Von Friedrichshäng in böhmische Nicht-Dörfer
Grenzgänge

Vermischtes
Schönsee
22.06.2017
1788
1

Es ist ein Grenzgang. Er führt von Friedrichshäng in Bayern über mehrere böhmische Nicht-Dörfer wieder nach Deutschland zurück. Er führt aber auch in eine Vergangenheit, die in viele Leben tiefe Wunden gerissen hat. Hinter dem Eisernen Vorhang räumte das kommunistische Regime der ehemaligen Tschechoslowakei nach der Vertreibung der Deutschen das Fensterbrett ab.

Die entvölkerten Orte machte es Anfang der 50er Jahre dem Erdboden gleich. Sie lagen in dem militärisch gesicherten Sperrgebiet. Niemand durfte hier wohnen. So entstand hinter dem nun offenen Schlagbaum nach dem Historischen Grenzwirthaus Gerstmeier eine Naturlandschaft, die so gar nicht ins Bild passt.

Lichte Wälder, blühende Wiesen

Der ebene Weg führt durch lichte Wälder, vorbei an sattgrünen, blühenden Wiesen oder Weiden, auf denen Kühe genüsslich wiederkäuen und den Wanderer mit einem Muh zu verstehen geben, dass sie ihn bemerkt haben. Abgesehen davon, herrscht hier himmlische Ruhe. Nach etwa einer halben Stunde biegt der Weg nach rechts ab. Zaniklá Obec/Untergegangenes Dorf Pleš /Plöß steht auf einem Schild, ein anderes weist zum Friedhof. Es geht eine leichte Anhöhe hinauf, an deren Fuß ein Nepomuk steht, der Brückenheilige. Der Friedhof ist gepflegt, die Grundmauern der Friedhofskirche sind neu aufgeschichtet. Ein Steintisch dient als Altar für Gottesdienste und Andachten.

Lichas, Drachslers und Leibls wurden hier viele begraben. Der Verein Heimatgemeinde Plöß, ehemalige Bewohner der 1000 Einwohner-Ortes und deren Nachfahren, haben sich gleich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs der alten Heimat angenommen. Sie haben Grabsteine gesucht, den Friedhof renoviert. Inzwischen kümmert sich auch Marek Hrůša um die Anlage.

Erinnerungen an die ehemalige Dorfkirche




Ein Kreuz und einige wenige Relikte erinnern an die Dorfkirche. Hier hat Hrůša, der Spediteur aus Domažlice (Taus) eine Kapelle gebaut. Und etwas weiter den Weg abwärts, dort wo einst das renommierte Gasthaus Flor stand, warten jetzt drei Ferienhäuser auf Gäste. Ein blaues Emailschild mit weißer Schrift erinnert an den Hebammer, die Hausnummer 28. Dort wohnte Thomas Drachsler verrät ein Ortsplan des einstigen Straßendorfs Plöß, der am Friedhofseingang aushängt.

Geblieben ist ein Haus am Ortsausgang in Richtung Hüttenbergl, einem weiterer Nicht-Ort. Dort betreibt Marek Hrůša die Gaststätte „Hostinec na Pleši“ (Wirtshaus bei Plöß). Nach der Wirtschaft bleibt die liebliche Weidelandschaft erhalten, von den anderen untergegangenen Orten ist noch weniger geblieben als von Plöß, nämlich nur ein Schild. Unterhalb eines vor sich hin verfallenden Betriebs, wohl eine Kolchose, erinnert ein Granitstein an Vaclav (Wenzelsdorf). Allmählich verändern sich Wald und Flur wieder zur gewohnten Oberpfälzer und böhmischen Landschaft.



Dokumentationsrolle in Bügellohe

Ein klarer Bach sprudelt dem Wanderer entgegen, seine Quelle liegt ein Stück weiter oben. Weißbach heißt er hier und ändert bald seinen Namen in Ascha. In Rufweite zur Quelle und quasi auf der Grenze liegt Bügellohe. In dieser Einöde haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg Sudetendeutsche niedergelassen, um auch diesen Ort bald wieder aufzugeben. Am 27. November 1969 verließ der letzte Bewohner Bügellohe. In dem von Drahtseilen zusammengehaltenen Haus erinnert eine Dokumentationsrolle an die Vergangenheit.

Ab hier bleibt die Geschichte zurück. Ein Hohlweg führt bergab. Am Waldrand gibt es Ausblicke auf grüne Landschaft und sanfte Hügel, die sich im blauen Dunst verlieren. Wer hier kurz inne hält, ist erstaunt wie viele Grünschattierungn die Natur bereit hält. Eine Brücke führt noch einmal über den Weißbach, bevor aus dem Wald tretend oberhalb einer Wiese durch Bäume hindurch wieder der Weiler Friedrichshäng auszumachen ist.

Tipps zur Route


Route: Die Strecke ist knapp 10 Kilometer lang. Die reine Gehzeit beträgt etwa 2,5 Stunden. Ausgewiesen ist sie als BB2 (Bayern-Böhmen-Runde 2, schwarze Buchstaben auf gelben Grund). Der letzte Teil führt auf dem Sautreiberweg zurück zum „Gerstmeier“ (grünes Rechteck mit weißem Diagonalstreifen). Wird der Rundweg anders begangen als hier beschrieben, findet sich an der großen Wandertafel am Grenzbaum auch ein BB2-Schild

Anfahrt: Aus Richtung Süden in Nabburg die A 93 verlassen und Richtung Oberviechtach. In Oberviechtach weiter nach Schönsee und Dietersdorf. Nach Dietersdorf links abbiegen Richtung Weberhäuser und Friedrichshäng. Von Weiden kommend auf der B 22 Richtung Cham-Pilsen, dann auf der A 6 bis zur Ausfahrt Waidhaus. Dem Wegweiser Schönsee-Eslarn folgen. In Dietersdorf links abbiegen. Von Amberg aus entweder über Nabburg oder Wernberg-Köblitz bzw. die A6 Richtung Schönsee und Friedrichshäng. Am Ortseingang führt ein Wegweiser nach links zu einem Wanderparkplatz.

Gastronomie: Direkt an der Grenze steht das Historische Grenzwirtshaus Gerstmeier. Es ist seit 1623 im Familienbesitz. Die Gaststätte ist sonn- und feiertags ab 10 Uhr geöffnet. Samstag nur nach Anmeldung. Telefon 09471/80544.

Das Wirtshaus bei Plöß ist in Sommer täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet, im Frühjahr und Herbst von Mittwoch bis Sonntag und im Winter nur Freitag bis Sonntag. Es gibt dort böhmische Gerichte und im Sommer Spezialitäten vom Holzkohlengrill. Heute, 24. Juni, wird ein Dorffest gefeiert. Telefon +420 602 432 178. www.pensionples.cz (in tschechischer Sprache)

Die Strecke als Download (GPX)




1 Kommentar
6
Josef Drachsler aus Nürnberg | 25.06.2017 | 09:32  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.