Freilichtbühne probt auf Buchberg mit FC Bayern im Hinterkopf und heißem Tee
Die alte Dame, eiskalt

Alles nach Plan: Spielleiter Stefan Reindl erklärt den Bühnenaufbau für eine Szene.
Kultur
Schnaittenbach
17.04.2014
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Das mit den Temperaturen ist relativ. Zumindest auf dem Buchberg. Als die Freilichtbühne dort am 6. April mit ihren Proben begonnen hat, lag zur Freude aller kein Schnee mehr. "Es war wärmer als im vergangenen Jahr bei den Aufführungen", so lautet die Relativitätstheorie von Spielleiter Stefan Reindl. Trotzdem sind nach dem zweiten Probenabend im Freien alle schon ein bisschen froh, dass sie's für heute hinter sich haben. Nicht (nur), weil an diesem Abend die Bayern spielen. Sondern weil's Anfang April einfach saukalt ist auf dem Berg.

Daune statt Kunstpelz

Dagegen schützt nicht einmal der (Kunst-) Pelzmantel, in den sich "die alte Dame" hüllt: Kerstin Donhauser tauscht ihn nach dem Besuch des AZ-Fotografen gerne wieder gegen ihren Daunenanorak. Ist einfach wärmer. Auch wenn ihr die Hauptrolle im neuen Stück der Buchbergbühne ein auch im übertragenen Sinn eiskaltes Spiel abverlangt. Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" hat sich der Schnaittenbacher Theaterverein diesmal ausgesucht. Nach der Gaudi mit der Feuerzangenbowle im vergangenen Jahr also wieder schwerere Kost. Wobei der Autor ausdrücklich wünscht, man möge sein Werk auch komödiantisch inszenieren - schließlich ist es eine Tragikomödie.

Rheinischer Zungenschlag

Der Theaterverein bleibt sich also auch diesmal treu, lässt sich nicht auf ein Genre festlegen. "Das Dramatische ist diesmal aber schon die Herausforderung", sagt Wolfgang Gerhards, seit seiner Paraderolle in der Feuerzangenbowle nur noch "Bömmel" genannt. Der Zugroaste mit dem rheinischen Zungenschlag gibt heuer den Butler. Als solcher darf er der "alten Dame" heute unter anderem mehrfach einen edlen Glimmstängel anzünden. Und schon ist sie wieder da, diese Eiseskälte. Während Kerstin Donhauser sie genüsslich ausspielt, lässt sie den Pfarrer schon ein bisschen zittern. Thomas Reiß spielt deshalb heute Abend lieber noch mit dem Anorak über dem Priestergewand.

Insgesamt sechs Wochen werden die Laienspieler proben. Zum Start geht's dabei vor allem um die Positionen auf der Bühne: Wer steht oder sitzt wo, tritt von wo auf und wieder ab? Spielleiter Stefan Reindl und seine Regie-Kollegin Sybille Kiener lassen dazu gerade mal den Tisch in der Polizeistation verrutschen. Dieses Möbelstück ist wichtig: Je nachdem, wie es steht, gibt es die Umgebung vor: Polizeiwache, Bürgermeisterbüro, Sakristei.
Ein bisschen gedreht, sieht's gleich besser aus: Die neue Anordnung des Tisches wird im Textheft notiert. Jenseits des geschriebenen Wortes ist momentan schon noch ein bisschen Fantasie gefragt: Das Gewehr des Herrn Wachtmeisters ist derzeit nur ein Ast. Und statt des "echten Pilsener" Biers bekommt er heute warmen Tee serviert. Heiko Friedl erspart sich den eigentlich vorgesehenen Schluck. Ein Bier wäre ihm einfach lieber gewesen. Trotz der Kälte.

Die ist vergessen, als "der Ill" (Christian Rubenbauer), auf den die alte Dame ein Kopfgeld ausgesetzt hat, sich vor dem Bürgermeister (Stefan Kumeth) richtig in Rage spielt. Typisch Buchbergbühne: Der echte Bürgermeister, also der von Schnaittenbach, spielt auch mit. Aber nicht in seiner Paraderolle. Sepp Reindl liebt die Herausforderung und gibt deshalb auf der Freilichtbühne lieber den Zugführer. Und überlässt stattdessen Stefan Kummeth die Gemeindeplanung. Der glänzt schon am zweiten Probenabend als Lokalpolitiker mit ganz großen Plänen. Seine neue Schreibmaschine muss er sich heute freilich noch vorstellen. Stefan Reindl hat das symbolträchtige Stück, Marke Olympia, zwar schon organisiert. Aber geprobt wird derzeit noch ohne Requisiten.

Ein Bein fehlt noch

Die Kostüme sind diesmal nicht das große Problem, die Schnaittenbacher durften sich großzügig im Fundus der Leuchtenberger Kollegen bedienen. Gefordert sind allerdings wieder Mal die Bühnenbauer: Die alte Dame braucht einen Balkon, den es noch nicht gibt. Über eine Leiter da so problemlos hinaufzukommen, dass das die Zuschauer gar nicht mitbekommen, wird nur eine der großen Herausforderungen. Noch mehr Kopfzerbrechen bereitet aktuell allerdings ein anderes Stück Tragikomödie. Die Hand- und Beinprothese, die Dürrenmatt der alten Dame angedichtet hat, hat der Theaterverein bislang noch nicht aufgetrieben. Aber es ist ja noch ein bisschen Zeit bis zur ersten Aufführung Ende Mai.

Zeit hat Alfons Nagler, der gerade seinen Auftritt mit der (imaginären) Olympia durchgespielt hat, heute keine mehr. Er verabschiedet sich fluchtartig. Und Pfarrer Thomas ist auch schon ganz hibbelig. Die Kälte? Nein, verrät er flüsternd, während er auf seinen Auftritt wartet: "Die Bayern spielen heute Champions-League." Das wird knapp für Thomas Reiß, den Fußball-Fan. Er ist noch nicht dran, während Alfons Nagler es jetzt wahrscheinlich noch fast pünktlich zum Anpfiff vor seinen Fernseher zu Hause schafft.

Fußball spielt auch mit

Ihren Zuschauern erspart die Buchbergbühne solche Zitterpartien - zumindest in Sachen Fußball: Vorsorglich und ausnahmsweise beginnt die Aufführung am Samstag, 24. Mai, schon um 18 Uhr - falls die Bayern an diesem Abend wieder im Finale der Champions-League spielen. Dann kann auch FCB-Anhänger Thomas Reiß ganz entspannt als Bühnenpfarrer seinen Segen dazu geben.
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