17.04.2018 - 19:16 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Mountainbiken in der Oberpfalz Radeln ohne Rechtsbeistand

Mountainbiker kontra Waldbesitzer: In Schwaben beschäftigt dieser Konflikt am Dienstag die Justiz. In der nördlichen Oberpfalz lösen beide Seiten ihre Probleme ohne Richter. Völlig schmerzfrei ist das Miteinander aber nicht.

Biken an der Burgruine Weißenstein: Die Nordoberpfalz bietet Mountainbikern ideale Bedingungen - und offensichtlich auch genug Raum, um den Sport konfliktfrei auszuüben. Bild: Matthias Lenk
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Verkehrte Welt: Forstmann Klaus Bichlmaier sieht "überhaupt kein Problem" in der Beziehung zwischen Mountainbiker und Waldbewirtschafter. Dagegen macht sich Mountainbiker Matthias Lenk Sorgen: Die Zahl der Rowdys unter den Bikern sei in den vergangen Jahren gestiegen. Auch wenn sie immer noch die absolute Minderheit darstellen. Lenk sorgt sich um den Ruf der Biker.

Insgesamt sei das Verhältnis in der Region allerdings entspannt, sind sich der Betreiber der Internetseite www.mtboberpfalz.de und der stellvertretende Leiter der Forstbetriebs Schnaittenbach einig. "Schäden durch Mountainbiker" seien bei den Bayerischen Staatsforsten in Schnaittenbach kein Thema, sagt Bichlmeier. Es gebe Einzelfälle, etwa am Johannisberg bei Freudenberg. Dort verlaufen archäologisch bedeutende Pfade, die immer wieder von Mountainbikern missbraucht werden. "Dort richten die Radfahrer tatsächlich Schäden an." Dass sich der Forstbetrieb mit Gegenmaßnahmen befasst, oder wie der Waldbesitzer in Schwaben (siehe Kasten) Waldabschnitte sperrt, dafür gebe es keinen Grund. "Wir haben andere Probleme", sagt Bichlmeier.

Auch Lenk hat noch nicht gehört, dass Waldbesitzer in der Region aktiv gegen Mountainbiker vorgehen, dabei ist er als Gruppenleiter und Fremdenführer von Frühjahr bis Herbst fast jedes Wochenende in den Wäldern der Oberpfalz unterwegs. Probleme gebe er selten. "Es gibt Grundregeln, an die man sich hält." Lenk sagt, er bleibe auf Wegen, passiere Wanderer nur im Schritttempo. Und natürlich sei es Tabu, mit Werkzeugen den Wald zu verändern, Schanzen und Steilkurven anzulegen. Solche illegale Strecken seien ihm zuletzt häufiger aufgefallen. "Mountainbiken ist Trendsport. Das bedeutet, dass Leute unterwegs sind, denen der Bezug zur Natur fehlt."

Auf diese Radfahrer kann auch Bichlmeier verzichten. Wie für Lenk ist es auch für den Forstmann Bedingung, dass Radler auf geeigneten Wegen bleiben, so wie es im Gesetz steht. An dieser Stelle endete allerdings die Gemeinsamkeit: Während für Lenk auch ein schmaler Wanderweg geeignet ist, hat Bichlmeier eher Forstwege im Sinn. Er sei aber bereit, mal ein Auge zuzudrücken: "Wo kein Kläger, da kein Richter."

Biker gewinnt

Vor dem Amtsgericht Aichach hat ein Waldbesitzer am Dienstag eine Unterlassungsklage gegen einen Mountainbiker verloren. Der Eigentümer hatte den Radler verklagt, weil er auf einer Rückegasse für Forstfahrzeuge unterwegs war. Nach seiner Ansicht sind die Schneisen nicht zum Radfahren geeignet. Das Amtsgericht wies die Klage ab. Der Mountainbiker könne sich auf sein "allgemeines Betretungsrecht" des Waldes berufen. Grundlagen seien die bayerische Verfassung und das Naturschutzgesetz. Der Kläger kündigte Rechtsmittel an. (dpa)

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