20.04.2005 - 00:00 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

SS-Einheiten liefern US-Streitkräften Anlass zur Bombardierung - 80 Prozent der Ortschaft ... Kemnath versinkt in Schutt und Asche

Die Bombardierung des Buchbergdorfes Kemnath durch die Amerikaner jährt sich am heutigen 20. April zum 60. Mal. Dieser "schwarze Freitag" wird für viele Kemnather Dorfbewohner in schlechter und unvergesslicher Erinnerung bleiben. Bis zum 20. April 1945 vom Krieg verschont, brach an diesem Tag großes Unheil über die Kemnather Bevölkerung herein. 80 Prozent der Ortschaft wurden durch amerikanische Tiefflieger zerstört, das Dorf versank buchstäblich in Schutt und Asche.

von Autor SHProfil

SS-Einheiten zogen am Freitag, 20. April 1945, von Hirschau kommend, wo sich das Kommando der Heeresgruppe Süd unter Generalfeldmarschall Kesselring einquartiert hatte, über Kemnath am Buchberg in Richtung Nabburg. Von den US-Streitkräften wurden sie besonders scharf im Auge behalten. Als der Tross im Buchbergdorf Halt machte, kam Unruhe unter der dortigen Bevölkerung auf. Man erkannte die Gefahr, die dem Dorf drohte.

Hauptlehrer Josef Oppl setzte sich beim SS-Kommandanten vehement dafür ein, dass die Einheiten nach außerhalb des Dorfes verlegt werden - jedoch ohne Erfolg. Dieses Ansinnen vorzutragen, hätte Oppl den Kopf kosten können. Der Lehrer kam jedoch mit einer scharfen Rüge davon und musste unverrichteter Dinge davonziehen. Gegen 17 Uhr erscheint ein Tieffliegergeschwader am Horizont, das Kurs auf das Buchbergdorf Kemnath nimmt. Kaum haben sich die meisten Ortsbewohner in Sicherheit gebracht, fallen auch schon die ersten Phosphorbomben auf Kemnath.

Beim "Beckn", beim "Boden", beim "Schmie" und beim Wirt ging das Feuer zuerst auf. Die anderen Anwesen folgten. Zuvor hatten die Kemnather ihre wertvollsten Habseligkeiten zum Schutz in die Dorfkirche gebracht, doch auch diese wurde ein Opfer des amerikanischen Tieffliegergeschwaders. Der herrliche, spitz zum Himmel ragende Kirchturm geriet in Brand, wobei der Dachstuhl vollständig ein Raub der Flammen wurde. Etwa eine halbe Stunde dauerte der verheerende Angriff.

Keine zivilen Opfer

Wie durch ein Wunder gab es dabei keine Toten unter der Bevölkerung und auch nur wenig Verletzte. Allerdings mussten an diesem Unglückstag viele Tiere ihr Leben lassen, getötet von den Bordwaffen der amerikanischen Flugzeuge. Die SS dagegen hatte auf der Straße am Otterweiher Verluste, wobei die Gefallenen dort auch begraben wurden. Aber hierüber hielt sich das Bedauern der Kemnather in Grenzen, wissen diese doch, wem sie die weitgehende Zerstörung ihres Dorfes zu verdanken haben.

Die Freiwillige Feuerwehr der Ortschaft unter Kommandant Georg Hellerbrand stand schier ohnmächtig dieser Katastrophe gegenüber, die das Buchbergdorf Kemnath größtenteils in Schutt und Asche legte.

Für Kemnath ist mit diesem Luftangriff noch nicht alles ausgestanden. Zwei Tage später, am Sonntag, 22. April 1945, folgte der Einmarsch der Amerikaner, aus Richtung Neunaigen kommend. Dabei kam es zu einem Zwischenfall. Einige versprengte deutsche Soldaten hatten sich in der Brauerei Meßmann einquartiert und lösten dort das Problem des verlorenen Krieges mit Alkohol. Im betrunkenen Zustand ballerten sie, ob aus Lust, Langeweile oder Widerstandsabsicht, so gegen 12.30 Uhr auf die anrückenden Amerikaner.

Die wenigen, vom vorhergehenden Tieffliegerangriff noch stehenden, Gebäude Kemnaths wurden daraufhin von den Amerikanern unter Beschuss genommen und in Brand gesetzt. Tote gab es dabei Gott sei Dank nicht zu beklagen. Als die amerikanischen Truppen am Nachmittag einmarschierten, waren die Kemnather froh und erleichtert, wenigstens mit dem Leben davongekommen zu sein.

Das Buchbergdorf Kemnath wurde an diesen letzten Kriegstagen zu 80 Prozent zerstört und war damit der im II. Weltkrieg am schwersten betroffene Ort von ganz Bayern. Etwa 15 Jahre waren nötig, um in Kemnath die Kriegsschäden zu beseitigen.

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