14.03.2018 - 11:36 Uhr
Schnaittenbach

KiTa St. Vitus schickt Spielzeug in Urlaub Ohne Spielzeug blüht die Fantasie der Kinder

Auf Spielzeug verzichten? "Die Kinder lieben das", sagt Birgit Kumeth, die Leiterin der Kindertagesstätte St. Vitus Schnaittenbach. Die Kleinen haben ihre Spielsachen weggepackt. Und vermissen nichts. Ganz im Gegenteil.

Kaum ist das Spielzeug in den Urlaub geschickt, blüht in der Schnaittenbacher Kita St. Vitus die Fantasie der Kinder: Eine Plastikflasche wird zum Rettungswagen, Zeitungen zu einer Modekollektion. Bild: ads
von Adele SchützProfil

Schnaittenbach. Die Fastenzeit hat in der Kita St. Vitus eine besondere Bedeutung: Für fünf Wochen schicken Birgit Kumeth, ihr Team und die Kinder das gesamte Spielzeug in den Urlaub. Nach den überraschend guten Erfahrungen und der ausgezeichneten Resonanz von Kindern wie Eltern in den vergangenen beiden Jahren wurde das große Spielzeugfasten heuer fortgesetzt. Zu Beginn der Fastenzeit räumten Kumeth, ihr Team und die Kinder alle Spielsachen aus den Gruppenräumen. Zurück blieben Mobiliar, Tücher, Kissen, Schachteln, Bastelmaterial - vor allem aber die Fantasie der Kinder.

"Zu Beginn waren einige Kinder etwas unsicher und ohne Ideen, so dass die Lautstärke in den Räumen deutlich anstieg", berichtet Kumeth: "Das gilt es dann erst einmal auszuhalten. Aber da müssen wir alle durch." Die Erfahrung zeige aber auch, dass einige Kinder vom ersten Tag an voller Tatendrang stecken und sehr kreativ sind - besonders die älteren, die das Spielzeugfasten schon genossen haben. Sie werden für die Jüngeren zu Ideengebern.

In der Spielzeug-freien Zeit geht es im Werkraum heiß her. Hier lassen die Kleinen ihrer Kreativität bei der Kreation einer Modekollektion aus alten Zeitungen freien Lauf. Sehr einfallsreich war auch die Bastelrunde, die selbst Spielsachen entwickelte. Eine kleine Runde von Mensch-ärgere-dich-nicht-Fans hat sich ein solches Spiel selbst gebaut. "Die Kinder reden viel miteinander, denn Regeln müssen ausgehandelt, Ideen diskutiert, die Verteilung von Materialien besprochen und Erfahrungen ausgetauscht werden", schildert Kumeth. Sie gibt zu: Auch das Team habe anfangs Schwierigkeiten, "sich von der Rolle der Anleiter /Ideengeber in eine rein beobachtende zu begeben". Kumeth spricht von einer regelrechten Aufbruchsstimmung, die während des Spielzeugfastens herrscht.

Spielzeugfasten

"Die Idee entstand, weil wir nach einer Aktion gesucht haben, die Fastenzeit sinnvoll mit den Kindern zu gestalten", berichtet Kita-Leiterin Birgit Kumeth. Dem Team war aufgefallen: "Vielen Kinder fällt es angesichts ihrer Unmengen an Spielsachen immer schwerer, zu spielen - eigenständig, ohne Anleitung." Tatsächlich könne eine Überhäufung mit Angeboten dazu führen, dass Kinder zu wenig Gelegenheit haben, ihre Bedürfnisse zu spüren und eigene Ideen und Fantasien zu entwickeln. Kumeths Resümee zum Spielzeugfasten: "Die Kinder waren begeistert. Es gab keinerlei Probleme, wer wo mit wem spielt." Im Gegenteil: Plötzlich hätten sich Kinder miteinander beschäftigt, die das vorher nie getan hätten. Auch jene, die sonst eher Außenseiter seien, seien plötzlich mittendrin gewesen. So haben sich "einiges zum Positiven verändert", bilanziert Kumeth - und kündigt eine Fortsetzung im nächsten Jahr an. (ads)

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