11.08.2012 - 00:00 Uhr
SchönseeOberpfalz

Betriebsaufgabe der Brauerei Haberl nach fünf Generationen in Familienbesitz Schlusspunkt unter Brautradition

Die jahrhundertealte Brautradition der Seerosenstadt ist zu Ende gegangen: Die Betriebsaufgabe der Brauerei Haberl zum 1. August setzte den Schlusspunkt unter eine seit 1883 und über fünf Generationen andauernde Familientradition. Dieser Schritt, der Diplombraumeister Hans Haberl und seiner Familie sicher nicht leicht gefallen ist, wird von der Bevölkerung bedauert.

von Autor GLProfil

Ein Trost ist, dass die Familienbrauerei Jacob aus Bodenwöhr den Vertrieb übernommen hat und hier bereits beim Bürger- und Seefest mitwirkte. Die Tradition über fünf Generationen der Familie Haberl begann in der Schönseer Hauptstraße, wo ein Johann Haberl mit dem Bierbrauen begann. Ein weiterer Johann Haberl erbaute 1910 damals am Ortsrand von Schönsee ein Brauereigebäude mit einem Saal im Obergeschoss. Dieser diente nicht nur als Lokal für Tanzveranstaltungen und Theateraufführungen, sondern sogar für Operettenkonzerte des im Brauereigasthof gegründeten Gesang- und Orchestervereins. Unter dem Vater des nunmehr letzten Hans Haberl wurde im Jahre 1956 am Standort der alten Brauerei ein zeitgemäßer Neubau mit modernster Einrichtung errichtet. Was die Schönseer Gastronomie und Biertradition anbelangt, so erwähnt Franz Xaver Wellnhofer in seiner Chronik aus dem Jahr 1928, dass es bereits im Jahr 1643 Bierschänken eines Peter Häsl und Hans Schwanenkrug gab, in denen ein im Kommunbrauhaus hergestelltes "Rotes Bier" ausgeschenkt wurde. Auswärtiges Braun- und Weißbier durfte nur nach Genehmigung des Rates eingeführt und ausgeschenkt werden.
Dazu waren im Jahre 1635 insgesamt 135 Bürgerhäuser berechtigt, insgesamt 281 Suden Bier zu brauen, durften dies aber nicht verkaufen, sondern mussten es selbst verbrauchen. Auch ein sogenanntes Mälzhaus wird erwähnt. 1653 hatten mehrere Bürger eigene Braustätten. Ab 1784 war jedem, der in der Oberpfalz das Bürgerrecht hatte, das Bierbrauen erlaubt.

Bei einem Brand während des Dreißigjährigen Kriegs im Jahre 1634, brannten auch das Brauhaus und zwei Mulzhäuser ab. Beim Großbrand 1867 wurde das Brauhaus, das an der Stelle des jetzigen Rathauses stand, vernichtet und an der Weidinger Straße neben einen bestehenden Mulzhaus neu aufgebaut. Dort wurde bis etwa 1960 Bier gebraut, der Betrieb mangels Nachfrage eingestellt und das Gebäude, in dem sich heute das Centrum Bavaria Bohemia befindet, verkauft und von der Stadt wieder zurückerworben.

Mit dem Braurecht verbunden waren unzählige Zoiglwirtschaften, in denen neben zahlreichen Gasthäusern Bier ausgeschenkt wurde, dies fast in jedem zweiten Haus in der Haupt- und Kirchstraße. Neben der Brauerei Haberl gab es im Nachbarhaus, dem Gasthaus "Zum Löwen" (Ettl) ebenfalls eine Brauerei. Einige Bürger übten ihr Braurecht noch einige Zeit im Eslarner Kommunbräuhaus aus. Dies und das reichhaltige gastronomische Angebot von Bierwirtschaften gehört inzwischen der Vergangenheit an.
Bereits beim Bieranstich zum Bürgerfest war der Brauerei Haberl für ihre langjährige Unterstützung als Getränkelieferant durch Bürgermeisterin Birgit Höcherl gedankt worden. Marcus Jacob, Inhaber der gleichnamigen Familienbrauerei aus Bodenwöhr, würdigte Hans Haberl für die Unterstützung und Zusammenarbeit. Vor den Bildern seines Vaters, Groß- und Urgroßvaters überreichten die Brauereivertreter als Anerkennung und Dank eine überdimensionale Bierflasche, während Bürgermeisterin Birgit Höcherl für ihre Mitwirkung mit Blumen bedacht wurde. Damit wurde eine Tradition besiegelt und kann fortgesetzt werden.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.