Jakob Stelzer kehrt nach 63 Jahren in Australien zurück nach Schwandorf
Zurück zur bayerischen Wurzel

Jakob Stelzer (links) kehrt nach 63 Jahren zurück in die Werkstatt, in der der gelernte Schlosser einst gearbeitet hat. Josef Schreiner (rechts), der Inhaber der mittlerweile stillgelegten Eisengießerei, hatte ihn eingeladen. Bild: Hirsch
Freizeit
Schwandorf
14.12.2016
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Aufgewachsen ist Jakob Stelzer mit sechs Geschwistern im Schwandorfer Lindenviertel. 1953 wanderte er nach Australien aus. 63 Jahre später steht der nun 90-Jährige wieder in der Werkstatt, in der er damals gearbeitet hat.

Der gelernte Schlosser war im Straßenbau, in der Landwirtschaft, im Bergbau und in der Eisengießerei Schreiner in der Schwandorfer Glätzlstraße beschäftigt, ehe er zusammen mit seiner Frau die Koffer packte und auswanderte. Sie verkauften ihre Schäferhunde, um die Überfahrt bezahlen zu können. Fünf Wochen lang verbrachte das frisch vermählte Paar damals auf dem Schiff und nutzte die Zeit, um Englisch zu lernen .

Jakob Stelzer bekam Arbeit beim Bau des Sydney-Harbour-Tunnels, seine Frau eine Beschäftigung in einer Gummifabrik. Es ging aufwärts. Die deutschen Einwanderer gründeten eine Familie, zogen zwei Kinder groß. Den Kontakt zur Heimat aber haben sie nie verloren. "Ich bin ein Bayer geblieben", lacht Jakob Stelzer im Gespräch mit Gerda und Josef Schreiner. Der gemeinsame Bekannte Georg Wickles hatte am Dienstag ein Treffen in der alten Heimat vereinbart.

Seinen 90. Geburtstag feierte Stelzer im "Deutschen Club" in Sydney. Die Tische waren weiß-blau gedeckt, die Gäste kamen in bayerischer Tracht. Vor sechs Wochen ist seine Frau Frieda gestorben. Zu diesem Zeitpunkt hatte Sohn Michael den Flug nach Deutschland bereits gebucht. So tat der Opa seinen Enkeln Isabella und Tristan sowie Schwiegertochter Eileen den Gefallen und flog mit. Bis 20. Januar genießen sie die Gastfreundschaft der Familie Weiß.

Josef Stelzer holte den Ordner aus dem Jahre 1953 aus dem Aktenschrank und suchte nach Unterlagen. Fein säuberlich sind die Arbeitsnachweise der 48-Stunden-Wochen registriert. Und auch die Löhne. 56 Mark hat der Schlosser damals in der Woche verdient.

Mit Radfahren und Schwimmen hält sich der rüstige Senior fit. Bewundernswert ist der Lebensmut eines Mannes, der als Marinesoldat in den Krieg zog, in englische Gefangenschaft geriet, den Wiederaufbau in Schwandorf miterlebte, sich am anderen Ende der Welt eine Existenz aufbaute und mittlerweile zwei Krebstherapien überstanden hat.

Ich bin ein Bayer geblieben.Jakob Stelzer, der 1953 nach Australien ausgewandert ist.
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