Die Nature Community und ihre Visionen in Schönsee
Der Hirsch im Wandel

Der Fernblick von der Hotelterrasse ist einmalig. Das finden auch Brigitte Schedler und Christoph Dold. Sie gehören dem Vorstand der Nature Community an und leben seit März 2016 im ehemaligen Feriendorf St. Hubertus. "Es war einfach toll, dass wir herkommen und sofort hier wohnen konnten", freuen sie sich über die vorhandene Ausstattung. Veränderungen, wie die tibetanischen Gebetsfahnen am Geländer, gibt es nach und nach. Bilder: Portner (3)
Vermischtes
Schönsee
25.08.2017
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Das ländlich rustikale Ambiente der Empfangshalle im Gästehaus hat die Nature Community mittlerweile etwas aufgepeppt. Die Rezeption ist jeden Vormittag besetzt und an den vielen kalten Abenden im Schönseer Land knistert das Feuer im großen Kamin (rechts). Das Frühstück gibt's jedoch nur vegan.
 
Die Kommunikationsberaterin Stephanie P. Erkens hat ihren Aufenthalt als Gasthelferin verlängert. Sie organisiert das Jubiläum "50 Jahre Hubert" mit und bietet vom 27. bis 29. Oktober den Workshop "Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit für Selbstständige" auch für Bürger der Region an.

Auf der Sonnenterrasse des ehemaligen Vier-Sterne-Hotels St. Hubertus herrscht reger Betrieb. Einige Meter weiter hält eine junge Familie mit Kind und zwei Hunden vor einem der 22 Bungalows. Seit über einem Jahr wohnt und arbeitet hier die Nature Community. Am Sonntag ist die Bevölkerung auf den Lauber Berg eingeladen. Dafür gibt es einen Grund.

Feriendorf, Kur- und Sporthotel oder auch stilvolles Jagdhotel: So bewarb die Familie Utz die Anlage (4,5 Hektar) mit fünf großen Gebäuden und 22 Bungalows am Stadtrand von Schönsee. Mit dem Besitzerwechsel ist nicht nur der stattliche weiße Hirsch am Eingang verschwunden, sondern auch Leckeres vom Wild aus der Küche.

Visionen und Arbeit

Die Nature Community, mitinitiiert vom Münchner Unternehmer und Personal-Coach Andreas Materne, erhielt den Schlüssel im März 2016. Seine zwei Vorstandskollegen, Brigitte Schedler und Christoph Dold, nahmen sich diese Woche Zeit für ein Gespräch mit der Lokalredaktion von Oberpfalz-Medien. "Was uns antreibt ist die Sehnsucht nach Frieden im Innen und Außen", betonen sie unisono. Die tibetanischen Gebetsfahnen am Balkon der Hotelterrasse flattern im Wind. Wo Menschen aufeinandertreffen ist etwas in Bewegung, und diese Tage gibt es viel zu tun. Das 2. Sommer-Camp will vorbereitet sein und ebenso die Einladung der Bevölkerung zur Mitfeier von "50 Jahre St. Hubertus" am Sonntag, 27. August (siehe Hintergrund). Brigitte Schedler erklärt: "Für unser neues Zuhause wurde vor 50 Jahren der Grundstein gelegt und seitdem hat das St. Hubertus in Schönsee Geschichte geschrieben."

Obwohl sie keine tierischen Produkte verzehren, haben die neuen Bewohner mit der Vergangenheit kein Problem. Auch mit dem gemütlich-rustikalen Ambiente haben sie sich arrangiert: Man kann eben nicht alles in einem Jahr ändern. Die ledernen Leuchten sollen demnächst aber verschwinden. Ansonsten gilt es zu retten, was da ist. Wie Wellnessbereich mit Whirlpool, Schwimmbad, Fitnessraum, Sauna und Sonnenterrasse. Ein Bungalow ist bereits kernsaniert und das riesige "Haus Georg" erhält eine energieeffiziente Heizungsanlage. 10 000 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche bieten Platz für Seminar- und Gruppenräume und auch für Visionen.

Familien und Singles

Die Nature Community - 2013 in München gegründet - das sind 45 Erwachsene und 10 Kinder mit Katzen, Hunden und Pferden. Familien, Paare und Singles meist aus der Großstadt mit neuem Wohnsitz in Schönsee. Zwei Kinder besuchen ab Herbst die Grundschule am Ort, andere die Montessori-Schule in Schönthal. Eine Vision: Vegan, ökologisch und nachhaltig leben. Dazu authentisch und bewusst. "Die Entwicklung eines gewaltfreien Lebensmodells. Vertrauen, Freude und Freiheit für Mensch und Tier", erklärt Schedler. Was der ehemaligen Apothekerin an der Community gefällt, kann sie mit wenigen Worten ausdrücken: "Es sind die Spuren großer Sinnhaftigkeit." Das Schönste sei das Vertrauen in die Gemeinschaft, das wächst und woran sie alle arbeiten.

