Auch die Schnaittenbacher dürften mit der Verleihung des Marktrechtes 1313 das Braurecht erhalten haben.

Nach Aufzeichnungen des Heimatforschers Georg Landgraf stammt ihr erstes Kommunbrauhaus, das ursprünglich neben der Kirche stand, die alte Hausnummer 90 trug und den westlichen Abschluss des Marktplatzes bildete, aus dem 14. oder 15. Jahrhundert. Ein alter, eingeschossiger Bau. Bei einer Visitation nach 1900 durch den damaligen Regierungspräsidenten Friedrich von Brettreich wurde seine baldige Beseitigung als wünschenswert bezeichnet, da die Kirche erweitert und restauriert wurde und das baufällige Haus dadurch noch schlechter wirke.

Im Krieg zerstört

1910 konnte die Gemeinde überzeugt werden, es abzubrechen und ein neues Brauhaus zu errichten. Vor und während des Dreißigjährigen Krieges 1618 bis 1648, als die Goldene Straße als Heerstraße benutzt wurde, hatte die Bierbereitung wegen des beträchtlichen Konsums eine große Bedeutung. Während des Krieges wurde das Kommunbrauhaus zerstört, 1652 wieder aufgerichtet.

1858 waren brau- und schenkberechtigt Krämer Liborius Rosner, die Tafernwirte Wenzel Rasel, Georg Gillitzer und Philipp Reiß sowie Johann Nagler, Ökonom Michael Biller, die Metzger Georg Reiß und Johann Reiß sowie Seilermeister und Postexpeditor Josef Reiß. Sie alle produzierten im Kommunbrauhaus und verkauften ihr Bier. Alle hatten dafür auch die erforderliche Braugeschirre und ein Schanklokal. Eine Ausnahme machte lediglich der Postexpeditor Josef Reiß, der damals noch keine eigene Gärlokalität besaß.

Nach der Erweiterung der Kirche wurde 1910 das baufällige Kommunbrauhaus abgebrochen. An seiner Stelle errichtete die Gemeinde an der Hauptstraße/Ecke Bachgasse 1912 ein neues, das heuer 105 Jahre alt wird. Es ist eines der markantesten Gebäude in Schnaittenbach - das erste dreigeschossige Haus im Ort mit einem Treppengiebel im Historismusstil, wie ihn auch die mittelalterlichen Rathäuser in Hirschau oder Sulzbach haben.

Der Bau war auf 14 000 Mark veranschlagt, kam die Gemeinde aber wegen der Inneneinrichtung auf über 21 000 Mark. Nur 23 Jahre später, am 19. Januar 1935, beschloss der Marktgemeinderat: "Dem Brauereibesitzer Josef Haas und dem Gastwirt Georg Fischer - dieser in seiner Eigenschaft als Vertreter der Interessengemeinschaft - ist mitzuteilen, dass die Marktgemeinde bereit ist, das Kommunbrauhaus zu verkaufen. Das hiesige Kommunbrauhaus wird als solches mit sofortiger Wirkung aufgelassen, bleibt aber als Braustätte bestehen."

Der letzte Braumeister

1937/38, also vor 80 Jahren, wurde letztmals im Kommunbrauhaus gebraut - vom letzten Kommunbraumeister der Gemeinde, Metzgermeister, Gast- und Landwirt Georg Fischer (Hausname Kleingirgl) aus der Wernberger Straße 13. Damit endete die rund 500-jährige Kommunbrautradition. 1939 kaufte Hans Rossel das Gebäude und errichtete ein Jahr später im hinteren Teil in der Bachgasse eine Schmiede. 1954 eröffnete er hier ein Haushalts-Glas-Porzellan- und Eisenwarengeschäft und gliederte 1955 einen Landmaschinenhandel an. Heute nutzt sein Sohn Erwin Rossel das alte Kommunbrauhaus als Wohn- und Geschäftshaus.

Im Blickpunkt

Waren es 1696 noch sieben Schnaittenbacher, die brauten, so stieg ihre Zahl im Jahre 1750 auf 12 an. 1830 wurden zusätzlich noch zwei Mälzer erwähnt. Um 1900 stand das Bierbrauen insgesamt 106 Hausbesitzern zu, die auch Gemeinderechte besaßen. Tatsächlich übten das Braurecht jedoch nur acht berechtigte Bürger aus, die insgesamt 850 Eimer Bier herstellten. Sie mussten ein "Umgeld" (einen Aufschlag) für die Benutzung des Brauhauses an die Gemeinde bezahlen.

Die Pfarrer waren seit dem Religionswechsel wegen der zersplitterten Pfarreinkünfte vom Umgeld befreit. Jeder Geistliche durfte 18 1/4 Eimer Bier aufschlagsfrei brauen. Hatte der Pfarrer einen Kooperator, so war auch dieser für die gleiche Menge aufschlagsfrei. Wurden vom Pfarrer/Kooperator mehr Eimer Bier gebraut, so musste dafür bezahlt werden. Die Befreiung der Pfarrer wurde um die Wende des 18. Jahrhunderts abgeschafft. Von da an unterblieb das Selbstbrauen der Geistlichkeit.

Eine Schenkordnung bestand damals nicht. Im Kataster über die brau- und schenkberechtigten Gemeindemitglieder im Landgerichtsbezirk Amberg hieß es, dass die Anordnung, "dass in Schnaittenbach kein auswärtiges Bier ausgeschenkt werden darf, ungesetzlich ist und nicht beachtet zu werden braucht". (sh)

500 Jahre Geschichte

Hobbychronist Hans Grieger, dessen Großvater Georg Fischer der letzte Schnaittenbacher Kommunbraumeister war, ist der rund 500-jährigen Geschichte des Kommunbrauwesens im Ort auf den Grund gegangen.

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