25.08.2017 - 11:34 Uhr
SchönseeOberpfalz

Die Nature Community und ihre Visionen in Schönsee Der Hirsch im Wandel

Auf der Sonnenterrasse des ehemaligen Vier-Sterne-Hotels St. Hubertus herrscht reger Betrieb. Einige Meter weiter hält eine junge Familie mit Kind und zwei Hunden vor einem der 22 Bungalows. Seit über einem Jahr wohnt und arbeitet hier die Nature Community. Am Sonntag ist die Bevölkerung auf den Lauber Berg eingeladen. Dafür gibt es einen Grund.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

Feriendorf, Kur- und Sporthotel oder auch stilvolles Jagdhotel: So bewarb die Familie Utz die Anlage (4,5 Hektar) mit fünf großen Gebäuden und 22 Bungalows am Stadtrand von Schönsee. Mit dem Besitzerwechsel ist nicht nur der stattliche weiße Hirsch am Eingang verschwunden, sondern auch Leckeres vom Wild aus der Küche.

Visionen und Arbeit

Die Nature Community, mitinitiiert vom Münchner Unternehmer und Personal-Coach Andreas Materne, erhielt den Schlüssel im März 2016. Seine zwei Vorstandskollegen, Brigitte Schedler und Christoph Dold, nahmen sich diese Woche Zeit für ein Gespräch mit der Lokalredaktion von Oberpfalz-Medien. "Was uns antreibt ist die Sehnsucht nach Frieden im Innen und Außen", betonen sie unisono. Die tibetanischen Gebetsfahnen am Balkon der Hotelterrasse flattern im Wind. Wo Menschen aufeinandertreffen ist etwas in Bewegung, und diese Tage gibt es viel zu tun. Das 2. Sommer-Camp will vorbereitet sein und ebenso die Einladung der Bevölkerung zur Mitfeier von "50 Jahre St. Hubertus" am Sonntag, 27. August (siehe Hintergrund). Brigitte Schedler erklärt: "Für unser neues Zuhause wurde vor 50 Jahren der Grundstein gelegt und seitdem hat das St. Hubertus in Schönsee Geschichte geschrieben."

Obwohl sie keine tierischen Produkte verzehren, haben die neuen Bewohner mit der Vergangenheit kein Problem. Auch mit dem gemütlich-rustikalen Ambiente haben sie sich arrangiert: Man kann eben nicht alles in einem Jahr ändern. Die ledernen Leuchten sollen demnächst aber verschwinden. Ansonsten gilt es zu retten, was da ist. Wie Wellnessbereich mit Whirlpool, Schwimmbad, Fitnessraum, Sauna und Sonnenterrasse. Ein Bungalow ist bereits kernsaniert und das riesige "Haus Georg" erhält eine energieeffiziente Heizungsanlage. 10 000 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche bieten Platz für Seminar- und Gruppenräume und auch für Visionen.

Familien und Singles

Die Nature Community - 2013 in München gegründet - das sind 45 Erwachsene und 10 Kinder mit Katzen, Hunden und Pferden. Familien, Paare und Singles meist aus der Großstadt mit neuem Wohnsitz in Schönsee. Zwei Kinder besuchen ab Herbst die Grundschule am Ort, andere die Montessori-Schule in Schönthal. Eine Vision: Vegan, ökologisch und nachhaltig leben. Dazu authentisch und bewusst. "Die Entwicklung eines gewaltfreien Lebensmodells. Vertrauen, Freude und Freiheit für Mensch und Tier", erklärt Schedler. Was der ehemaligen Apothekerin an der Community gefällt, kann sie mit wenigen Worten ausdrücken: "Es sind die Spuren großer Sinnhaftigkeit." Das Schönste sei das Vertrauen in die Gemeinschaft, das wächst und woran sie alle arbeiten.

Christoph Dold war Inhaber einer Firma für Solaranlagen. "Ich bin erstaunt und stolz zu sehen, wie viele Menschen hier ihr Bestes geben und Geld einbringen", sagt er. "Ich wollte etwas Neues machen. Am Aufbau von etwas Großen mitzuwirken, das gibt mir viel." Typische Angestellte gibt es nicht. Die Genossenschaftsmitglieder arbeiten mit, halten Workshops oder bringen Geld durch ihre berufliche Tätigkeit ein. Brigitte Schedler arbeitet beispielsweise als Coach bei Materne-Training in München. Der Gedanke eines neuen Schönseer Stadtteils "St. Hubertus" gefällt ihr. Gerade kommt eine junge Familie an. Kinder und Hunde springen aus dem Jeep. Die Begrüßung mit einer langen liebevollen Umarmung ist in der Oberpfalz nicht daheim - Offenheit und Herzlichkeit schon. Der Jubiläumssonntag bietet Gelegenheit dazu. (Hintergrund)

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Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/bildergalerie

Vegan

Drei bis vier Leute sind zum Küchendienst eingeteilt. Wie bei einer Familie wird mittags gemeinsam gegessen (veganes Buffet). "Das ist auch eine schöne Erfahrung für Leute, die eine andere Kost gewöhnt sind", sagt Brigitte Schedler. Die Lebensmittel stammen aus biologischem Anbau. "Den Einkauf in der Region wollen wir noch forcieren", betont sie. Die Verwirklichung weiterer Ziele, wie eine eigene Energie- und Wasserversorgung (es gibt eine Quelle), freie Bildung, der Ankauf von Flächen und Versorgung durch Permakultur steht an. (ptr)

50 Jahre St. Hubertus

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