22.02.2018 - 18:40 Uhr
Schönsee

Zehn Jahre nach Schließung der Grenzpolizeistation Schönsee Grenzpolizei wieder ein Thema

Seit 1. Januar 2008 ist die Bayerische Grenzpolizei Geschichte. Jetzt fordert der designierte Ministerpräsident Markus Söder beim Politischen Aschermittwoch in Passau dieses Instrument für mehr Sicherheit wieder ein. Damit weckt er bei vielen die Erinnerung an die Grenzpolizeistation in Schönsee.

Der Schlagbaum bleibt oben, und die Grenzpolizei ist seit zehn Jahren Geschichte! Der Landkreis Schwandorf besitzt zwei Grenzübergänge zum Nachbarland Tschechien. Beide liegen im Schönseer Land, wobei sowohl Friedrichshäng (Bild) als auch Schwarzach nicht für den öffentlichen Straßenverkehr angelegt sind. Bild: Portner
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Auch wenn Ostbayern und Westböhmen immer mehr zusammenwachsen - zehn Jahre nach dem Aus für die Grenzpolizeistation Schönsee bedauern etliche Bürger diesen Schritt immer noch. Die Schließung war eine Folge der Öffnung der Landesgrenze nach Osten, die nunmehr ohne stationäre polizeiliche Kontrolle passiert werden konnte. Offene Grenzen haben zwar die Zusammenarbeit zwischen den Nachbarregionen und das Pendeln der Arbeitnehmer erleichtert, aber die in der Vergangenheit bandenmäßig organisierten Einbrüche bringen doch eine gewisse Verunsicherung der grenznah wohnenden Bevölkerung mit sich.

Kompanie der Bürgerwehr

Nach dem Wegfall der Grenzkontrollen nach Tschechien und der Auflösung der Bayerischen Grenzpolizei erlebte die Polizeiinspektion Oberviechtach eine deutliche Aufwertung. Doch auch wenn die in der Nachbarstadt stationierten Beamten gute Arbeit leisten, denken doch viele ältere Bürger im Schönseer Land mit Wehmut an die "eigene Polizei" vor Ort zurück. Allerdings sind die Dörfer in den Grenzgemeinden auch dem aktuellen Chef der PI Oberviechtach bestens bekannt: Erster Polizeihauptkommissar Robert Feuerer aus Bruck war von Mai 2004 bis zur Auflösung im Dezember 2007 der Leiter der Grenzpolizeistation Schönsee.

Unser kürzlich verstorbener Mitarbeiter Konrad Scharnagl (gl) berichtete im Januar 2008 im "Neuen Tag" über die geschichtliche Entwicklung der Grenzpolizei in Schönsee wie folgt: Mit der Auflösung der Grenzpolizeistation zum Jahresbeginn 2008 verließ die letzte amtliche Dienststelle in Sachen Grenzorgane die Stadt. Deren Funktionen gehen in jene Zeit zurück, als in Schönsee noch der Warenverkehr an der Böhmischen Straße überwacht und abkassiert wurde. Vom "Umgeltner", Pflasterzolleinheber, der Bürgerwehr bis hin zum Zollamt, der Landpolizeistation und letztlich der abgespeckten Grenzpolizeistation reicht die Palette. Früher war es die Bürgerwehr oder das Bürgermilitär, von dem die Einwohner geschützt wurden. 1810 wird eine Kompanie, geleitet von Johann Dietl als Hauptmann, Georg Hopfner als Oberleutnant, sowie den Leutnants Josef Reindl und Kaspar Fanino sowie einem Feldwebel, Korporal, einem Sergeanten und einem Feldscher (Sanitäter) erwähnt. 1870 wurde das Bürgermilitär aufgehoben und in eine Landwehr umgetauft.

Einen Teil der Aufgaben übernahm die Feuerwehr. Später trat eine militärisch organisierte Gendarmerie in Funktion und 1875 wird in Schönsee von einer Gendarmeriestation berichtet. Aus dieser ging die bayerische Landpolizei hervor, die 1934 vom Staat übernommen wurde. Nach 1945 gab es noch eine Polizeistation in Schönsee mit Dienststelle im Osterbrunnenweg. Diese wurde 1960 aufgelöst und deren Aufgaben an die Grenzpolizeistation übertragen. Diese von den Amerikanern gegründete Grenzpolizeistation erweiterte sich zu einer Inspektion mit Stationen in Lindau, Dietersdorf, Stadlern, Schwarzach und Schönau mit insgesamt 33 Beamten. Die Diensträume befanden sich anfangs in einem inzwischen abgebrochenen Haus an der Aschabrücke, danach in der Bebenburg (Dietersdorfer Straße 3) und seit 1958 in einem eigens erbauten Gebäude am früheren Bahnhof. Seit dem Jahre 1968 war die Inspektion Waidhaus für die Station Schönsee zuständig.

Mehrere Zollhäuser

Was den Warenverkehr anbelangt, so besaß Schönsee schon 1875 eine Grenzwachstation mit einem Oberkontrolleur an der Spitze, die ihren Sitz in der Bebenburg hatte und mit einem Oberaufseher zu Pferde, einen Oberaufseher zu Fuß und drei Grenzaufsehern besetzt war. Offizieller Grenzübergang war Schwarzach. In den Grenzdörfern wurden eigene Zollhäuser gebaut, auch in Schönsee war eine solches an der Weidinger Straße geplant, wurde aber mit der Angliederung des Sudetenlandes durch das Münchener Abkommen im Jahre 1938 überflüssig. Nach dem Krieg wurde in Schönsee wieder ein Zollkommissariat mit Aufsichtsstellen in Dietersdorf, Stadlern, Schwarzach, Schönau und Tiefenbach eingerichtet. In den 60er-Jahren wurden das Zollkommissariat Schönsee und die Grenzaufsichtsstellen bis auf eine Zolldienststelle in Dietersdorf aufgelöst und alles schließlich dem Zollkommissariat Waidhaus zugeordnet.

Der frühere Warenverkehr auf der alten Mautstraße und das spätere Schmuggeln und Paschen wurde durch die Existenz des Eisernen Vorhanges unterbunden. Seit der Grenzöffnung, sowohl in Schwarzach und Friedrichshäng (für Fußgänger und Radler) gab es diesbezüglich wieder Möglichkeiten. Durch den Wegfall der Schranken im Dezember 2007 wurde beim "Schengen-Abkommen" ein neues Kapitel für die Zukunft aufgeschlagen.

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