23.02.2018 - 15:46 Uhr
Schönsee

Schönseer Kaufmann beliefert die ganze Welt mit Klöppelzubehör Dieser Trend treibt es auf die Spitze

Klöppeln ist Kulturerbe und untrennbar mit Schönsee verbunden. Das hat auch Josef Köck entdeckt, der jeden Tag bis zu 100 Pakete rund um die Welt schickt. Während andere Kaufhäuser schließen müssen, verhindert dies in der Grenzstadt der Umsatz aus dem Internetshop. Mancher Trend im Klöppelfieber überrascht auch "alte Hasen". Und Ostern und Weihnachten laufen das ganze Jahr - egal ob in Israel oder Südkorea.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

Noch brennt das olympische Feuer in Pyeongchang. Der Schönseer Unternehmer Josef Köck denkt dabei aber weniger an Sport, als an seine Kunden in Südkorea. Denn auch hier boomt das Spitzenklöppeln. Egal ob in Asien, Amerika oder Norddeutschland - Materialien und Ideen finden die Anhänger der Handwerkskunst eher im Internet als in ihren Läden vor Ort. Das hat Köck schon Ende des vorigen Jahrtausends entdeckt. Er war dabei, als die Branche erste unsichere Schritte im "World Wide Web" unternahm.

Heute ist diese "Spinnerei" von damals ein Garant dafür, dass die Bevölkerung des Grenzlandes nach wie vor viele Dinge des täglichen Bedarfs im Kaufhaus vorfindet. "Der Internetshop ist ein wichtiges Standbein für uns - und eine Garantie für einen sicheren Arbeitsplatz der acht Mitarbeiter", sagt der Inhaber stolz und zeigt auf das Schild: "141 Jahre Köck - 1876 bis 2017". Auch die Blüte der Klöppelschulen liegt über einhundert Jahre zurück, doch die Handwerkskunst liegt im Trend - Tendenz steigend. Anfänger üben in Kursen in der Schönseer Schule den Halb- und Ganzschlag, Profis versehen Tischdecken, Bettbezüge und Kleidung mit Spitze und stellen sogar Schmuck aus Draht her. Das Hobby erfordert spezielles Zubehör: Garn, Klöppelkissen, Nägel und Vorlagen. Das alles und noch viel mehr gibt es im gut sortierten Klöppel-Shop im Obergeschoss des Kaufhauses Köck in der Hauptstraße von Schönsee - gleichzeitig Lager für den Internethandel. "Das Sortiment hat sich langsam hochgeschaukelt", erzählt Josef Köck. Er zeigt auf den Katalog mit 132 Seiten "rund ums Klöppeln", welchen er jeweils im Frühjahr an rund 8000 Kunden verschickt. Dazu kommt ein "Extrablatt" im Herbst mit Neuheiten für Weihnachten. Köck zeigt auf ein fast leeres Regal: "Im Advent wurden wir mit der Nachfrage nach Schwibbögen, in welche die Klöppelarbeiten eingesetzt werden, regelrecht überrannt."

Marktlücke entdeckt

Er bezeichnet den Hype um das Handwerk als "einfach irre" und erzählt davon, dass es früher die Klöppelschulen waren, welche die Frauen mit dem Material versorgten. Als die Stadt Schönsee vermehrt auf den Tourismus setzte und in den 1980er Jahren Klöppelkurse für Urlauber anbot, erkannte Köck die "Marktlücke". Denn die Kursteilnehmer wollten ihr neues Hobby auch zu Hause in Hamburg oder Bremen pflegen und bestellten telefonisch. Auch Klöppelbriefe (Mustervorlagen) wurden vermehrt verlangt. "So kam eins zum andern. Das Sortiment hat sich hochgeschaukelt", erinnert er sich. Seit 1999 ist der Klöppel-Shop im Internet vertreten. "Wir hatten keine andere Wahl", berichtet Josef Köck und erzählt von der Konkurrenz aus Holland, die den Schritt ins damals noch unsichere "weltweite Netz" wagte: "Wenn wir damals nicht mitgemacht hätten, wären wir weg vom Fenster gewesen." Anfangsfehler wurden ausgebügelt und ein treuer Kundenstamm aufgebaut. Viel bestellt wird aus Österreich, Frankreich, Belgien, Finnland, Holland und Slowenien. Weiter östlich eher nicht: "Die haben die Sachen selber und weitaus günstiger!" Doch auch in Kanada, Australien und Südkorea landet die Schönseer Luftpost.

