"Die Geierwally" am Buchberg: Geglückter Ausflug ins dramatische Fach
Einfach großartig gespielt

Kultur
Schnaittenbach
31.05.2007
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Fünf Minuten vor Beginn der Vorpremiere kam der große Regen. Wäre er Teil der Inszenierung gewesen, hätte man ihn ans Ende gesetzt - als reinigendes Gewitter in einem Drama, in dem sich eine explosive Mischung aus Gefühlen wie Liebe, Leidenschaft, Stolz, Hass und die gesellschaftlichen Regeln einer unbarmherzigen Zeit langsam aber unaufhaltsam zur Katastrophe verquicken.

Der finale Blitzschlag kommt am Buchberg in Gestalt eines ohrenbetäubenden Gewehrschusses - erst der holt das ergriffene Publikum nach rund drei Stunden wieder in die Realität zurück. Die Inszenierung der "Geierwally" war ein Wagnis. Das war Spielleiter Stefan Reindl und seiner Truppe sehr wohl bewusst: Obwohl die Freilichtbühne kein Vertreter des "Schenkelklopfer-Bauerntheaters" ist, hatte sie sich bislang doch eher der Komödie verschrieben - durchaus mit Tiefgang, aber lustig.

Der Spielfreude der Schauspieler tut der Ausflug ins dramatische Fach keinen Abbruch, im Gegenteil: Alle Figuren sind sehr gut besetzt, die Akteure "leben" ihre Charaktere - angefangen von der stolzen und mit Fortgang des Dramas zunehmend "eisigen" Geierwally oder dem intriganten Vinzenz bis hin zum herzensguten Knecht-Paar Luckard und Kletter oder den liebenswerten Tölpeln, den beiden "Klötzen" (seht ihr, Gebrüder Klotz: Jetzt seid ihr auch in der Zeitung drin, ohne dass ihr "einen daschossen" habt!). Und dann ist da natürlich noch der gefiederte Star des Abends, Steppenadlerdame Lena: Auch ihr Einsatz ein Wagnis, das glückt - "Geier" Lena und "Wally" Karin Kumeth sind, das zeigt sich in jeder gemeinsamen Szene, ein bestens eingespieltes Team.

"Die Geierwally" am Buchberg: Das ist eine tolle Ensemble-Leistung, aus der dennoch zwei Akteure ein bisschen herausragen - Karin Kumeth, die stolze Geierwally und Peter Kraus, Wallys Vater, der Höchstbauer. Seine Bühnenpräsenz ist so groß, dass neben ihm nicht mehr viel Platz bleibt. Nur die Geierwally - eine Glanzrolle für Karin Kumeth - kann es mit ihm aufnehmen, im Stück wie auf der Bühne. Als der Höchstbauer minutenlang röchelnd nicht nur mit dem Tod, sondern auch mit seinem Stolz und dem seiner Tochter ringt, kann das Publikum nicht anders, als den Atem anzuhalten: Einfach großartig gespielt!

Ein Etikett, das man getrost der gesamten Premiere anheften darf: Großartig, was die Freilichtbühne da auf die Beine gestellt hat.