"Workcamp-Helfer" bei der Nature Community
Als Weltenbummler in Schönsee

Beim Umbau der Heizung im dreistöckigen Gästehaus "St. Georg" gibt es viel zu tun. Die "Workcamp-Helfer" aus der ganzen Welt (im Bild mit Mitgliedern der Nature Community) sind dabei eine große Hilfe. Während Blanca aus Spanien (vorne, Dritte von links) schon weitergereist ist, will Jimmy aus Zypern (vorne, Vierter von links) noch bis Dezember bleiben. Bilder: Portner (3)
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Schönsee
27.10.2017
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Im Gästehaus müssen die neuen Heizungsrohre verlegt werden.

Für Blanca aus Spanien war es der letzte Tag bei der Nature Community. Jimmy aus Zypern bleibt bis Dezember. Es ist ein buntes, internationales Völkchen, welches dabei hilft, den Umbau des früheren Hotels "St. Hubertus" zu stemmen. Jede Woche kommen neue Leute im "Workcamp" an.

"Raus in die große weite Welt und auf ins Abenteuer." Das ist der Slogan von "Work and Travel"-Reisen. Viele junge Leute nutzen weltweit diese Art zu reisen, um sich mehrmonatige Auslandsaufenthalte leisten zu können. Seit Juni 2017 gibt es dieses Angebot auch in Schönsee. Hier heißen die Weltenbummler "Working Guests" (Gasthelfer) oder "Workcamp-Helfer".

Sie wohnen und arbeiten in der Lebensgemeinschaft der Nature Community, die 2015 das ehemalige Sport- und Jagdhotel St. Hubertus mit Feriendorf am Lauber Berg erworben hat. Arbeit in Küche und Gästehaus, bei der Hauspflege und den Außenanlagen gibt es mehr als genug. Derzeit steht der Umbau der Heizung im Gästehaus "St. Georg" an (siehe Kasten). Während im Keller die Experten zusammen mit Vorstand Christoph Dold die Heizungstechnik auf den neuesten Stand bringen, werkeln in den über 30 Zimmern die jungen Leute aus der ganzen Welt. Sie verlegen Kupferrohre, polieren Muffen und stemmen Löcher in die Wände. Die Arbeitswoche dauert von Montag bis Donnerstag und hat maximal 25 Stunden.

Mit dem Radl zum Metzger

Je nach Wunsch sind die Gasthelfer in die Lebensgemeinschaft integriert. Diesen Samstag steigt eine Musik-Session in der Lobby. Sie können ihre Freizeit auch für Ausflüge - beliebt sind Prag, München, Regensburg - nutzen oder eine Radtour unternehmen. "Nichtvegane Workcampler" wissen die Vorzüge der Stadt Schönsee - mit ihren Leckereien vom Bäcker und Metzger - zu schätzen.

Die Idee "Workcamp-Helfer" stammt von Gerhard von Bültzingsloewen, Mitglied der Nature Community. Der Diplom-Ingenieur und Übersetzer freut sich über die vielen interessanten Leute, die sich einbringen: "Unsere Helfer sind nicht nur auf dem Bau spitze!" Bei der Organisation unterstützen Sebastian Winkel und Alexander Will. Schließlich muss zu Beginn jeder Woche ein stabiles Team stehen. Das Durchschnittsalter liegt bei 26 Jahren; die jüngsten sind 17, die ältesten 62 Jahre. Manche bleiben eine Woche, andere für immer - im Schnitt aber so etwa drei Wochen.

Feierabend. Die 15 Gasthelfer - 6 Mädels und 9 Jungs - treffen sich zur Abschlussbesprechung in der "Jägerstube". Einer nimmt ein Büffelhorn von der Wand und tutet lautstark vor sich hin. Obwohl etwa ein Viertel aus Deutschland kommt, läuft die Unterhaltung auf Englisch. Für Blanca aus Spanien war es der letzte Arbeitstag. Sie will nicht einfach so weiterreisen und fragt in die Runde, wer Interesse an einem Abend am Lagerfeuer hat. Fast alle sind dabei.

Aus 34 Ländern

Ein junger Mann aus Neuseeland ist seit sechs Wochen in der Oberpfalz gestrandet. Er erzählt, wie gut ihm die Arbeit und die Leute gefallen: "I keep good memories forever." Jakob wohnt und arbeitet seit eineinhalb Jahren hier. Er schwärmt von schönen Momenten in der Sonne und tollen Tagen und ergänzt beim Blick in die Runde: "Ich danke Euch allen". Jimmy aus Zypern ist der Senior in der Runde, ein Weltenbummler der schon durch 51 Länder gereist ist. Er bleibt noch bis Dezember und sagt: "Ich liebe diesen Platz." Leute aus Taiwan, dem Bayerischen Wald, aus Ägypten, der Ukraine und aus Weiden vervollständigen die Runde.

Seit Juni hat die Nature Community über 90 Menschen aus 34 Ländern als "Workcamp-Helfer" empfangen. "Das ist eine unglaubliche Bereicherung für uns", sagt Gerhard von Bültzingsloewen. Er ist selber zwei Jahre als Gasthelfer durch die Welt gereist und schätzt die internationalen Begegnungen. Auf fünf Internet-Plattformen wirbt er für einen Aufenthalt in Schönsee. Nicht jeder, der sich meldet, wird genommen: Lust an der Gemeinschaft und die Motivation zum Mitarbeiten sind Voraussetzung.

Ab Weihnachten wird es etwas stiller in der Nature Community: Die Renovierungsarbeiten pausieren bis Mitte Februar 2018. Schließlich haben etliche Neubürger am Lauber Berg schon einen bitterkalten Winter im Schönseer Land erlebt.

Neue HeizungDie zwei Haupt-Häuser des Hotel-Komplexes sind bereits an die Hackschnitzelheizung angeschlossen. Derzeit läuft der Umbau der Heizung im Gästehaus "St. Georg". Auf drei Etagen sind über 30 Räume zu sanieren. Das Baujahr 1972 ist dabei unverkennbar präsent. Wie Vorstandsmitglied Christoph Dold informiert, werden die Nachtspeicheröfen ausgebaut, neue Rohre verlegt und ein Lehmputz auf die Holzfaserplatten an den Wänden aufgebracht. Das System ist eine Art ökologische "Wandheizung". "Wo die Kälte ins Gebäude reinkommt, wird das Bauteil erhitzt", erklärt Dold und zeigt zu den Fenstern.

Die 22 Bungalows des ehemaligen Feriendorfs "St. Hubertus" werden nach und nach mit Holzpellets-Öfen ausgestattet, als Übergangslösung bis eine Nahwärme-Heizung für das gesamte Areal verwirklicht werden kann. Das Ziel "energieautark leben" bleibt im Fokus. Sieben Bungalows sind schon bewohnt, eine weitere Familie will noch im Oktober einziehen. Übrigens: Die Nature-Community öffnet jeden Sonntagnachmittag ihre Türen und bietet veganen Cafébetrieb an, verbunden mit Infoveranstaltungen, Führungen und Vorträgen. Alle Interessierten sind dazu willkommen.  (ptr)
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