Köck zeigt auf eine aktuelle Erstbestellung aus Israel. Für Garn und Klöppel mit einem Warenwert von 115 Euro werden 35 Euro Porto fällig. Das Gewicht von 2,3 Kilogramm hat das Computerprogramm selbstständig errechnet, da jeder Artikel mit Preis und Gramm hinterlegt ist. Neue Kunden können nur mit Vorkasse oder Paypal bestellen; später geht's auch mit Rechnung. Der Kommissionsschein wird sofort im Obergeschoss bearbeitet. Die Ware "wandert" in kleinen Körbchen ins Untergeschoss zu Gertraud Püschl im Versand. Sie scannt den Auftrag ein, kontrolliert und verpackt die bestellte Ware. Der PC "spuckt" Rechnung und Versandaufkleber aus, womit das Paket automatisch frankiert ist. Gleichzeitig erhält der Kunde eine Mail mit einem Link zum Versandverlauf. Um 15.30 Uhr wird der gefüllte Paketwagen von der Post abgeholt. 20 bis 30 Bestellungen täglich sind die Regel; vor Weihnachten und Ostern gehen jeden Nachmittag bis zu 100 Pakete raus. Als Internethändler behauptet sich die Schönseer Firma deutschlandweit "ziemlich vorn", meint Josef Köck. Das Wichtigste für den Erfolg: "Schöne Bilder im Katalog, Service und Schnelligkeit." Die Beratung erfolgt meist telefonisch, aber bestellt wird überwiegend am Computer.

Halsketten klöppeln

Früher wurden überwiegend Deckchen hergestellt, heute stehen Schmuck, Kleidung und Dekoratives für die Wohnung auf der Hitliste der Handarbeiterinnen. Die Schublade mit Garn der Hausmarke in Weiß, Beige und Natur ersetzt jetzt eine ganze Wand mit farbenprächtigen Garnen aus Leinen, Baumwolle, Seide, Metallic und Draht. "Knalliges Rosa kommt in den neuen Rahmen aus Silber wunderschön zur Geltung", schwärmt Köck. Der Weihnachtsbaum mit den Sternen und Engeln aus edler Spitze bleibt das ganze Jahr im Shop stehen, ebenso der Osterstrauß mit "Kükenschlupf" im Plastikei. Derzeit gefragt sind Vorlagen aus Tschechien: "Unsere Nachbarn sind sehr innovativ." Fast täglich kommen Leute bis aus 200 Kilometer Entfernung in den Shop. "Sie wollen das alles mal mit eigenen Augen sehen und nicht nur auf Papier oder am Bildschirm", sagt Köck und sein Blick wandert zufrieden über die Regale. Er brennt für die Handwerkskunst, auch wenn er selber nicht am Klöppelsack anzutreffen ist. "Ich hab's zeitlich einfach noch nicht geschafft", erklärt er, ergänzt aber sofort, dass die Hälfte seiner Mitarbeiter aktive Klöpplerinnen sind und damit Experten bei allen Fachfragen.

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Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/Bildergalerie

Tradition ist "in"

Seit dem 19. Jahrhundert ist das Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald eine von Generation zu Generation weitergegebene Praktik. Der Klöppelkreis Schönsee-Stadlern-Tiefenbach ist mit Ausstellungen und Kursen aktiv.

Auszeichnungen

2017: Eintrag in das Bayerische Landesverzeichnis und in das Bundesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes

2018: Verleihung "Heimatpreis Oberpfalz" durch Markus Söder

Klöppeln Aktiv 2018

Vom 28. Mai bis 3. Juni mit vier Kursangeboten, Hutscha-Nachmittag, Ausstellung im CeBB ("Facetten der Klöppelspitze - Kursleiterinnen stellen sich vor") und Ausstellung im Klöppel-Shop Köck ("Unkonventionelle Materialien in der tschechischen Klöppelspitze"). (ptr)

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