06.02.2018 - 20:00 Uhr
Schönsee

Stadtrat Schönsee beschließt Sanierung der Zäch-Scheune Potenzial für "wunderbaren Platz"

Für die einen ist es altes Glump. Andere bekommen leuchtende Augen bei Natursteinmauern und Gewölbedecken. So geht es auch den Schönseer Stadträten, die in der Zäch-Scheune stehen und anschließend über die Sanierung beraten müssen. Das Signal fällt sehr eindeutig aus.

Überraschung: Die zwei Räume in der 160 Jahre alten Scheune versprühen einen besonderen Charme.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Am Dienstagabend traf sich der Stadtrat im Scheinwerferlicht zur Besichtigung der stehengebliebenen Zäch-Scheune in der Weidinger Straße 4. Während das ehemalige Wohnhaus im September dem Bagger zum Opfer fiel und geschreddert wurde, steht die Scheune "angekratzt" und wenig einladend am Ende des mittlerweile freien Platzes, "Das Gebäude hat Potenzial, das es lohnenswert macht, es herzurichten", betonte Birgit Höcherl. Dies erschließt sich aber erst auf den zweiten Blick und so waren etliche Stadträte überrascht, als sie die zwei Räume in Augenschein nahmen. Ein "Zimmer" weist eine Böhmische Gewölbedecke auf, während der größere Raum mit Natursteinmauer und Holzleiter zum Dachboden ebenfalls einen gewissen Charme versprüht.

"Radikale Variante"

Zurück im Sitzungssaal ergriff Architekt Christian Schönberger das Wort. Auch Anlieger waren der Einladung gefolgt. "Wir haben uns schon über die Nutzung unterhalten und wollen nun heute die Kosten erläutern", so der Architekt zur Gebäude- und Platzgestaltung. Er erläuterte zwei Varianten, wobei die "radikalere" Umgestaltung mit Wegfall der Zufahrt beim Schieber-Haus zur Weidinger Straße im Gremium favorisiert wurde. Bereits mit dem Straßenbauamt besprochen sei die Tiefbord-Absenkung entlang der Weidinger Straße im Hinblick auf mehr Barrierefreiheit. "Es geht nicht nur um das Umfeld des Stadels", stellte Schönberger klar. Zurück zur 160 Jahre alten Scheune. "Die Bausubstanz und das Dach sind gar nicht so schlecht", erläuterte der Fachmann. Das Mauerwerk könne mit einfachen Mitteln ausgebessert werden und die dicken Mauern hielten den Frost ab. Für die "reduzierte" Sanierung errechnete er 58 517 Euro, zuzüglich Baunebenkosten und Mehrwertsteuer. Ein Neubau käme auf rund 108 000 Euro. Schönberger betonte: "Es ist nicht das erste Mal, dass wir altes Glump herrichten." Hinterher sage dann jeder, "es ist doch schön geworden", Er listete noch weitere Posten auf, die zur Diskussion gestellt wurden. Eine temperierte Gebäudehülle (einfache Elektroheizung) würde mit 16 700 Euro zu Buche schlagen, der Einbau einer barrierefreien WC-Anlage 21 050 Euro und eine Küche 18 500 Euro. Eine verbesserte Heizung (Gastherme) hätte Mehrkosten von 9250 Euro zur Folge. Während es für einen Neubau keinen Zuschuss gibt, stehen für die Altbausanierung mit Platzgestaltung 60 Prozent von der Regierung der Oberpfalz im Raum.

"Ich habe mich mit der temperierten Gebäudehülle angefreundet", erklärte die Bürgermeisterin. Egal ob die Scheune eine Lagerstätte wird oder für verschiedene Möglichkeiten nutzbar gemacht wird, sei es gut, eine "mäusesichere" und leicht temperierte Unterkunft zu haben. Toilette und Küche seien dagegen schon wieder eine andere Liga und müssten derzeit nicht sein. Dies sah auch Josef Eibauer so, der den Architekten um Abklärung bat, ob spätere Zubauten fördertechnisch möglich seien. Zweiter Bürgermeister Josef Irlbacher erinnerte daran, dass das CeBB ebenfalls eine Ruine war und jetzt schön dasteht: "Wir sollten die Zäch-Scheune erhalten, wenn wir schon einen Zuschuss kriegen, aber dafür auch ein Gesamtkonzept entwickeln."

