09.02.2017 - 20:00 Uhr
SchönseeOberpfalz

ILE-Urkunden für zwölf Kommunen Region in Mittelpunkt rücken

Für die zwölf Kommunen im Verein "Brückenland Bayern-Böhmen" ist es die Krönung langjähriger Anstrengungen. Aber auch der Startschuss zur Weiterführung der interkommunalen Zusammenarbeit unter neuen Vorzeichen: Das "Brückenland" ist in das ILE-Förderprogramm aufgenommen.

Reinhard und Marina Zilk, Andreas Hofmeister und Stefan Vogl setzten mit bayerisch-böhmischen Klängen dem Festakt das Sahnehäubchen auf.
von Georg Köppl Kontakt Profil

/Oberviechtach. "Das ist heute eine beeindruckend hochrangig besetzte Veranstaltung, die damit auch die Bedeutung dieses Tages und die Wertschätzung ihrer Arbeit unterstreicht", freute sich der Behördenleiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberpfalz, Leitender Baudirektor Thomas Gollwitzer. Rund 70 Gäste hatten sich am Mittwochabend zur Überreichung der Anerkennungsurkunden im Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee eingefunden. Das "Brückenland" ist in das Förderprogramm "Integrierte Ländliche Entwicklung" (ILE) aufgenommen.

"Wir Kommunen arbeiten seit vielen Jahren, ich darf sagen, erfolgreich zusammen und deshalb freut es uns sehr, dass diese Zusammenarbeit fortgesetzt werden kann", stellte "Hausherrin" Bürgermeisterin Birgit Höcherl in ihrer Begrüßung fest. Vertreten waren die Bürgermeister der zwölf Beteiligten Kommunen Altendorf, Eslarn, Gleiritsch, Guteneck, Niedermurach, Oberviechtach, Schwarzach, Schönsee, Stadlern, Teunz, Weiding und Winklarn mit ihren Stellvertretern, Gemeinderäten, Mitarbeitern der Verwaltungen und LAG-Mitgliedern sowie dem Regionalmanagement der Landkreise Schwandorf und Neustadt/Waldnaab.

Gute Erfahrungen

Die Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder und Karl Holmeier, Raimund Karl vom Landesamt für Denkmalpflege, Architekt Christian Schönberger, der sich seit Jahren in die Konzept- und Projektentwicklung einbringt, Sachgebietsleiter Werner Bachseitz vom AfLE sowie der CeBB-Geschäftsführer und langjährige LAG-Vorsitzende Hans Eibauer zeigten ebenfalls ihre Verbundenheit.

Landrat Thomas Ebeling blendete auf die schon seit vielen Jahre bestehende gute Zusammenarbeit der zwölf Gemeinden in der Leader-Aktionsgruppe (LAG) zurück. Dabei hätten die Akteure so gute Erfahrungen gemacht, dass sie weiterhin interkommunal zusammenarbeiten wollen. "Ich hoffe, dass wir noch viele gute Projekte erleben werden", wünschte sich der Landrat. "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt", zitierte Thomas Gollwitzer Mahatma Gandhi. Dieses Zitat sei die schönste Einladung, Veränderungen zu gestalten.

"Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister tun dies Kraft ihres Amtes in ihren Kommunen beinahe jeden Tag", so der Behördenleiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberpfalz weiter: "Sie sitzen dabei hinter dem Steuer und sind vielfach Motor zugleich." In dieser Doppelfunktion würden die Bürgermeister auch in nächster Zeit stark gefordert werden, denn interkommunale Zusammenarbeit sei Chefsache, betonte Gollwitzer. "Nur wenn sie voll dahinter stehen, wird die ILE ein Erfolg. Wenn ich sie heute hier versammelt sehe, dann weiß ich: Sie sind auf Erfolgskurs", zeigte sich Gollwitzer überzeugt.

Zwei neue Projekte

Er hieß die "ILE Brückenland Bayern-Böhmen" im Kreis der 15 interkommunalen Zusammenschlüsse der Oberpfalz willkommen. Gollwitzer verwies darauf, dass im Gebiet der neuen ILE in den letzten zehn Jahren bereits in über 20 Vorhaben mit Investitionen von über fünf Millionen Euro fast drei Millionen Euro Fördermittel geflossen sind. "Wir wollen diese Zusammenarbeit natürlich intensivieren", versprach der Behördenleiter und verwies auf zwei neue Vorhaben, die Dorferneuerung in Pischdorf (Gemeinde Guteneck) und den Wegebau in Oberkonhof (Gemeinde Altendorf). Er zeigte sich überzeugt, dass die Intensivierung gelingen wird, nachdem sowohl der Bundestag als auch der Bayerische Landtag die Finanzmittel für die Integrierte Ländliche Entwicklung deutlich erhöht hat.

