06.03.2018 - 13:50 Uhr
Schwandorf

12. "Schwandorfer Klavierfrühling" Johannes Brahms dramatisch und zart

So blüht das Frühjahr musikalisch auf: Der aus Weiden "vertriebene" Reger-Impresario Kurt Seibert sorgt mit dem "Schwandorfer Klavierfrühling" nur für Wohlklang: vor restlos ausverkauftem Haus.

Früher wirkte Kurt Seibert (links stehend) als Impresario der Weidener Max-Reger-Tage, heute sorgt er als künstlerischer Leiter für Impulse beim "Schwandorfer Klavierfrühling". Als Pianist gestaltet Seibert mit (von links) Emilija Kortus (Violine), Sebastian Hensel (Viola) und Timothy Hopkins (Violoncello) leidenschaftlich das Eröffnungskonzert. Bild: cf
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Auch zahlreiche (fachkundige) Besucher aus dem Raum Weiden pilgern am Sonntagnachmittag zum Eröffnungskonzert ins Oberpfälzer Künstlerhaus. Die Jugendstil-Villa kleidet einmal mehr die konzertanten Ambitionen in ein besonderes Ambiente. Obwohl durch eine starke Erkältung gesundheitlich sichtlich angeschlagen, meistert der inzwischen 74-jährige emeritierte Musikprofessor das dem Komponisten Johannes Brahms gewidmete, fast zweistündige Eröffnungskonzert am Klavier beherzt-leidenschaftlich und mit versierter Routine: in genialem Gleichklang mit drei Studierenden der Hochschule Leipzig "Mendelssohn Bartholdy".

Allen voran die Geigerin Emilija Kortus (23) schenkt in virtuoser, jugendlicher Leichtigkeit mit ihren talentierten Kollegen Sebastian Hensel (Viola) und Timothy Hopkins (Violoncello) reinen Hörgenuss: Da taut die Oberpfalz nicht nur meteorologisch auf ... Das relativ selten gespielte Klavierquartett A-Dur, op. 26 für Klavier, Violine, Bratsche und Violoncello, uraufgeführt im Jahr 1862, fesselt bis zur Pause mit seinen dramatischen und melancholischen, ja düsteren Passagen. Die Akteure verleihen der subtilen Emotionalität des Werks von Johannes Brahms (1833 bis 1897) innigen Ausdruck. Ästhetischen Glanz bringt vor allem der vierte Satz, das Finale.

Melodiöse Himmelsleiter

"In Vielfalt geeint" heißt das Motto des "12. Schwandorfer Klavierfrühlings". Der Konzert-Reigen widmet sich in diesem Jahr Komponisten aus Deutschland, Norwegen, Tschechien, Frankreich und Russland: mit einer Hommage an den 175. Geburtstag von Edvard Grieg.

Vertraut scheint vielen Zuhörern das Brahm'sche Klavierquartett g-Moll, op. 25. Eine Affinität zu den berühmten "Ungarischen Tänzen" von Johannes Brahms ist unüberhörbar. Furios und dynamisch, mit hohen Tempi, aber auch mit funkelnden, anmutigen Passagen rollen Kurt Seibert als Pianist und die preisgekrönten Streicher einen facettenreichen Klangteppich aus - und erklimmen eine melodiöse Himmelsleiter, so kunstvoll gestaltet sich die Aufführung in der Kebbel-Villa.

Wehmütige Erinnerungen

Das Auftaktkonzert des 12. "Schwandorfer Klavierfrühlings" weckt unwillkürlich Erinnerungen an die Glanzzeiten der Weidener Max-Reger-Tage unter der Regie von Kurt Seibert. Aber es ist hier müßig, verpassten Chancen und Möglichkeiten hinterher zu trauern. Die Schwandorfer freuen sich jedenfalls über den hochkarätigen Input des gebürtigen Weideners.

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