Christoph Dold war Inhaber einer Firma für Solaranlagen. "Ich bin erstaunt und stolz zu sehen, wie viele Menschen hier ihr Bestes geben und Geld einbringen", sagt er. "Ich wollte etwas Neues machen. Am Aufbau von etwas Großen mitzuwirken, das gibt mir viel." Typische Angestellte gibt es nicht. Die Genossenschaftsmitglieder arbeiten mit, halten Workshops oder bringen Geld durch ihre berufliche Tätigkeit ein. Brigitte Schedler arbeitet beispielsweise als Coach bei Materne-Training in München. Der Gedanke eines neuen Schönseer Stadtteils "St. Hubertus" gefällt ihr. Gerade kommt eine junge Familie an. Kinder und Hunde springen aus dem Jeep. Die Begrüßung mit einer langen liebevollen Umarmung ist in der Oberpfalz nicht daheim - Offenheit und Herzlichkeit schon. Der Jubiläumssonntag bietet Gelegenheit dazu. (Hintergrund)

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Weitere Bilder im Internet:

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VeganDrei bis vier Leute sind zum Küchendienst eingeteilt. Wie bei einer Familie wird mittags gemeinsam gegessen (veganes Buffet). "Das ist auch eine schöne Erfahrung für Leute, die eine andere Kost gewöhnt sind", sagt Brigitte Schedler. Die Lebensmittel stammen aus biologischem Anbau. "Den Einkauf in der Region wollen wir noch forcieren", betont sie. Die Verwirklichung weiterer Ziele, wie eine eigene Energie- und Wasserversorgung (es gibt eine Quelle), freie Bildung, der Ankauf von Flächen und Versorgung durch Permakultur steht an. (ptr)

50 Jahre St. Hubertus

Schönsee. (ptr) Die Nature Community feiert am Sonntag, 27. August das Jubiläum "50 Jahre St. Hubertus". Ab 15 Uhr warten Spass und Unterhaltung für die ganze Familie und gegen Abend ein Open-Air-Konzert mit der Band "Acoustic Gravity" (bei Regen im Saal). Es gibt Kaffee, vegane Kuchen und Burger sowie Pommes und außerdem eine Führung durch die Nature Community. "Für unser neues Zuhause wurde vor 50 Jahren der Grundstein gelegt. Das wollen wir feiern und am liebsten zusammen mit allen aus Schönsee und Umgebung"; sagt Brigitte Schedler. Und Christoph Dold ergänzt: "Wir freuen uns auf nette Begegnungen, Essen, Trinken, gute Laune und schöne Musik."

Sommercamp bis Love-Festival

Schönsee. (ptr) Im Gästehaus für Einzelpersonen, Familien und Gruppen ist Platz für 100 Personen, für ein Kennenlern-Wochenende, für Workshops oder den Familienurlaub. Das Gästehaus dient als Transportmittel der Visionen. "Wir wollen den Menschen die kommen, unser Lebensgefühl vermitteln und sie bestenfalls damit anstecken", sagt Dold. Aktivitäten in der Gemeinschaft (wie Yoga, Meditation, Trommelworkshops oder Klangreisen) können auch Gäste nutzen. "Unsere Postbotin hat nach einem Yogakurs gefragt. Das finden wir echt toll", berichtet Schedler. Auch das Sommercamp vom 25. bis 29. August spült neue Leute an. Vom 30. September bis 3. Oktober ist ein Love-Festival geplant. "Wir sind eine Plattform für Leute, die Gleichgesinnte suchen", sagt Christoph Dold. Es gibt Vernetzungen zu ähnlichen Gemeinschaften (wie Tamera in Portugal) und gegenseitige Besuche. Mit der Entscheidung für die Immobilie in Schönsee sei man nach wie vor glücklich. "Nur der Winter ist hier lang und kalt", meint Dold lachend. Er erzählt auch, dass bei ähnlichen Hotels in Oberbayern die zur Auswahl standen, die Nutzungsänderung mehr Probleme bereitet hätte.

Frei von Lüge und Angst

Schönsee. (ptr) Es sind die Begegnungen mit Menschen, die Dold schätzt. "Persönliche und kollektive Weiterentwicklung", nennt er es. Eine Vision: Sexualität, Liebe und Partnerschaft von Lüge und Angst befreien. Dazu gehört Vertrauen durch Transparenz und Ehrlichkeit. Das Zusammenleben in der Community funktioniere gut und sei spannend: "Wir möchten herausfinden, wie wir so ehrlich wie möglich zusammenleben können." Offene Kommunikation ist wichtig: "Wenn es innerhalb einer Partnerschaft Anziehung zu einem anderen Menschen gibt, dann können wir hier darüber sprechen. Eifersucht und Verlustangst sind auch bei uns präsent. Wir betrachten das aber nicht als Normalität, sondern befreien uns Stück für Stück daraus." Denn Vertrauen ist die beste Basis für das Zusammenleben und den Frieden in der Welt.

Jagdmuseum aufgelöst

Schönsee. (ptr) Das Jagdmuseum haben die Vorbesitzer aufgelöst; die Hirschtrophäe im Glaspavillon vorm Hotel hat die Nature Community der Stadt geschenkt. Und so thronte beim "11. Advent im Wald" ein weißer Hirsch mit mächtigem Geweih zwischen den Bäumen am Eulenberg.
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