Die ILE sei die Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft und biete die Chance, mit neuen Ideen und auf neuen Wegen die Region in den Mittelpunkt zu rücken und um attraktive Lebens- und Arbeitsbedingungen zu schaffen. Sie erschließt zahlreiche Fördertöpfe und bietet über das AfLE zudem eine sogenannte Umsetzungsbegleitung als ILE-Management, das sieben Jahre lang mit maximal 70 Prozent (bei maximal 90 000 Euro pro Jahr) gefördert wird. Vor der Übergabe der ILE-Urkunden wurden die acht Handlungsfelder des "Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts" (ILEK) vorgestellt (siehe Info-Kasten).

Den glänzenden Abschluss des Festaktes bildete ein Stehempfang mit einem "interkommunalen" Büfett mit lokalen und regionalen Spezialitäten aus den zwölf Kommunen. Das musikalische Sahnehäubchen setzten Reinhard, Maria, Stefan und Andreas mit bayerisch-böhmischer Unterhaltungs- und Tafelmusik. (Seite 21)

Wenn ich Sie heute hier versammelt sehe, dann weiß ich: Sie sind auf Erfolgskurs.Thomas Gollwitzer, Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberpfalz

Entwicklungskonzept mit acht Handlungsfeldern

Bereits 2002 wurde auf Initiative des damaligen Vorsitzenden Hans Eibauer die "LAG Oberviechtacher & Schönseer Land" ins Leben gerufen, in der sieben Kommunen neue Wege in der regionalen Zusammenarbeit gingen. 2007 kamen unter dem Namen "LAG Brückenland Bayern-Böhmen" fünf weitere Kommunen dazu.

Wichtige Projekte waren der Aufbau einer Infrastruktur am Bayerisch-Böhmischen Freundschaftsweg sowie die Leerstandsoffensive. Aufgrund der Erfolge wollen die zwölf Gemeinden nach dem Ende des LAG-Status ihre Zusammenarbeit in Form einer ILE-Region fortsetzen. Grundlage dafür ist das gemeinsam erarbeitete 168 Seiten umfassende "Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept" (ILEK). Es gliedert sich in eine Regionalanalyse mit den Bereichen Demografie, Wirtschaft, Landschaft, Ökologie, Wohnen, Baustruktur und Daseinsvorsorge. Darauf baut das Entwicklungsleitbild mit acht Handlungsfeldern auf. Die Bürgermeister Georg Köppl (Altendorf), Sonja Meier (Winklarn), Martin Prey (Niedermurach) und Reiner Gäbl (Eslarn) stellten beim Festakt die acht Handlungsfelder und die dazu erarbeiteten interkommunalen und lokalen Projekte vor.

Beim Handlungsfeld "Wirtschaft & Tourismus" geht es vorwiegend um eine effiziente Unternehmens- und Strukturförderung, welche die Produktionsbetriebe, die Dienstleister im Tourismussegment sowie die Landwirtschaft erreicht. Die Projekte reichen vom Sport- und Naturpark Reichenstein bis hin zu einem Energiekompetenz- und Start-Up-Zentrum in Schönsee.

Das Handlungsfeld "Kultur (-erbe) & Soziales möchte das Kulturerbe, welches Baukultur, Brauchtum und die Kulturaktivitäten in den Gemeinden einschließt, beleben. Die Palette reicht hier von der Sicherung der Daseinsvorsorge über Betreutes Wohnen bis hin zur Sanierung historischer Bausubstanz. Als Projekte im Fokus stehen die Burgruine Haus Murach, der Klöppel-Trafo in Schönsee, das Zentrum für Baukultur und Denkmalpflege in Winklarn und vieles andere mehr.

Ebenfalls sehr breitgefächert ist das Handlungsfeld "Landschaft, Landwirtschaft & Energie". Eine zukunftsfähige Landwirtschaft, Hochwasserschutz, Gewässerunterhalt, Kernwegenetz, Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien und Vermarktung regionaler Produkte sind nur einige von vielen Themen. Bei den Projekten gibt es zum Beispiel Überlegungen für ein Zentrum für Natur, Umwelt, Land- und Forstwirtschaft in Guteneck mit Außenstellen quer durch alle Kommunen.

Das Handlungsfeld "Überregionale & transnationale Zusammenarbeit" stellt die periphere Grenzlage durchaus als Chance und Entwicklungspotenzial in den Mittelpunkt unter dem Motto "Vom Rand in die Mitte Europas". Die regionalen Entwicklungsprozesse sollen unter einem ILE-Management weitergeführt werden. Dieses hat als "Kümmerer" die Aufgabe der Begleitung von der Idee bis zur Umsetzung und Abwicklung der Projekte. (kö)

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