Mitglieder stimmen über Fortbestand oder Auflösung ab
Zukunft des FC Schönsee auf Messers Schneide

Dieses Foto aus dem Archiv des FC Schönsee zeigt die einstige Meistermannschaft in der B-Klasse Ost. Das Team hatte in der Saison 1971/72 den Aufstieg in die A-Klasse geschafft. Bilder: mmj (2)
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Schönsee
21.09.2017
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Der Sportlerball des FC Schönsee hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Besuchermagneten in der Faschingszeit entwickelt.

Im Jahr 1921 wurde der Sportverein Schönsee gegründet, der später in den heutigen Fußballclub umbenannt wurde. Doch ob der FC Schönsee in wenigen Jahren seinen 100. Geburtstag feiern kann, steht in den Sternen. Für das Fortbestehen steht es "Spitz auf Knopf".

Zwei richtungsweisende Punkte stehen auf der Tagesordnung der FC-Mitgliederversammlung, die am Freitag um 19.30 Uhr im Sportheim beginnt. Einmal sind es die Neuwahlen, zum anderen die Entscheidung "Beschluss über die Auflösung des Vereins". Denn scheitert mangels Bereitschaft die Übernahme von Ämtern, folgt das von vielen befürchtete Szenario einer Liquidation des FC. Dies würde das Ende der Vereinsarbeit bedeuten.

Erste Partie auf Getreidefeld

Die zukunftsweisende Zusammenkunft gibt Anlass, auf die vergangenen 96 Vereinsjahre zurückzublicken ."Im August 1921 wurde in Schönsee von sportbegeisterten jungen Männern der erste Sportverein im Gebietsbereich des früheren Bezirksamts (Landkreis) Oberviechtach gegründet", schreibt der Vereinschronist in der Festschrift zur Sportheimeinweihung 1987. Bereits Ende August gab es dann das erste "Wettspiel" auf einem abgeernteten Getreidefeld an der Weidinger Straße gegen eine Elf aus Oberviechtach. Laut Chronik machten sich die Schönseer gleich am nächsten Tag mit dem Fahrrad auf den Weg nach Oberviechtach zum Rückspiel.

Drei Jahre nach der Gründung, im August 1924, wurde der in schwerer Handarbeit errichtete Sportplatzes an der heutigen Böhmerwaldstraße eingeweiht. In den Folgejahren wurden Fußballspiele, darunter gegen Mannschaften aus Eslarn, Rötz, Nabburg und Ronsperg (Böhmen) ausgetragen. Bei einem Pokalturnier waren im Jahr 1925 die Fußballer des Sportclubs "Amateure" Nürnberg-Fürth, von "Pfeil" Schwandorf und dem FC Schwarzenfeld zu Gast. Konkrete Aufzeichnungen, warum der Vereins- und Sportbetrieb bereits zu Beginn der 30er Jahre zum Erliegen kam, seien nicht mehr festzustellen, vermerkt der Chronist. Die Abwanderung von Spielern aufgrund der wirtschaftlichen Situation dürfte mit eine Ursache gewesen sein.

Die Wiederaufnahme der Vereinsaktivität erfolgte im März 1946 durch einige aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrte Männer. Im August 1948 wurde - laut einem Zeitungsbericht vor 1200 Zuschauern - mit Teams aus Eslarn, Oberviechtach und Vohenstrauß erstmals ein Pokalturnier um den von Landrat Josef Zwick gestifteten Wanderpokal ausgetragen. An Ostern 1949 war die "Alte Liga" des SSV Jahn Regensburg mit dem ehemaligen Nationaltorwart Hans Jakob in Schönsee zu Gast.

Dunkle Wolken brauten sich über dem FC im Oktober 1954 unter dem Druck spielerischer und finanzieller Sorgen zusammen. Aktuell zu diesem Zeitpunkt Tabellensiebter der A-Klasse im Bezirk Cham, stand auf einer außerordentlichen Generalversammlung der Punkt "Auflösen des Vereins oder Weitermachen". Es ging weiter. Fünf Jahre später erfolgte der Zusammenschluss mit dem damaligen SV Gaisthal zu einer Spielgemeinschaft in der B-Klasse. Widrigkeiten blieben dennoch in den Folgejahren nicht aus, im September 1963 zog der FC wegen Spielermangels die 1. Mannschaft aus dem Spielbetrieb zurück.

Meistertitel für Reserve

Doch aufbauend auf eine ausgezeichnete Jugendarbeit griff die "Erste" kurze Zeit später wieder ins Geschehen ein und wurde im November 1968 Meister der C-Klasse Ost. In der Spielzeit 1971/72 stand der FC nach Saisonende als Meister der B-Klasse fest und schaffte den Aufstieg in die A-Klasse Amberg. In der C-Klasse-Mitte wurde 1980/81 der Meistertitel und Aufstieg in die B-Klasse gefeiert. Die folgende Saison ging es aber wieder runter in die C-Klasse. Die Spielzeit 1982/83 beendete die Erste Garnitur wieder auf Platz eins und kam in die B-Klasse zurück. Zwischen 1978 und 1983 holte die Reserve vier Mal den Meistertitel, wie später auch 1996. Im vergangenen Jahrzehnt gab es im sportlichen Bereich mehr Ab als Auf. Auf die abnehmende Zahl an aktiven Spielern wurde 2008 mit einem Zusammenschluss mit dem SC Weiding zu einer Spielgemeinschaft reagiert. Vier Jahre später mündete der Fußballbetrieb in die gegründete "Spielvereinigung Schönseer Land 2012".

Gesellschaftlich hat der FC vor allem mit dem jährlichen Sportlerball in der Aula der Schule Furore gemacht. Ein Seefest ohne Fußballer wäre in der Vergangenheit undenkbar gewesen, genauso wie an Drei-König der Preisschafkopf. Doch nun sind die Mitglieder auf einem ganz anderen "Spielfeld" gefordert, wenn sie am Freitag über den Fortbestand des Traditionsvereins abstimmen.
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