14.02.2018 - 20:00 Uhr
Schönsee

"Königlich Bayerisches Amtsgericht" im CeBB Wirtshausbesuch verordnet

Wegen des Durcheinanders in der Verhandlung verliert der Herr Amtsrichter beinahe den Überblick. Aber er wäre nicht der Herr Rat, wenn er die Streitsache "schwere Körperverletzung" am "Königlich Bayerischen Amtsgericht" nicht lösen würde und augenzwinkernd ein für alle Beteiligten überraschendes Urteil spricht.

Mit dem Stück "Die heiligen drei Madln" gab der Pascherverein Schönseer Land einen Blick darauf, was in der guten alten Zeit alles passierte. Bilder: mmj (2)
von Ludwig HöcherlProfil

Nach der Idee von Georg Lohmeier entstand vor fünf Jahrzehnten die Fernsehserie. Die originellen Fälle glorifizieren die "gute alte Zeit" im Königreich Bayern, als der Prinzregent regierte, Gendarmen für Ruhe und das "Königlich Bayerische Amtsgericht" für Gerechtigkeit sorgten. Mit dem Stück "Die heiligen drei Madln" tauschten die Darsteller aus den Freilichtspielen am Eulenberg den Schauplatz. Dabei zeigte sich die Gewölbehalle im CeBB als idealer Ort.

Resolute Frauen

Der Gerichtsdiener (Andreas Ebnet) wies den Beteiligten ihre Plätze zu und verkündete die Sache, über die das Gericht zu urteilen hat. Maria Ingerl (Maria Hammerer), Fanni Abstreiter (Birgit Höcherl) und Walli Brandl (Renate Wild), saßen auf der Anklagebank. Schwere Körperverletzung war der Vorwurf. Die Fragen des Herrn Rat (Ludwig Zwick) ignorierten sie meist und rechtfertigten obendrein die Schläge, die sie Bartholomäus Kölbl (Herbert Spichtinger) verpassten. Immerhin, so der Tenor der drei, wollten sie damit nur ihrer Nachbarin und Freundin Ursula Kölbl (Sabine Meindl), der Ehefrau des Malträtierten, zur Seite stehen. Diese hätte nämlich an der Seite ihres Gatten, "dem meist nach länger dauernden Wirtshausbesuchen öfter gegenüber ihr die Hand ausrutscht", kein schönes Leben.

Wie sehr die drei resoluten Frauen der Ursula zur Seite standen, zeigte sich beim Erscheinen des Geschädigten. Mit einem blauen Auge, der Kopf mit Verband umwickelt und den Arm in der Schlinge hatte dieser aber für die ihm verpassten Schläge Verständnis, weil er ja immer "so ein Sauhund" sei. Reumütig räumte er gegenüber dem Gericht ein, dass er künftig immer einen großen Bogen um die Dorfwirtshäuser machen werde. Sofort kam da Einspruch vom Bürgermeister (Johannes Gillitzer).

Er fürchtete um das Bestehen der 28 Gaststätten. Der in den Zeugenstand gerufene Bader (Josef Wirnshofer) bestätigte dem Verhandlungsführer die schweren Verletzungen Kölbl's, die der Gerichtsschreiber (Gerhard Treiber) dann auch im Protokoll festhielt. Ludwig Ingerl (Sebastian Betz) sah es als Pflicht, seinem Freund Bartholomäus beizustehen. Nach seiner Auffassung gehöre es doch für einen Mann, dass dieser Bier trinke und Herr im Haus sei.

Auf Befragung von Ursula Kölbl räumte diese ein, dass sie von den "heiligen drei Madln" Barbara, Katharina und Margaret Hilfe zur Besserung ihres Mannes erflehte. Mit Zwischenrufen ergänzte Fanni Abstreiter, dass bestimmt auch ihr verstorbener Gatte, der zeitlebens Pfefferminztee bevorzugte, "von oben" aus Einfluss auf das Geschehen nahm. Allerdings gab die Gattin des übel zugerichteten Kölbl nach den bohrenden Fragen des Richters zu, dass sie mit den drei Angeklagten deren Vorgehen ausheckte. Diese schritten, verkleidet als die "heiligen drei Madln" schließlich zur Tat.

Kein Freispruch

Dennoch waren alle drei von einem Freispruch für sie überzeugt. Denn sie wollten ja nur dafür sorgen, dass Kölbl mit der Sauferei und der Züchtigung seiner Ursula aufhört. Der hohe Rat verkündete schließlich ein Urteil, das zwar überraschte, aber nicht alle Beteiligten zufriedenstellte: Die drei Angeklagten haben je fünf Mark an die Armenkasse zu zahlen und dafür zu sorgen, dass sich der Geschädigte wieder an das Biertrinken gewöhnt und wie früher Gaststätten aufsucht.

Nach dem offiziellen Teil wurde die Gewölbehalle zum Wirtshaus umfunktioniert. Bei einer Brotzeit, Kaffee und Kuchen sowie musikalischer Begleitung hatten dann die Pascher schnell für einen unterhaltsamen Abend gesorgt. Vorsitzende Birgit Höcherl dankte allen, die dafür sorgten, dass "die heiligen drei Madln" etwas Besonderes wurden. Höcherl, die auch Regie führte, schloss in ihrem Dank die Grenzlandblaskapelle Dietersdorf, Kuchenbäckerinnen, Maskenbildnerinnen und alle Helfer ein und zollte den Darstellern ein Kompliment für ihr Engagement.

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