Siebdrucker, die Experten für die filigrane Farbgestaltung
Die Eule – heute mal ganz streifenfrei

Wie geht Siebdruck? Ich darf das bei Irlbacher einen Tag lang ausprobieren. (Foto: exb)
Vermischtes
Schönsee
08.09.2017
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Kolleginnen für einen Tag (von links): Tina Spickenreuther (Medientechnologin Siebdruck) und Nicole Scheibl (Ausbilderin im Bereich Siebdruck) mit Redakteurin Michaela Süß. (Foto: exb)
 
Ganz genau muss die Farbe für den Druck gemischt und gewogen werden. (Foto: mia)
(Von Michaela Süß)

Frech blickt die kleine Eule aus ihrer dunkelblauen Umgebung zu mir heraus. Hübsch ist sie geworden. Und das Beste daran: Ich habe sie selbst – ohne allzu große Unfälle und Kollateralschäden – selbst auf die kleine Glasplatte gedruckt. Denn für einen Tag war ich nicht Journalistin, sondern Medientechnologin im Bereich Siebdruck.

Schönsee. Technologie statt Notizblock und Fotoapparat, eine Produktionshalle voll mit Maschinen statt eines Büros mit Topfpflanzen und Teppichboden? Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage „Was wäre ich wohl geworden, wäre ich nicht Journalistin geworden?“ lande ich für einen Tag beim Weltunternehmen Irlbacher Blickpunkt Glas in Schönsee. Als Medientechnologin für Siebdruck.

Nach mittlerweile 25 Jahren in einem Tageszeitungsunternehmen habe ich gegenüber vielen, die zum ersten Mal mit dem Berufsbild eines Druckers in Berührung kommen, zumindest schon mal einen gewissen Startvorteil. Grundlagen wie Herstellung von Vorlagen, Belichtung, Farbmischung etc. sind mir zumindest nicht ganz unbekannt. Und trotzdem: Zuallererst staune ich erst einmal heftig…

Nämlich darüber, was so eine Medientechnologin bzw. Siebdruckerin so alles bedrucken kann. Im Falle von Irlbacher ist es kein Papier, sondern Glas. Dickes Glas, hauchdünnes Glas, Sicherheitsglas.... für Lichtschalter und LED-Lampen, für die Bedienfelder unserer Küchen-Öfen oder die Displays unserer Fitnessgeräte... 15 000 verschiedene Produkte entstehen hier, Tendenz steigend. Und auch ich darf heute etwas produzieren.

Zunächst geht es aber erst einmal los mit der Theorie... jeder Menge Theorie. Wie viele Schichten Farbe übereinander gedruckt werden können (es sind übrigens 12), wie der Arbeitsprozess in der Druckerei vom einfachen Glas-Element bis zum fertig bedruckten Produkt abläuft und wie wichtig dabei die Qualitätssicherung ist.

Nicole Scheibl, die Ausbilderin für den Bereich Siebdruck, bringt es auf den Punkt: „Wir können uns keinen Fussel leisten“, sagt sie. Neben der gelernten Friseurin, die nach einem Job in der Produktion so begeistert vom Berufsfeld des Druckers war, dass sie die externe Gesellenprüfung absolvierte, sich weiterbildete und seit 2012 für die Ausbildung der Medientechnologen verantwortlich ist, lerne ich auch meine weitere Begleiterin für diesen Tag kennen:
Tina Spickenreuther ist Siebdruckerin, hat vor einem Jahr ausgelernt und teilt sich heute ihre Maschine mit mir.

Frisch gestärkt soll es nach der Brotzeit und all der Theorie endlich losgehen mit der praktischen Arbeit. Schon kann ich mich freuen: In der Mediengestaltung haben meine Gastgeber extra ein hübsches Motiv anfertigen lassen, das ich nun drucken darf.

