Keine Feier ohne Ohrwurm

"Das ,Adeste fideles' singen wir fast so schön wie die Domspatzen - mit der Betonung auf ,fast'", behauptet Chorleiter Hubert Reimer (links), hier bei der Probe im Caritashaus in Schönsee. Wie schön, das können die Zuhörer jetzt an Weihnachten in der Pfarrkirche beurteilen. Bilder: Bugl (3)
Freizeit
Schönsee
23.12.2016
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Marianne Hanamann (links) will das Singen ganz besonders an Weihnachten nicht missen, Maria Feldmeier neben ihr freut sich besonders auf "Stille Nacht", und Andreas Wirnshofer (im Hintergrund) ist überzeugt, dass ihn das Singen in der kalten Jahreszeit vor Erkältungen schützt.

"Stille Nacht" siebenstimmig: Das gibt es nur einmal im Jahr. Der Schönseer Kirchenchor packt die Noten dafür nicht erst am Heiligen Abend aus. Trotz vieler Proben und Auftritte steht der Stress bei den Sängern vor verschlossenen Türen.

Keine Kerze und auch kein Tannenzweig schmückt den Raum im Caritas-Haus, in dem der Kirchenchor St. Wenzeslaus wenige Tage vor Weihnachten zur Probe zusammengekommen ist. Trotzdem überzieht ein Strahlen die Gesichter der Sänger, wenn sie sich bei "Adeste fideles" zu voller Lautstärke aufschwingen. Weihnachten, das ist für viele langjährige Sänger ohne Lieder nicht denkbar. "Es gab da mal ein Weihnachten, da hatte ich keine Stimme, da ist mir einfach etwas abgegangen", gesteht Lisbeth Balk, mit ihren 75 Jahren die älteste Sopranstimme im Chor. Von Stress mit Proben oder Auftritten will sie genauso wenig wissen wie Marianne Hanamann, Maria und Hans Feldmeier oder Andreas Wirnshofer.

Höchstens "freudigen Stress" empfinden die leidenschaftlichen Sänger. Selbst dann, wenn sie wie Hanamann schon ein wenig das Lampenfieber plagt.

Perfekte Medizin

Singen ist gut für Körper und Geist, da werde ich nicht krank", ist der 73-jährige Andreas Wirnshofer überzeugt, der donnerstags mit dem Gesangverein "vorbeugt" und freitags mit dem Kirchenchor. Marianne Feldmeier genießt das Singen als Auszeit und Entspannung, und ihr Mann weiß es zu schätzen, dass man hier auch gefordert wird. Und fordern, das tut Chorleiter Hubert Reimer. "Nochmal, das A war nicht ganz richtig", kritisiert der Chorleiter. Nach dem "O Maria hilf" hat er eine zu lange Pause ausgemacht, und bei den "Engeln" einen "Wacklerer" entdeckt. "Alles klar beim Tenor? ", fragt er nach, wenn Sänger sich in der Spalte geirrt haben. Gefeilt wird aber auch an der Betonung und am Einsatz: "Ihr müsst schon herschauen, sonst klappt das nicht mit dem gleichzeitigen T bei ,Advent' und ,brennt'", ermahnt er die Sänger.

Freilich können bei der Probe nicht immer alle dabei sein. "Für Konzerte und zu großen Auftritten kommen aber viele Gastsänger, die nicht mehr hier wohnen, dann sind wir fast vollzählig", freut sich Wirnshofer. Der Konzertchor umfasst dann 40 Stimmen, 30 machen den Stammchor aus, und im Beerdigungschor sind 15 Sänger involviert. Letztere haben oft schon drei Auftritte in der Weihnachtswoche hinter sich, wenn die Festtage anstehen. Aber so schlimm sei das gar nicht an Weihnachten, "in der Karwoche sind wir noch mehr gefordert", gibt Lisbeth Balk zu bedenken. Und für Wirnshofer ist ohnehin klar: "Nur durch viel Üben bleibt die Stimme auch im Alter elastisch."

"Engel" im Kopf

Weihnachten hat aber doch einen besonderen Reiz: "Die Lieder sind halt schön", sagt Wirnshofer, für den - wie viele Kollegen im Chor und auch Chorleiter Reimer - "Adeste fideles" ganz oben auf der Favoritenliste steht. Aber auch "Quem pastores laudavere", "Transeamus", "Es wird scho glei dumpa" und natürlich "Stille Nacht" haben ihre Fans". Als Ohrwurm hat sich heuer ein neues Lied eingeschlichen: "Gott hat mir längst einen Engel gesandt."

Und wann ist für die Sänger der schönste Moment? "Beim Einsingen vor der Christmette, wenn sich die Kirche langsam füllt", erklärt Marianne Hanamann: "Da komme ich so richtig in Weihnachtsstimmung." Der Chorleiter dagegen genießt lieber den Moment, wenn am ersten Weihnachtsfeiertag die letzte Note verklungen ist. "Da fällt alles von mir ab, wenn ich das hinter mir habe." Dass mal ein richtiger Patzer das Fest verdorben hat, davor fürchtet sich keiner. Erst recht nicht Lisbeth Balk: "Ich war in Regensburg im Audimax bei den Domspatzen", zieht sie Vergleiche zu den Profis, "die mussten bei einem Lied auch noch mal von vorne anfangen".
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