22.03.2018 - 17:06 Uhr
Schönsee

Das Schönseer Kanalnetz unter der Lupe Sanierung kann noch warten

Schäden sind da, aber die Situation ist nicht desaströs. Dennoch macht eine Prioritätenliste zur Kanalsanierung Sinn. Laut der von Ingenieur Fabian Biersack in der Stadtratssitzung vorgestellten Daten, liegt die Kirchstraße an erster Stelle der Schadensklassen. Dennoch gibt es derzeit andere Baustellen.

Absperrungen wegen Kanalarbeiten sind in Schönsee aktuell nicht zu befürchten. Dennoch sind 15 Prozent des knapp 15 Kilometer langen Kanalnetzes in einem sehr schlechten Zustand, wie eine am Dienstag vorgelegte Prioritätenliste besagt. Archivbild: Hartl
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Eine Serviceleistung, die keinen Pfennig kostet. Dieses Angebot von Diplom-Ingenieur Fabian Biersack - Gesellschafter und Büroleiter des Ingenieurbüros Weiß aus Neunburg - nahm die Stadt Schönsee gerne an. Im Jahr 2003 hatte das Büro eine Kanalbefahrung (TV-optische Untersuchung) im Stadtgebiet vorgenommen. Das Ergebnis wurde damals aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiter verfolgt. Auf dieser Grundlage stellte Biersack nun in der Stadtratssitzung am Dienstag eine Prioritätenliste für Kanalsanierungen vor.

Fünf Schadensklassen

"Die Tendenz zu Schäden ist da", sagte der Fachmann und informierte, dass vor 15 Jahren nur der Hauptkanal befahren wurde und die Aufstellung deshalb keine Kosten für Hausanschlüsse enthält. Auf sehr verständliche Art erklärte er den Räten die Zusammenhänge der drei Sanierungsarten und fünf Schadensklassen. Eine Reparatur sei eine punktuelle Sanierung des Kanals (Schadensklasse 1 und 2). Bei der Renovierung (Klasse 3 und 4) wird ein Schlauchliner eingezogen, und ein neues, hartes und dichtes Innenrohr entsteht. Teuer kommt meist eine Erneuerung (Schadensklasse 5), wobei die Straße aufgemacht und ein neuer Kanal eingebaut wird. Die Zuordnung der Sanierungsvariante ist maßgeblich für die Wirtschaftlichkeitsplanung.

Befahren wurden 14,7 Kilometer Kanalnetz. Davon sind 65 Prozent (9,57 Kilometer) in der Schadensklasse 1 und 2; wobei die Reparatur rund 42 045 Euro betragen würde. 2,88 Kilometer sind gut für eine Renovierung (1,013 Millionen Euro) und 2,2 Kilometer liegen in der Schadensklasse 5, in welcher nur eine Erneuerung infrage komme (1,359 Millionen Euro). "Das ist ein guter Schnitt. Aber es ist nicht so, dass kein Handlungsbedarf besteht", betonte Fabian Biersack. Insgesamt belaufe sich die Kanalsanierung auf 2,15 Millionen Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer 2,9 Millionen). Die Zehn-Jahres-Prognose bezifferte er demnach mit rund 300 000 Euro pro Jahr.

Nachdem sich Schönsee mit vielen Maßnahmen die Förderstufe eins "erarbeitet" hat, steht eine Gesamtförderung von etwa einer Million Euro im Raum, so dass sich die Zehn-Jahres-Prognose auf 200 000 Euro im Jahr reduziere. Nicht enthalten sind Ingenieurhonorar und Hausanschlüsse. "Der Zustand ist aus dem Jahr 2003, die Preise aus 2018", stellte der Experte auf Nachfrage klar und meinte: "Die Situation ist nicht desaströs und kann auch mit den alten Zahlen eingeschätzt werden." Eine neue Befahrung des gesamten Netzes sei zwecks hoher Kosten nicht sinnvoll. Vielmehr sollte der Kanal bei aktuellen Straßenbaumaßnahmen genauer angeschaut werden.

"Wir wollen die beiden Prioritätenlisten Straßenbau und Kanalsanierung zusammenführen und dann die dringlichere Maßnahme zuerst angehen", erklärte Bürgermeisterin Birgit Höcherl das weitere Vorgehen und dankte dem Ingenieur für die kostenlose Aufstellung. Diese können die Stadträte in der Verwaltung einsehen. Ziel des Tagesordnungspunktes sei die allgemeine Information gewesen.

Kirchstraße auf Platz eins

Diskutiert wurde trotzdem noch kurz der Kanal in der Kirchstraße, der den "ersten Platz" einnimmt und laut Parametern in der Schadensklasse 5 angesiedelt ist. Bei konkreter Betrachtung sei allerdings noch eine Renovierung mit Schlauchliner möglich. "Es wäre gut, mit den Sanierungen bald anzufangen, da die Rohre seit 2003 sicher schlechter geworden sind", sagte Thomas Schiller. Der städtische Fachmann Johann Pfistermeister gab Entwarnung: "Ein Riss im Rohr juckt mich nicht. Denn auch bei Schadensklasse 5 brechen die Kanäle nicht zusammen."

Außerdem könne die Stadt keine zwei Kilometer in den nächsten fünf Jahren erneuern, da die Prioritäten derzeit in Schwand, Laub und Gaisthal lägen. "Alle bayerischen Gemeinden stöhnen wegen den Kanalsanierungen", stellte Biersack zum Abschluss fest. Deshalb plane die Staatsregierung auch, ein neues Förderprogramm aufzulegen.

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