Und ehrlich gesagt: So eine nette Eule mit dem Schriftzug „Mein Tag als Siebdrucker/in“ ist doch deutlich attraktiver als ein weißer Glas-Lichtschalter mit grauen Firmenlogo drauf.
Damit das Tierchen dann schließlich auf einer Glasplatte landen kann, brauchen wir erst einmal das zentrale Element jeden Siebdrucks: ein Sieb. Die speziellen Kunststoffgewebe, die mit einer lichtempfindlichen Schicht ausgestattet sind, werden heutzutage per Laser mit den druckenden, farbdurchlässigen Bereichen versehen.
Solange mein Sieb belichtet wird und dann nach dem anschließenden Abwaschen trocknet, suche ich mir schon mal die Farben für meinen Druck aus: Ein schönes Ultramarin-Dunkelblau wie der Nachthimmel soll meine silberfarbene Eule zur Geltung bringen. Kein Problem, das ist zügig zusammengemischt.

So, nun wird’s ernst. Farbe und Sieb sind bereit, jetzt muss nur noch die Druckmaschine eingerichtet werden. Dazu gibt es jede Menge Stellschrauben und Bedienknöpfe, die das Sieb mal ein paar Millimeter weiter nach links, mal nach rechts bewegen, bis endlich alles passt.

Das Werkstück – in meinem Fall eine quadratische Glasplatte – wird derweil durch aufgeklebte Begrenzungen so am Arbeitsplatz gehalten, dass garantiert nichts verrutscht. Das darf auch nicht sein. Denn wo bei meiner Eule vielleicht ein Rand etwas dicker ausfallen würde, hätte auch nur die kleinste Abweichung in der realen Produktion gravierende Auswirkungen:

Würde zum Beispiel die spezielle Farbe verlaufen, mit der Leiterbahnen direkt auf Bauteile gedruckt werden, würde ein Display nicht funktionieren oder eine LED-Lampe nicht leuchten...
Dock zurück zu mir und meiner Eule. Die Druckeinheit ist mittlerweile in Position und auch Rakel (damit wird das Motiv nach unten gedrückt) sowie Fluter (er streicht die Farbe durch das Sieb auf das Motiv) sind an ihrem Platz. Jetzt noch die erste Farbe drauf und es kann losgehen.

Hmmm... irgendwie war das noch nicht perfekt. Zwar schimmert meine Eule mittlerweile silbern, aber die Farbschicht weist noch deutliche Löcher auf. Das sehe sogar ich als Laie. Macht aber nichts, beruhigt mich Tina. Ein paar Probedrucke braucht es immer, bis alles passt. Und tatsächlich, nach kurzer Zeit ist meine Eule so, wie sie sein soll.

Jetzt noch ein paar Minuten durch die Trocknungsmaschine mit der Glasplatte, dann kann mit der nächsten Farbe der Nachthimmel dazukommen. Vorher heißt es aber erst einmal putzen: Die silbernen Farbreste müssen weg – also Sieb und die mechanischen Teile mit Reiniger bearbeiten, alles ausbauen, wieder einbauen und einrichten…

Bis das erledigt ist, sind auch die Glasplatten mit den ersten Drucken fertig getrocknet und die ganze Prozedur wiederholt sich noch einmal mit der ultramarinblauen Farbe. So weit, so gut?
Nein, Mist! Woher kommen auf einmal die Streifen auf dem dunkelblauen Nachthimmel? Das dürfte eigentlich gar nicht sein..! Ich bin ratlos. Eine zweite Lage Farbe löst schließlich das Problem. Meine Eule und ich strahlen um die Wette.

Am Ende der Schicht begleitet sie mich – schön bruchsicher verpackt – nach Hause, während drinnen in der Produktionshalle schon wieder die nächsten gläsernen Lichtschalter durch die Maschine laufen.

Die ZahlenAls Medientechnologe/-in (Siebdrucker/-in) lernen Azubis drei Jahre im dualen System. Im ersten Ausbildungsjahr gibt es pro Woche zwei Berufsschultage in Regensburg, im zweiten und dritten Jahr dann Blockschule in München.

Die angehenden Siebdrucker verdienen im ersten Lehrjahr 820 Euro brutto, im zweiten Jahr 870 und im dritten Jahr 935 Euro. Hinzu kommen, wenn sie (sofern das aufgrund ihres Alters möglich ist) im zweiten Jahr im Schichtbetrieb eingesetzt werden, 1,50 Euro pro Stunde Schichtzulage. (mia)
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