Alter Kindergarten von Schnaittenbach besteht seit 100 Jahren
Einst Bewahranstalt für Kleinkinder

Das 100-jährige, historische Gebäude in der Pfarrer-Meiler-Straße, in den zehn Jahrzehnten genutzt als Kindergarten, Gewerkschafts- und Trachtlerheim. Bild: sh
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Schnaittenbach
27.08.2017
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Weit über 1000 Kinder wurden im alten Kindergarten in der Pfarrer-Meiler-Straße von Kindergartenschwester Friedberta mit ihren Helferinnen Reiß und Illguth auf die Schule und das Leben vorbereitet. Archivbild: SH

Der alte Kindergarten in der Pfarrer-Meiler-Straße, seit 20 Jahren vom Heimat- und Volkstumsverein Ehenbachtaler als Trachtlerheim genutzt, wird heuer 100 Jahre alt. Dieser Geburtstag ist Anlass, einen Blick auf die wechselvolle Geschichte dieser ehemaligen "Kinderbewahranstalt" zu werfen.

Am 13. Mai 1889 eröffneten auf Initiative des damaligen Pfarrers Andreas Wittmann die Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau in einem einzigen Zimmer der damaligen Mädchenschule Haus-Nummer 42 im ehemaligen Schreyerischen Haus, Ecke Hauptstraße/Pfarrer-Meiler-Straße, dem jetzigen Stadtanwesen Hauptstraße 8, die erste Kleinkinderbewahranstalt in Schnaittenbach. Ungefähr 20 Mädchen und zehn Buben wurden damals von den Schwestern unter Leitung von M. Ursula Schrott betreut. 1916 traten Raumprobleme auf, nachdem die Anzahl der Kinder von 30 auf 95 angestiegen war.

Spenden als Grundstock

Weil kein geeignetes Gebäude im Ortszentrum vorhanden war, reifte der Gedanke, selbst eine größere Kleinkinderbewahranstalt zu bauen, Der von 1909 bis 1921 in Schnaittenbach tätige Pfarrer Peter Meiler spendete 4000 Mark und scheute keine Mühen, um das Werk zu realisieren.

Nachdem auch der Fabrikant Kommerzienrat Johann Eduard Rasel 6000 Mark zur Verfügung stellte, war der Grundstock für den Neubau eines Kindergartens in der damaligen Bojergasse, jetzt Pfarrer-Meiler-Straße, gelegt, zumal man auch das an das Kloster angrenzende Grundstück erwerben konnte und man außerdem von der Gemeinde das anschließende Feuerhaus als Geschenk erhielt. Den Kauf des Rückgebäudes von Haus-Nummer 50, jetzt Blumenstraße 3 (damaliger Eigentümer Karl und Kathi Purzer), ermöglichten hauptsächlich Wohltäter.

1917 die Einweihung

Nachdem die Finanzierung stand, legte man kräftig Hand an, so dass am Rosenkranzfest, 17. Oktober 1917, Einweihung gefeiert werden konnte. Mitte der 1950er-Jahre, also 40 Jahre nach Inbetriebnahme, war der Kindergarten wieder zu klein, so dass im August 1957 nach Eröffnung des unter "Baupfarrer" Simon Utz neu errichteten Kindergartens in der Dr.-Carl-Eibes-Straße neben dem Schwesternhaus der alte Kindergarten in der Pfarrer-Meiler-Straße aufgegeben wurde. Hunderte von Kleinkindern waren im "alten Kindergarten", wie das Gebäude heute noch im Volksmund genannt wird, von der allseits beliebten Kindergartenschwester Friedberta betreut und auf die Schulzeit vorbereitet worden. Jahrelang stand das städtische Gebäude danach leer.

1957 wurden Pläne für den Neubau einer Stadthalle mit Mehrzweckturnhalle samt Galerie und Bühne, Räumen für Jugendbetreuung, Kegelbahn und Schießstand gefertigt und wieder verworfen. Erst 1966 wurde das Gebäude der Industriegewerkschaft IG Bergbau und Energie, Geschäftsstelle Nordbayern in Amberg, als Heim für die damals sehr aktive Gewerkschaftsjugend des Kaolinpotts in Miete überlassen, nachdem diese zuvor nicht unbeträchtliche Finanzmittel in dieses Haus investiert hatten. 1977/78 erfolgte eine Renovierung des Heimes durch die Gewerkschaft.

1983/84 nutzte die Raiffeisenbank Schnaittenbach die Räume wegen des Abbruchs und Neubaues des Bankgebäudes in der Blumenstraße. Insgesamt 23 Jahre lang, von 1966 bis 1989 diente das Gebäude als Gewerkschaftsheim. Kurzfristig wurde es auch von den Pfadfindern als Lager genutzt. Danach stand es wieder leer, so dass sich der Stadtrat 1996 damit befasste, das Haus abzureißen.

Nun TrachtlerheimHeute nutzt der Heimat- und Volkstumsverein Ehenbachtaler das Gebäude. Um dieses historische Haus im Stadtkern der Nachwelt zu erhalten und nach vielen Vereinslokalwechseln entschloss er sich Mitte der 1990er-Jahre, es von der Stadt anzupachten und dort sein Vereinsheim einzurichten. Mit großem Finanzaufwand und viel ehrenamtlicher Arbeit wurde das Gebäude renoviert und Gasheizung, WC-Anlagen, Küche, Abstellraum und ein großer Gast- und Übungsraum eingebaut.

Seit 1998, also fast 20 Jahren, ist das Trachtlerheim im Stadtzentrum Treffpunkt für Heimat- und Volkstumsfreunde bei Vereinsveranstaltungen wie Volkstanz, Winteraustreiben, Erntedankfest, Feiern, Rentnertreffen oder Musikunterricht der Ehenbachtaler Blaskapelle. Nachdem die von der Stadt zugebilligte Überlassung auf die Dauer von 20 Jahren 2018 ausläuft, hofft der Heimat- und Volkstumsverein auf eine langfristige Weiteranpachtung des historischem Bauwerks. (sh)
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