21.03.2018 - 15:22 Uhr
Schönsee

Stadtrat Schönsee "verschnupft" über Schreiben der Diözese Kindergarten in Warteschleife

Der Umzug der Kinder ins Ausweichquartier ist nach Ostern geplant und auch die Baugenehmigung ist erteilt - nun bremst die Diözese den Kindergartenneubau aus. Wegen 40 Quadratmeter Flächenüberhang soll die Stadt eine neue Defizitvereinbarung unterschreiben. "Das ist ein Kuhhandel", lautet die Meinung der Stadträte zu den gewünschten 90 Prozent.

395 Quadratmeter umfasst der neue Kindergarten, wobei etwa 100 Quadratmeter auch von der Kinderkrippe (weißes Gebäude, rechts) genutzt werden. Zehn Prozent Flächenüberhang könnten nun für eine Verzögerung des Baubeginns sorgen. Bild: Architekturbüro Schönberger
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Notwendigkeit der Änderung der Defizitvereinbarung und gegebenenfalls Beschlussfassung", stand am Dienstagabend auf der Tagesordnung des Stadtrates Schönsee. Dazu kam es jedoch nicht, denn das Gremium war schon ein wenig verschnupft über die Stellungnahme der Diözese zum Antrag für den Neubau eines dreigruppigen kirchlichen Kindergartens.

40 Quadratmeter mehr

Architekt Christian Schönberger informierte, dass der Umzug der Kindergartenkinder ins Ausweichquartier nach Ostern geplant ist und verkündete die gute Nachricht: "Die Baugenehmigung ist erteilt." Allerdings kritisierte die Bischöfliche Baukommission in ihrem Schreiben an Pfarrer Wolfgang Dietz, dass die Gruppenräume knapp unter der Mindestgröße lägen und die Neben- und Verkehrsfläche zu groß bemessen sei. Das führe zu einem höheren Unterhalt. Das Raumprogramm für den neuen Kindergarten (75 Kinder) umfasst 395 Quadratmeter, wobei etwa 100 Quadratmeter auch von der Kinderkrippe genutzt werden (wie Warteraum Eltern, Toilette, Eingangsbereich). Auch die Mittagsbetreuung fordere einen etwas höheren Platzbedarf, so der Architekt, der betonte, dass er den Flächenüberhang von rund 40 Quadratmetern zum vorgegebenen Raumprogramm in den Planungen genau erläutert habe und dies im Vorfeld auch so in Ordnung gewesen wäre. Die Vermutung, dass bei der Beratung "versehentlich die falsche Tabelle zugrunde gelegt wurde", habe sich bestätigt.

Die Beratungen in Regensburg finden nicht mehr in großer Runde mit den Architekten statt, sondern nur in Anwesenheit eines Vertreters des Diözesan-Caritasverbandes, bedauerte Schönberger. Der Flächenüberhang führe laut Schreiben dazu, dass der Unterhalt mehr kostet. Deshalb fordert die Diözese eine Änderung der Defizitvereinbarung, wonach die Stadt nicht 80 sondern 90 Prozent bei den Betriebskosten (mit Personalkosten) übernimmt. Nachdem die Zeit drängt und sich die Baukommission erst wieder Ende Mai trifft, lautete der Vorschlag des Architekten an die Räte dahingehend, dass die Stadt nur die tatsächlichen Mehrkosten für die 40 Quadratmeter übernehmen sollte, was Heizung, Strom und Reinigung betrifft. Denn zehn Prozent mehr an Fläche hätten keinen Einfluss auf den Personalbedarf. Wie Schönberger betonte, werde der Unterhalt viel günstiger, da im Neubau nur noch 33 Prozent der jetzigen Energiekosten anfallen werden.

"Ich bin dagegen, mehr zu zahlen", sagte Stadtrat Josef Eibauer. Josef Höcherl sprach von einem "Kuhhandel der Diözese" und regte an, dass man die 90 Prozent nicht von vornherein akzeptieren solle. Thomas Schiller monierte, dass der Stadtrat die Defizitvereinbarung schon vor einem Jahr verabschiedet hat, diese aber von der Bischöflichen Finanzkammer noch nicht unterschrieben wurde. Und auch Reinhard Kreuzer prangerte an, dass die Kirche nur noch zehn Prozent vom Defizit zahlen will und meinte: "Da können wir gleich den kompletten Kindergarten übernehmen und dann auch anschaffen." Für Kopfschütteln sorgte die Tatsache, dass die Baukommission schon vor vier Wochen getagt hat und die Stellungnahme erst jetzt in Schönsee einging.

"Kuh vom Eis" bringen

"Ich kann nicht ausschreiben, solange keine Freigabe da ist", verwies der Architekt und auch Bürgermeisterin Birgit Höcherl kritisierte die Zeitverzögerung, für die man nichts könne. Nachdem das nächste Treffen der Bischöflichen Baukommission erst Ende Mai stattfindet, müsse man versuchen, zeitnah einen Termin mit Regensburg zu bekommen. "Wir wollen die Kuh vom Eis bringen und zwar in Personalunion von Kirchenverwaltung, Stadt und Architekten", so die Bürgermeisterin. Übrigens: Der Defizitvertrag wird für eine Dauer von 35 Jahren abgeschlossen.

Ich kann nicht ausschreiben, solange keine Freigabe da ist.Architekt Christian Schönberger

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