05.12.2016 - 02:00 Uhr
SchönseeOberpfalz

Literarisches Ausrufezeichen

Die Literarischen Tage im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) schlossen mit einer Lesung ab, in der Regina Gottschalk, Jakuba Katalpa und Oskar Siebert aus ihren bemerkenswerten Werken lasen. Die Autoren offenbarten dabei auch kriminalistische Fähigkeiten.

Die Autoren (von links) Oskar Siebert, Jakuba Katalpa und Regina Gottschalk gewährten Einblick in ihre literarische Arbeit und lasen aus ihren Büchern vor. Bilder: eib (2)
von Hans EibauerProfil

Moderator Ondrej Cerný, Direktor des Tschechischen Zentrums in München, bat alle drei Schriftsteller nacheinander an den Tisch. Er erfragte im Zwiegespräch die Hintergründe ihrer Veröffentlichung und leitete zu den Textpassagen über, die von den Autoren dem aufmerksamen Publikum näher gebracht wurden. Im Buch "Warten auf Antwort" hat Regina Gottschalk aus Hunderten handgeschriebener und schwer lesbarer Briefe aus dem Nachlass der Kinder und Verwandten der jüdischen Familie Getreuer aus Schwanenbrückl das Schicksal der deportierten und schließlich im KZ ermordeten Familienmitglieder nachgezeichnet.

Fünf Jahre recherchiert

Der nach dem Krieg zerstörte Ort liegt nur ein paar Kilometer hinter der Grenze zwischen Tillyschanz und Weißensulz. Fünf Jahre dauerten die Recherchen, bei denen Regina Gottschalk fast kriminalistische Fähigkeiten einsetzen musste. Sie betonte, dass das Buch als Dokumentation und nicht als Fiktion zu verstehen sei. Das Dorf Schwanenbrückl war ein ausschließlich von Sudetendeutschen besiedelter Ort. Die Familie Getreuer war eingesessen, betrieb einen Kolonialwarenladen mit Klöppelhandel und lebte in guter Gemeinschaft mit der katholischen Bevölkerung. Berührend ist die Passage über das Schicksal der damals vierjährigen Tochter Luise und ihres gleichaltrigen Cousins Jirí. Ihr gelang als kleines Kind die Ausreise in die USA. Ihr Cousin Jirí kam im KZ um, sein junges Leben löste sich in Asche auf. Luise schrieb in einem Brief an die Autorin: "Ich habe 3 Kinder und 9 Enkel, das ist unsere Antwort auf Hitlers Absicht, uns auszulöschen."

Oskar Siebert verarbeitete in seiner Autobiografie sein Leben als in Berlin geborener Deutscher von deutsch-tschechischen Eltern, die noch im Zweiten Weltkrieg nach Prag gingen, wie er in der Tschechoslowakei die deutsche Staatsbürgerschaft verlor und als Staatenloser schließlich wieder in der Zeit des Prager Frühlings nach Deutschland zurückkehrte.

Thema war auch das bewegte Leben des Autors als preisgekrönter Kurzfilmregisseur und Produzent in Regensburg. Von den späten 80ern bis ins Jahr 2010 erhielt er für seine Kurzfilme über 300 internationale Preise. Für sein grenzüberschreitendes Engagement im Verein "Videoaktiv" bekam er 2009 den Brückenbauerpreis. Jakuba Katalpa, die dritte Schriftstellerin des Abends, wuchs in den 80er Jahren im ehemaligen Sudetenland auf, in einem von den Deutschen erbauten Haus. Das ist eigentlich ihre einzige persönliche Verbindung zu den Deutschen. Und da wären noch die Süßigkeiten, die ab und zu Urlauber mitbrachten. Als Kind wetteiferte sie mit anderen Kindern im Dorf, wer mehr Süßigkeiten ergatterte. Jakuba Katalpa las aus ihrem Buch "Die Deutschen - Geographie eines Verlustes". In ihrem gefühlvollen Vortrag auf Tschechisch, simultan ins Deutsche übersetzt, verzichtete die Autorin auf jegliche Schuldzuweisungen und konzentrierte sich auf das, was beide Völker verbindet.

Gute Wahl getroffen

Die literarisch und geschichtlich interessierten Gäste des Abends zeigten mit ihrem Beifall und dem Kauf der Bücher, dass das CeBB eine gute Wahl getroffen hat. Zur gelungenen Atmosphäre trugen die anschließenden Gespräche an den Stehtischen bei. Die Literarischen Tage, unterstützt vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, setzten am Ende des Programmjahres des CeBB noch ein literarisches Ausrufezeichen.

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