06.03.2018 - 10:28 Uhr
Schnaittenbach

Nach der Brandkatastrophe vor 200 Jahren in Schnaittenbach Neues Leben aus alten Steinen

Wie würde der Ortskern von Schnaittenbach heute wohl aussehen, hätte die Brandkatastrophe vor 200 Jahren nicht Dreiviertel aller Häuser in Schutt und Asche gelegt? Um Material für den Wiederaufbau zu erhalten, wurden damals sowohl die Marktbefestigung als auch der untere, fast 500 Jahre alte Torturm abgebrochen.

Erinnerung an den fast 500 Jahre alten Torturm an der Hauptstraße beim "Poppnwastl". Er wurde 1817, also vor 200 Jahren, nach dem großen Brand abgebrochen. Die Steine wurden dann zum Wiederaufbau Schnaittenbachs verwendet. Bilder: sh (3)
von Autor SHProfil

Der Großbrand vernichtete 79 der damals 96 Wohnhäuser und außerdem 49 Scheunen. Auch der imposante Torturm an der Hauptstraße fiel der Katastrophe zum Opfer. Die Feuersbrunst hat damit vom Baubestand aus der Zeit vor 1800 nur wenig übriggelassen. Bis zur Brandkatastrophe 1817 war Schnaittenbach, wie andere Orte auch, befestigt. Allerdings, wie aus alten Aufzeichnungen, Chroniken und Handzeichnungen hervorgeht, nicht besonders stark. So fehlte beispielsweise jegliche Artillerie.

Die alte Ringmauer

Um den Ort herum führte eine, vermutlich im 15. oder 16. Jahrhundert erbaute Ringmauer. Diese war gegen Süd, Ost und West etwa einem halben Meter dick, fast vier Meter hoch und mit Schießscharten versehen, wie man 1830 noch an übriggebliebenen Mauerteilen erkannte. Dieser Ring umschloss den Markt nur auf drei Seiten. Im Norden war er offen. Hier befand sich der große Schnaittenbacher Weiher, der sich etwa vom Sachsenbau bis zur alten Straße nach Forst ausdehnte. Diese einfache und ungenügende Befestigung bot keinen wirksamen Schutz, zumal den nötigen Leuten für eine Verteidigung auch Geschütze fehlten. Zum Markt führten drei Tore: das obere oder Hirschauer Tor, das untere, östliche Tor an der Hauptstraße beim "Poppnwastl", in dem zuletzt noch ein Türmer wohnte, und das Lohtor im Süden. Die beiden Ersteren waren ziemlich stattlich, während das Lohtor ein einfaches Bauwerk war. Innerhalb der Ringmauer gab es eine Gasse, Wachgasse genannt, mit einer kleinen Schanze am nordöstlichen Ende. Außerhalb der Mauer zog sich ein tiefer Graben hin, über den Zugbrücken führten.

Abbruch zum Neuaufbau

Nach dem Großbrand wurden Mauer und Tore abgebrochen, das so gewonnene Steinmaterial für den Wiederaufbau des Marktes hergenommen. Auch der schöne, 1325 errichtete und fast 500 Jahre alte untere Torturm an der Hauptstraße wurde abgerissen. Er war bereits durch das Feuer größtenteils zerstört worden. Am "Poppnwastl-Haus" erinnert an ihn noch ein 1933 von der Landsmannschaft Schnaittenbach und Umgebung in München errichtetes Wandrelief.

Der Wiederaufbau Schnaittenbachs ging ab Herbst/Winter 1817 nur langsam vonstatten. Für die Geschicke des Marktes verantwortlich waren damals ein Gemeindevorsteher, ein Gemeindepfleger, ein Stiftungspfleger sowie sechs Gemeindebevollmächtigte. Bürgermeister war der Bäcker Gottfried Nagler. Hohe Baupreise, die durch die geringen Beiträge aus der Feuerversicherung in keiner Weise gedeckt werden konnten, und die hohen Arbeitslöhne bremsten den Neuanfang. Die Bürgerschaft verarmte. In dieser drückenden Not sank, hauptsächlich durch fremde Arbeitskräfte, die zum Wiederaufbau eingesetzt wurden, auch die Moral: 1830 waren 50 Prozent der Geburten unehelich.

