Kleingartenverein in Schnaittenbach: Bestehen seit 70 Jahren
Auf Not und Hunger gegründet

Die Schnaittenbacher Kleingartenanlage Am Valtaweiher besteht seit 70 Jahren. Bilder: sh (2)
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Schnaittenbach
22.08.2017
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Die Kleingartenanlage umfasst heute 43 Parzellen.

In Deutschland gibt es um die 15.000 Kleingartenvereine. Einer davon ist der Verein der Kleingärtner in Schnaittenbach, der heuer 70 Jahre alt wird. Dies war für Hobbychronist Hans Grieger Anlass, in der Chronik zu blättern und auf die Geburtsstunde des Vereins zurückzublicken.

Ältere Schnaittenbacher erinnern sich noch daran, dass sich vor etwa sieben Jahrzehnten Auf der Loh, wo jetzt Schwesternhaus und Kriegerdenkmal stehen, sogenannte "Pflanzbeetln" befanden. In denen zogen sich Landwirte ihre Runkelpflanzen, die dann später auf die Äcker umgesetzt wurden. Diese Beete brachten den Schnaittenbacher Heimatforscher und Studienrat Georg Landgraf auf die Idee, eine Kleingartenanlage anzuregen. In einer Gemeinderatssitzung im Dezember 1941 trug er seine Überlegungen vor, wobei er den Erwerb eines geeigneten Grundstücks durch die Gemeinde als Voraussetzung erachtete.

Nach Krieg gegründet

Das Gremium stand dieser Idee im Grundsatz positiv gegenüber. Trotzdem beschlossen die Räte, die Sache bis nach Kriegsende zurückzustellen. Die Begründung: Arbeitskräfte fehlten, da die Schnaittenbacher Männer im Krieg seien und daher manche Frau noch nicht wisse, ob sie sich um einen Kleingarten bewerben solle. Außerdem sei die Gemeinde angesichts der angespannten finanziellen Lage nicht fähig, ein Darlehen über 15 000 Reichsmark zur Finanzierung des Grunderwerbs aufzunehmen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte überall und auch in Schnaittenbach große Nahrungsknappheit. Viele Heimatvertriebene kamen in die Stadt und mussten mit Lebensmitteln versorgt werden. Wer sich da aus einem eigenen Garten zusätzlich zu den Lebensmittelmarken etwas für den Mittagstisch besorgen konnte, gehörte schon zu den glücklicheren Menschen. Aus dieser Not der Nachkriegszeit heraus suchten Schnaittenbacher und Heimatvertriebene ein Stückchen gärtnerisch nutzbare Erde zur Eigenversorgung und auch Kleintierhaltung.

Viele Heimatvertriebene

Der damalige "Baupfarrer" Simon Utz stellte am Valtaweiher aus Pfründen der katholischen Kirche ein Grundstück von über sechs Tagwerk zur Verfügung, so dass sich 1947 in der Mehrzahl sesshaft gewordene Heimatvertriebene entschlossen, einen Kleingartenverein zu gründen. Das Kirchengelände am Valtaweiher war damals in einem sehr schlechten Zustand, nachdem es viele Jahre als Gänshut genutzt worden war.

Die Parzellen fanden reißend Abnehmer. Fast 70 Kleingärtner mit jeweils etwa 200 Quadratmetern Gartenfläche waren an der Vereinsgründung beteiligt. Im Gründungsvorstand waren Liborius Graf, Josef Kraus, Stanislaus Nordwig und Johann Flierl vertreten. 1962 ging das Grundstück der Gartenanlage von der Kirche in den Besitz der Kaolinfirma Kick über. Als 1984 das Kaolinwerk mit den Abbaugruben nach Osten hin ausweichen musste, mussten 25 Gartenparzellen dem Kaolinabbau geopfert werden, deren Anzahl sich so auf 45 verringerte. Nach Verhandlungen und dank dem Entgegenkommen der Firma Eduard Kick konnten größere Einschnitte abgewendet werden, so dass die Kleingärtner weiterhin ihrem grünen Hobby frönen konnten.

In den zurückliegenden Jahrzehnten brauchten die Pächter ihre Gartenparzellen nicht mehr in erster Linie zur Ernährung, sondern nutzte sie neben dem Gemüseanbau in erster Linie für die erholsame und zugleich nützliche Freizeitgestaltung und Entspannung. Nach getaner Arbeit im Gemüsebeet oder an der Blumenrabatte die Ruhe und Erholung zu genießen und zufrieden auf die grüne Oase zu blicken, das ist nach wie vor der Traum der derzeit noch 19 Kleingärtner. Sie bewirtschaften aktuell 43 Parzellen, von denen sie ein Drittel der Fläche als Nutzgarten verwenden müssen.
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