12.03.2018 - 16:24 Uhr
Schönsee

Ausstellungseröffnung "Wiederentdeckte Schätze im Sudetenland" im CeBB Europa als Schatz begreifen

"Lasst uns heute in die Vergangenheit, in die Gegenwart und ein wenig in die Zukunft der deutsch-tschechischen Beziehungen blicken." Mit diesen Worten leitet der Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp seinen Vortrag zu grenzüberschreitenden Perspektiven bei der Ausstellungseröffnung "Wiederentdeckte Schätze im Sudetenland" im Centrum Bavaria Bohemia ein.

Im CeBB wurde die Ausstellung "Wiederentdeckte Schätze im Sudetenland" eröffnet. Im Bild die Verantwortlichen mit den Interviewpartnern. Dazu Sabine Gröpel von der Volkshochschule Cham (Vierte von rechts), Eröffnungsredner MdL Gerhard Hopp (Zweiter von rechts), CeBB-Leiterin Veronika Hofinger (rechts) und Daniel León vom tschechischen Partner CpKP (links). Bilder: eib (2)
von Hans EibauerProfil

Die Ausstellung schließt drei Ausstellungsprojekte zur sudetendeutschen Thematik ab, von der Volkshochschule im Landkreis Cham zusammen mit ihrem tschechischen Partner, dem Zentrum für kommunale Arbeit (CpKP) in Pilsen konzipiert. Nach Begrüßungsworten von CeBB-Leiterin Dr. Veronika Hofinger, verbunden mit dem Dank an die VHS Cham für die Wahl als Präsentationsort, stellten Sabine Gröpel, die stellvertretende Geschäftsführerin der Volkshochschule im Landkreis Cham und Daniel León, Projektkoordinator des CpKP Pilsen, die Ausstellung mit zehn wiederentdeckten Schätzen und Traditionen im Sudetenland vor.

Sie würdigten Akteure und Interviewpartner, deren Engagement zum Erhalt der bauhistorischen und kulturellen Schätze im begleitenden Buch der Ausstellung dokumentiert wird. Ausstellungspaneele und Buch bilden eine Einheit, denn in einer Ausstellung allein wäre es nicht möglich gewesen, so tief in die Materie einzusteigen, erläuterten die Ausstellungsverantwortlichen. Zu den Orten gehören u.a. die verschwundenen Orte Grafenried und Haselbach im Böhmerwald ganz in unserer Nähe. Sabine Gröpel freute sich über die zahlreichen Besucher und übergab zusammen mit MdL Gerhard Hopp die druckfrischen Bücher zur Ausstellung an die Interviewpartner.

Lob für gute Arbeit

In seinem folgenden Vortrag stellte der Politikwissenschaftler Gerhard Hopp, den historischen Hintergrund der Ausstellung in Zusammenhang zur dynamischen Entwicklung der bayerisch-tschechischen Beziehungen und in den europäischen Kontext. Der junge Politiker, geprägt vom Aufwachsen in unserer Grenzregion, vom Studium am Bohemicum der Uni Regensburg und längeren Aufenthalten im Nachbarland, lobte die vielschichtige Arbeit des CeBB als Zentrum der grenzüberschreitenden kulturellen Zusammenarbeit.

Die Antwort auf seine anfangs gestellte Frage, wie "offen" wir in Zeiten bleiben, in denen Populismus, Nationalismus und Abgrenzung in vielen Ländern bedenklichen Zulauf erhalten, war, dass wir Europa nicht in erster Linie als Verteiler von Geld und Fördermitteln sehen sollten, sondern "Europa und die europäische Einigung als Schatz begreifen, der stets gepflegt und verteidigt werden muss." Dies deshalb, weil das "freie, friedliche, sichere, reiche Europa, wie es die jetzige Generation kennt, nicht immer so und keinesfalls selbstverständlich war."

Die bayerisch-tschechische Grenzregion habe geradezu wie unter einem Brennglas die wechselhafte europäische Geschichte erlebt. Der 37-jährige Abgeordnete wollte von sich nicht als Zeitzeugen sprechen, doch er hat noch als Vertreter der jüngeren Generation an der Hand seines Vaters beim Wandern am Eisernen Vorhang bei Furth im Wald erlebt, was Grenze mit Stacheldraht bedeutete. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten Deutsche, Bayern und Tschechen die meisten Zeiträume der über tausendjährigen gemeinsamen Geschichte friedlich mit- und nebeneinander. Die Sudetendeutschen waren im engen Beziehungsgefüge zwischen Bayern und Böhmen verbindende Elemente, die Brücke zwischen beiden Ländern.

Diese Rolle übernahmen sie wieder unter Bernd Posselt nach ihrem 2015 ausdrücklich erklärten Verzicht auf die "Wiedergewinnung" der Heimat und auf den Anspruch auf die Rückgabe des sudetendeutschen Eigentums in Tschechien. . Hopp unterstrich, wie wichtig es war, dass sich unter Ministerpräsident Seehofer Bayern auf höchster Ebene dem Nachbarland als drittwichtigsten Handelspartner Tschechiens öffnete und damit vielen Kontakten, Partnerschaften, kulturellen und wirtschaftlichen Verflechtungen in den Grenzregionen neue Impulse gab.

Schub bei der Sprache

Jugendaustausch, Zusammenarbeit der Hochschulen, Förderprogramme, grenzüberschreitende Projekte, die Einrichtung der Bayerischen Repräsentanz im Herzen von Prag, Pilsen als Kulturhauptstadt Europas 2015 und die erste bayerisch-tschechische Landesausstellung sind markante Beispiele für Kooperationen, Begegnungen und Freundschaften, die auf bayerischer Seite noch einen Schub bräuchten bei tschechischen Sprachangeboten in Schulen. Seine Botschaft: "Dialog und offener Meinungsaustausch auf allen Ebenen. Das hohe Gut, den Schatz des Miteinanders erhalten und nicht in nationale Denkmuster zurückfallen."

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