23.03.2018 - 20:00 Uhr
Schönsee

Ausstellung im CeBB zeigt Glanz und Verfall eines Adelsgeschlechts und seiner Bauwerke Herkulesaufgaben von nebenan

Glanzvolle Besitztümer und ihren Verfall hat Fotograf Hans Beer im Nachbarland dokumentiert. Einen Eindruck von der verlorenen Pracht und einer legendären Familie gibt es jetzt im Centrum Bavaria Bohemia.

Große Resonanz fand die Ausstellung im CeBB, zu der bei der Eröffnung auch stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl (links), Hans Beer (Dritter von links) Bürgermeisterin Birgit Höcherl (Vierte von links) und Dominika Adamcová, Leiterin des Stadt- und Kulturzentrums Pobežovice (Zwite von rechts), Anmerkungen beisteuerten. Bilder: eib (2)
von Hans EibauerProfil

In der Ausstellung "Pobežovice (Ronsperg) und Pivon (Stockau) auf historischen Fotografien" im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) richtet der Waldmünchner Fotograf Hans Beer in den Bilddokumenten seiner Sammlung einen foto- historischen Blick auf glanzvolle Zeiten in der böhmischen Nachbarschaft.

Die vielen Besucher bei der Ausstellungseröffnung im CeBB zeigen, wie groß das Interesse an geschichtlichen Themen in der Region ist. Die Ausstellung "Pobežovice (Ronsperg) und Pivon (Stockau) auf historischen Fotografien" ist eingebettet in das CeBB-Jahresthema "1918 bis 2018" mit Veranstaltungen zur bewegten Geschichte der Nachbarschaft von Deutschen und Tschechen in Zeiten des Zusammenlebens, des Konflikts, der Trennung und der Aussöhnung. In diese mit EU-Mitteln geförderte Reihe passen die fotografischen Dokumente aus der Sammlung Beer, die das CeBB bis Mitte Mai zeigt.

Traurige Zustände

"Ich bin immer wieder gefangen von diesem einst strahlenden, inzwischen seinem Niedergang preisgegebenen Ort, dem Kloster Pivon (Stockau) mit seiner tausendjährigen Geschichte. Hier habe ich meinen Genius Loci gefunden", berichtete Beer. "Man sitzt dort, schaut und träumt. Und dann erwacht man aus diesem Traum und sieht die brutale Wirklichkeit." Mit diesen Worten offenbarte der Fotograf bei der Ausstellungseröffnung seine Empfindungen, die den Spalt zwischen historischen Aufnahmen und trauriger Aktualität widerspiegeln. Die in der historischen Gewölbehalle präsentierten 50 Bilder versetzen die Betrachter in die Lebenswelt der Familie Coudenhove-Kalergi, die von 1864 bis 1945 Schlossherr in Ronsperg sowie Guts- und Klosterbesitzer im benachbarten Stockau war. Der bekannteste aus dem Grafengeschlecht ist Richard Graf Coudenhove-Kalergi, der als Gründer der Paneuropa-Union die europäische Einigung maßgeblich beeinflusste. Neben Familienfotos der Grafen fasziniert die Pracht des herrschaftlichen Besitzes in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zu dem neben dem Schloss das nahe gelegene Gut mit Kloster Pivon (Stockau) und der Dianahof als Sommersitz der gräflichen Familie gehörten.

Noch kein Durchbruch

In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war der Dianahof noch gut vom bayerischen Schwarzach in der Gemeinde Stadlern zu sehen. Heute sind die einst glanzvollen Besitztümer in Pobežovice und Pivon stark heruntergekommen, vom Dianahof ist nichts mehr übrig geblieben. Nach der Wende bemühte sich die Stadt Pobežovice - seit 1997 Partnerstadt von Schönsee, Stadlern und Weiding - für das Schloss eine Nutzung mit historischem, kulturellem und völkerverbindendem Bezug zu finden. Für diese Herkulesaufgabe sucht man immer noch nach Projekt- und Finanzierungspartnern, ein Durchbruch ist noch nicht gelungen.

Vor dem Rundgang würdigten Bürgermeisterin Birgit Höcherl, stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl und Dominika Adamcová, Leiterin des Stadt- und Kulturzentrums Pobežovice, die Bemühungen Beers um das historische Erbe und wünschten der Ausstellung viele Besucher. Sie bietet den idealen Rahmen für die Lesung von Bernhard Setzwein, der am 19. April um 18 Uhr ins CeBB kommt und aus seinem aktuellem Roman "Der böhmische Samurai" lesen wird. Die Handlung des von der Kritik sehr gelobten Buchs dreht sich um die Geschichte der Familie Coudenhove-Kalergi am Übergang vom alten zum neuen Europa.

Ich bin immer wieder gefangen von diesem einst strahlenden, inzwischen seinem Niedergang preisgegebenen Ort, dem Kloster Pivon (Stockau) mit seiner tausendjährigen Geschichte.Fotograf Hans Beer

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