Die neuen Häuser konnten mangels Geld zum größten Teil nur im Rohbau und ohne äußeren Verputz errichtet werden. Auch innen wurde nur das Notwendigste eingerichtet - im Erdgeschoss Wohn- und Schlafraum, im oberen Stock das Stroh- oder Futterlager. Die Fensterstöcke fehlten im Obergeschoss größtenteils. Die Öffnungen wurden nur notdürftig mit Brettern verschalt, zwischen denen Stroh und Heu heraushingen.

Durch große Gnade des Königs Max I. erhielten die Brandleider unentgeltlich Bauholz vom Buchberg oder aus dem Revier Kohlberg, das sie unter großen Gefahren und Strapazen heranschleppten. Mancher ließ sich soviel Holz zuteilen, dass er mit dessen Verkauf Gewinn machte. Man fuhr Tag und Nacht, um Holz aus der Kammerwaldung zu holen und es zu verwerten. Holzfrevel war dabei an der Tagesordnung.

Die verschwundenen Rundbögen

Das heutige Erscheinungsbild der Schnaittenbacher Häuser geht auf den planmäßigen Wiederaufbau nach 1817 zurück - mit einer Veränderung des Ortsgrundrisses: eine rasterförmige Anlage mit einer Haupt- und flankierenden Parallelstraßen sowie meist zweigeschossigen Traufseitbauten.

Fast alle Gebäude wurden damals mit einem runden Torbogen ausgestattet, durch den man ins Anwesen oder in den Hof dahinter fahren konnte. Zum Bedauern vieler sind nach dem Zweiten Weltkrieg viele dieser schönen Rundbögen verschwunden: Die Durchfahrthöhe war zu niedrig oder der Platz wurde als Wohnraum oder für große Schaufenster benötigt. Zumindest in dieser Hinsicht hat sich das Gesicht des "Macks" verändert.

Die Straßen wurden beim Wiederaufbau wieder da errichtet, wo sie vorher waren, nur in geradener Streckenführung, nachdem bei der Aufbauplanung der Grundriss des Marktes rasterförmig angelegt war. Dies belegen die bis heute streng eingehaltenen Baufluchten in der Haupt- und Blumenstraße, Bachgasse und auch in Querstraßen wie Pfarrer-Meiler- oder Rosenbühlstraße und Georg-Landgraf-Platz.

Die Hauptstraße, jetzt B 14, scheint schon früher gepflastert gewesen zu sein: 1583 ist die Erhebung eines Schnaittenbacher Pflasterzolls vermerkt. 1830 und 1836 wurde die Hauptstraße mit Kieselsteinen neu gepflastert.

Die beim Wiederaufbau nach 1817 errichteten Häuser waren, abgesehen von wenigen Ausnahmen, im Ortsmittelpunkt fast vollständig zweigeschossig mit traufseitigem Erscheinungsbild. Lediglich am Georg-Landgraf-Platz oder in der Blumenstraße kann man heute noch einige Erdgeschoss-Wohnhäuser bewundern, die auf ihre Art das Stadtbild prägen. (sh)

Brandgefährlich

Während der Zeit des Wiederaufbaues von Schnaittenbach wurde der Markt durch weitere Brände heimgesucht. Im Juni 1820, also nur drei Jahre nach der großen Feuersbrunst, ging ein landwirtschaftlicher Stadel auf dem Rosenbühl in Flammen auf. Man vermutete Brandstiftung. Ihr fielen auch einige Wohnhäuser zum Opfer.

1824 brach, vermutlich durch Vernachlässigung glimmender Kohle, ein Brand im Pfarrhof aus. Während dieser selbst gerettet werden konnte, wurden zwölf landwirtschaftliche Stadel, Ställe, Schuppen und neun Wohnhäuser (damalige Hausnummern 82-84, 87, 98 - 100, 102 und 103) ein Raub der Flammen. Diese drei Brände von 1817, 1820 und 1824 waren für die Obrigkeit Anlass, etwas zu tun, um diese Gefahr zu verringern. Auf strengsten Befehl und unmissverständliche Anordnung durften die Stadel künftig nur noch außerhalb des Marktes errichtet werden.

Der Wiederaufbau von Schnaittenbach dauerte bis zur endgültigen Fertigstellung der Häuser fast zwei Jahrzehnte. In alten Unterlagen ist als "Besonderheit des Jahres 1835" vermerkt: "Hier wurden mehrere Häuser abgeputzt und geweißt, wodurch der Markt verschönert wurde". (sh)

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