5. Forum "Wissenschaft ohne Grenzen" im Centrum Bavaria Bohemia Schönsee - 14 Nachwuchsforscher ...
Grenzüberschreitende Themen im Reagenzglas

Ein Teil der Referenten beim 5. Forum "Wissenschaft ohne Grenzen" im Centrum Bavaria Bohemia. Bild: nt/az
Lokales
Schönsee
23.04.2013
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Hochschulstandort ist die Stadt Schönsee (Kreis Schwandorf) noch nicht. Immerhin pflegt das Centrum Bavaria Bohemia (Cebb) seit nunmehr sieben Jahren die "hohe Schule" der Völkerverständigung auch auf wissenschaftlicher Ebene. Bereits zum fünften Mal trafen sich im Cebb junge Wissenschaftler von deutschen und tschechischen Universitäten, um ihre Abschlussarbeiten und Forschungsprojekte beim Forum "Wissenschaft ohne Grenzen - grenzüberschreitende Studien im Fokus" vorzustellen.

Partnerschaft ausbaufähig

Das Forum erfährt bei Wissenschaftlern immer größere Aufmerksamkeit. In diesem Jahr musste das Programm deshalb auf einen ganzen Tag ausgeweitet werden. 14 Wissenschaftler der Universitäten in Prag, München, Pilsen, Budweis, der Hochschulen Regensburg und Ludwigsburg, vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg und ein Abiturient eines Pilsner Gymnasiums bewiesen, wie breit das Forschungsfeld zu grenzüberschreitenden Themen ist.

Den Anfang machte Cebb-Mitarbeiterin Maika Victor-Ustohal, die ihre Masterarbeit im Fach Kulturmanagement zu den Perspektiven der deutsch-tschechischen Kulturbeziehungen am Beispiel der Städtepartnerschaft Regensburg-Pilsen vorstellte. In Interviews mit Stadtvertretern und Künstlern fand sie heraus, dass die Beziehung ausbaufähig ist. Das 20-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft sowie die Ernennung Pilsen zur Kulturhauptstadt Europas 2015 könnten neue Impulse liefern. Nicole Litzelvom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg stellte eine noch nicht abgeschlossene grenzüberschreitende Unternehmensbefragung zu deutschen Direktinvestitionen in Tschechien vor. Dabei sollen die Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte in beiden Ländern analysiert werden, die immer wieder kontrovers diskutiert werden.
Die Bachelorarbeit "Die Deutsche Minderheit und der Prager Frühling" der StudentinPetra Kokosková versucht eine Forschungslücke zu schließen. Ihre Untersuchung beleuchtet die Auswirkungen des Erneuerungsprozesses in der Tschechoslowakei Ende der 1960er Jahre auf das Leben der deutschen Bevölkerung. Im Raum stand die Frage, in welcher Weise die Ereignisse des Prager Frühlings die deutsche Minderheit beeinflusst hat. Das Dissertationsprojekt von Katharina Anna Aubele beschäftigt sich mit dem Leben und dem politischen Engagement vertriebener Frauen in den Anfangsjahren der Bundesrepublik Deutschland. In ihrem Vortrag ging sie speziell auf Frauen aus der Tschechoslowakei, auf die Frage ihrer Identität, ihre Netzwerke und ihre Aktivitäten innerhalb der Sudetendeutschen Landsmannschaft ein.

Probleme mit dem "E"

Dr. Marta Ulrychová und Zdenek Vejvoda stellten den zweiten Band ihres Buches "Volkslieder der Region Pilsen" vor, das auf umfangreichen historischen Quellen und Analysen beruht. Es enthält fast 50 Lieder aus ursprünglich deutschen Gebieten der Region Pilsen. Professor Vladislav Curn erläuterte die Aktivitäten des Biotechnologischen Zentrums der Südböhmischen Universität in Budweis, das an der Zusammenarbeit und gemeinsamen Forschungsprojekten mit ausländischen Institutionen interessiert ist. Studentische Entwurfsprojekte für den Grenzraum standen im Mittelpunkt des Bericht von Professor Anne Beer von der Architekturfakultät der Hochschule Regensburg.Monika Traubovástellte das Projekt "Czech In!" des Deutsch-Tschechischen Jugendforums vor, das Schüler für das Nachbarland Tschechien begeistern will.
Oliver Engelhardt präsentierte die Ergebnisse einer Forschung an tschechischen Schulen zur gegenwärtigen Situation der deutschen Sprache. In der Studie kristallisierten sich zahlreiche Gründe für den Rückgang des Interesses am Deutschlernen heraus. Neben Hürden im Schulsystem spielen die Einstellung der Schüler, der Eltern, der Lehrkräfte, der Schulen und gesamtgesellschaftliche Tendenzen eine Rolle.

Die von Jakub Kolínský von der Westböhmischen Universität vorgestellte Untersuchung zum qualitativen Niveau der Aussprache des Deutschen bei Schülern tschechischer Mittelschulen machte deutlich, das es hier Nachholbedarf gibt. Besonders das lange geschlossene E wie in "Idee" oder der Ich-Laut wie in "nämlich" bereiten tschechischen Schülern Probleme. Die Auswertung eines Fragebogens zur Untersuchung der Gründe kam zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Probanden, die am besten abgeschnitten hatten, weder länger in Deutschland waren, noch gut Deutsch sprechende Verwandte haben.
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