"Beim Hickhack um das Haus haben wir schon das Pendant zum Centrum Bavaria Bohemia gesehen. Wir wussten aber noch nichts vom Böhmischen Gewölbe", führte Birgit Höcherl an und bekräftigte: "Wir haben die einmalige Chance, mitten im Ort eine gestalterisch hochwertige Planung zu verwirklichen." Ein möglicher späterer Anbau sollte ins Konzept eingebunden werden. "Wir müssen jetzt die Grundlage dafür schaffen, damit wir uns nichts verbauen", appellierte die Bürgermeisterin an ihre Ratskollegen. Sie sprach sich ebenfalls dafür aus, die Zufahrt vorm Schieber-Haus aufzugeben und dafür einen Fußweg und mehr Grün auf den Platz zu bringen.

"Die Scheune ist zu klein, um als Lager und für Veranstaltungen zu dienen", gab Johann Pfistermeister zu bedenken und Christian Weinfurtner wollte "keine Gegen-Gastronomie" zum Moorbad aufbauen. "Es sind nur bis zu fünf Veranstaltungen im Jahr geplant", verwies Höcherl. Sie gab der Verwaltung den Auftrag, eine Aufstellung zu machen, welche Dinge sinnvoll in Nähe des CeBB eingelagert werden sollten. Eventuell reiche ein Raum als Lager, der zweite könnte für Aktionen dienen. Derzeit sind Vitrinen, Stellwände und Bierzeltgarnituren in der alten Kläranlage und Schule ausgelagert.

Mit und ohne Anbau

Thomas Schiller warf ein, dass für die Flächengestaltung noch kein Angebot vorliegt: "Wir wissen nicht, was uns das kostet." Ursprünglich sei es als Lagerplatz für die Feuerwehr vorgesehen gewesen, jetzt bestehe eine ganz andere Situation. "Wenn wir Grund und Gebäude nicht gekauft hätten, müssten wir es auch nicht sanieren", meinte Schiller, der monierte, dass der Erwerb zu den Kosten dazugerechnet werden müsse. Im übrigen wolle er staatliches Geld lieber für Straßen und Sicherheit ausgeben, als für Bruchsteinmauern.

Die weiteren Wortmeldungen fielen anders aus. Josef Eibauer: "Die Lage ist wichtig und das Gebäude erhaltungswürdig." Andreas Kulzer: "Ausreizen was geht und einen Teil mit Förderung anbauen." Christian Weinfurtner: "Aus städtebaulicher Sicht interessant, und nicht mit dem Hauptgrund Lager." Josef Irlbacher regte an, zwei Anfragen an die Regierung auszuarbeiten (mit und ohne kleinen Anbau), um "etwas Sinnvolles aus dem Platz zu machen". Angesprochen wurde auch der Ärger mit der wilden Parksituation vor der Tierarztpraxis - mit dem Appell zur Nutzung der nahen Stellplätze vorm CeBB. Bei der Platzgestaltung seien nur drei bis vier Parkplätze vorgesehen, so der Hinweis.

Mit einer Gegenstimme (Thomas Schiller) beschloss der Stadtrat schließlich die Sanierung der Scheune in der "staubdichten und temperierbaren Variante". Die Verwaltung soll die Förderfähigkeit eines möglichen Anbaus prüfen. Bei der Platzgestaltung tendierten die Räte zum Vorschlag zwei mit Rückbau der Zufahrt Schieber. Hier sollen die Anlieger noch eingebunden werden (Plan kann bei Sachbearbeiter Waldemar Hansl eingesehen werden). Geprüft werden soll auch, ob die Straße etwas verbreitert werden kann. Das Vorhaben soll bis Frühjahr 2019 fertig sein. "Ich bin mir sicher, es wird ein wunderbarer Platz mit einem interessanten Gebäude", schloss die Bürgermeisterin den ersten Tagesordnungspunkt. Christian Schönberger fügte noch an, dass die Abbruchkosten 7000 Euro günstiger als veranschlagt waren. Weiterer Bericht folgt.

Ein "Schatz"

Als das Zäch-Anwesen in der Weidinger Straße 4 von der Stadt Schönsee erworben wurde, war der "Schatz in der Scheune" noch kein Thema. Der Plan: Abreißen und Neugestaltung des Platzes. Doch spätestens seit der Sachgebietsleiter Städtebauförderung an der Regierung der Oberpfalz, Dr. Hubert Schmid, die Bruchsteinmauern und das Böhmische Gewölbe entdeckt hat und ein "Stehenlassen!" äußerte, setzte ein Umdenken ein. Laut Bürgermeisterin Birgit Höcherl hätten drei Vereine ein Interesse angemeldet, die Scheune als Lager zu nutzen. Außerdem könne man wenige Veranstaltung (wie Weinabend, Nutzung beim See- und Bürgerfest) ansiedeln. (ptr)

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