30.03.2017 - 16:40 Uhr
SchönseeOberpfalz

Brückenbauer-Preise im CeBB verliehen Leuchtfeuer der Völkerverständigung

Für vorbildliches und wegweisendes Engagement zur Vertiefung der guten Nachbarschaft in den bayerischen und tschechischen Nachbarregionen verleiht Bavaria Bohemia seit 2007 jährlich den Preis "Brückenbauer - Stavitel mostu". "Zusammenarbeit, Verständigung und gute Beziehungen sind uns wichtig", sagte der Regionspräsident von Pilsen, Josef Bernard, in seiner leidenschaftlichen Festrede.

Die Brückenbauer-Preise 2017 gingen an Masumi Böttcher-Muraki (Neunte von links), Petr Rojík (Siebter von links) und Johann Walbrunn (Elfter von links). Ausgezeichnet wurden auch die Akteure der Schulpartnerschaften zwischen der Naabtal-Realschule Nabburg und Základní skola Horsovský Týn, zwischen dem Gymnasium Zwiesel und dem Gymnázium Vodnany sowie der Grundschule Altenstadt, der Mittelschule Altenstadt und der Základní skola Kladruby. Die Festrede hielt der Pilsener Regionspräsident Josef Bernard (Siebt
von Georg Köppl Kontakt Profil

Den Brückenbauer-Preis erhielten bei der feierlichen Übergabe am Mittwochabend im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) drei Persönlichkeiten und vier Partnerprojekte für ihr außerordentliches grenzüberschreitendes Engagement. Mit Masumi Böttcher-Muraki wird zum ersten Mal eine Frau aus Japan geehrt, die als Schriftstellerin in München arbeitet. Zum gegenseitigen Verständnis zwischen Japan und den Ländern Mittel- und Osteuropas, insbesondere Tschechien, hat sie außerordentliche Beiträge geleistet. Über den Förderverein "Schloss Ronsperg" treibt sie die Sanierung des dortigen Schlosses voran.

Petr Rojík aus Rotava (Region Karlsbad), unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Kulturverbands der Bürger deutscher Nationalität in Tschechien und studierter Geologe, bemüht sich leidenschaftlich darum, das kulturelle Erbe der deutschen Minderheit in Tschechien zu erhalten. Zudem begeistert er die Menschen mit Vorträgen und Führungen für Geologie und Bergbau.

Außerordentlich engagiert

Johann Walbrunn, Altbürgermeister der Stadt Pleystein, engagiert sich seit der Wende mit Tatkraft und Weitblick für die Zusammenarbeit an der bayerisch-tschechischen Grenze. Die Partnerschaft zwischen seiner Heimatstadt und der Stadt Bor/Haid hat er mit seinen politischen und kirchlichen Partnern entscheidend mitgeprägt. Für zwölf Kinder der Region Karlsbad führt der tägliche Weg zu ihrem Kindergarten in die oberfränkische Grenzstadt Schirnding zu ihren Spielkameraden mit deutschen, türkischen, holländischen und tunesischen Eltern. Diese kulturelle und sprachliche Vielfalt bereichert den Alltag im "Fuchsbau", dem einzigen deutsch-tschechischen Kindergarten Bayerns. Wegen finanziellen Problemen droht ihm leider das "Aus".

Ausgezeichnet werden zudem die Schulpartnerschaften zwischen der Naabtal-Realschule Nabburg und der Základní skola Horsovský Týn (Grund- und Mittelschule Bischofteinitz), zwischen dem Gymnasium Zwiesel und dem Gymnázium Vodnany (Wodnian) sowie der Grundund Mittelschule Altenstadt/WN und der Základní skola Kladruby (Grund- und Mittelschule Kladrau).

Die gemeinsamen Aktivitäten der Partnerschulen decken ein breites Spektrum ab und reichen von gegenseitigen Besuchen, der Teilnahme am Unterricht im Nachbarland und musikalischen Projekten bis hin zum Wahlfach Tschechisch und Spiel- und Sporttagen.

Irene Träxler, Vorsitzende von "Bavaria Bohemia", dem Trägerverein des CeBB, würdigt die Preisträger als "Leuchtfeuer der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und der Völkerverständigung". Generalkonsul Milan Coupek setzt auf die Jugend: "Vor allem die Jugend hat noch viele Ideen und große Begeisterung, um eine gemeinsame Zukunft zu gestalten".

Hindernisse überwinden

Josef Bernard, Hejtmann (Regionspräsident) der Region Pilsen, betont: "Es war nötig, im Grenzgebiet Bindungen zu schaffen und der Nachbarschaft einen neuen Inhalt zu geben. Ich bin froh, dass wir heute Beispiele derer zeigen und würdigen können, die dieses Hindernisse überwunden haben". In seiner leidenschaftlichen Festrede analysiert Bernard seine persönlichen Erfahrungen mit der Vertreibung aus dem Sudetenland, der kommunistischen Ideologie und dem Fall des Totalitarismus im Jahre 1989.

Bernard bedauert, dass sich in die neuen Beziehungen oft noch etwas Irrationales, nämliche Gefühle begangenen Unrechts, Vorurteile und Missgunst mischen und appelliert, intensiv am deutsch-tschechischen Dialog zu arbeiten.

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