70 Jahre in Schwandorf
VHS feiert runden Geburtstag

Professor Klaus Meisel versicherte in seiner launigen Festansprache, "VHS" sei zu Unrecht die Abkürzung für "viele halbe Sachen".
Kultur
Schwandorf
08.10.2017
58
0
 
Die Dozenten seien "das Gesicht der VHS" hieß es bei der Ehrung für zahlreiche Frauen und Männer, die für die Schwandorfer Volkshochschule seit vielen Jahren unterrichten. Bilder: Dobler (2)

"Erfahren, aber nicht alt." So beschrieb Jakob Scharf als stellvertretender Landrat die Schwandorfer Volkshochschule. Er tat dies in der Spitalkirche bei einem Festabend mit dem Motto "70 Jahre VHS". Festredner war Professor Klaus Meisel, Vorsitzender des bayerischen Volkshochschulverbands.

Der ehrenamtliche Leiter der Schwandorfer VHS, Ministerialbeauftragter Franz Xaver Huber, äußerte sich in seiner Ansprache ebenfalls zu der stattlichen Zahl "70": "Ein stolzes Alter, das man der Volkshochschule als Jubilarin nicht ansieht; im Gegenteil, man hat den Eindruck, sie wird immer jünger."

Die VHS sei eine "Institution, die aus unserer Bildungslandschaft nicht wegzudenken ist", urteilte Huber. Die Volkshochschule Schwandorf sei aber nichts Abstraktes, sondern dahinter steckten Menschen, ohne die es die VHS 2017 gar nicht gäbe, und ihnen gelte Dank - allen voran den Geschäftsführern Barbara Genzken-Schindler und Erhard Sailer.

Huber erinnerte an den Beginn der Einrichtung, die in die chaotische Zeit kurz nach dem Weltkrieg fiel. Bereits im November 1946 beschloss der Schwandorfer Stadtrat, das "Volksbildungswerk" zu gründen. Im Union-Theater gab es am 3. Oktober 1947 vor 500 Gästen eine feierliche Eröffnung, Der erste Kurs war ein Zeichenkurs, den Theo Rathgeber am 6. Oktober 1947 für 40 Teilnehmer abhalten konnte.

Hälfte aus dem Umland

Von Anfang an war das VBW, seit 1981 VHS, eine kommunale Einrichtung. "Die Stadt sah - und sieht - die Bildung ihrer Bürger auch heute noch als eine ihrer zentralen Aufgaben an, als einen 'weichen' Standortfaktor ", hob Huber hervor. Die Tatsache, dass nahezu die Hälfte der Teilnehmer aus dem Schwandorfer Umland komme, zeuge von der Zentralitätsfunktion Schwandorfs.

Eine "Herausforderung, der wir uns ohne bemerkbare Vorwarnung stellen mussten", war laut Huber seit 2015 die große Anzahl an geflüchteten Menschen jeden Alters und zahlreicher Nationen, die mit Sprach- und Integrationskursen versorgt werden mussten.

Jährlich 20 000 Menschen

Wie der Leiter ausgerechnet hatte, nehmen derzeit jährlich 20 000 Menschen an über 1100 Veranstaltungen der VHS teil - eine Bilanz, die sich sehen lassen könne. Er schloss mit den Worten: "Ziel und Verpflichtung einer modernen Volkshochschule werden auch weiterhin sein: Freude am Lernen, am lebenslangen Lernen zu ermöglichen, zu erschwinglichen Preisen, für die berufliche und persönliche Weiterentwicklung und für eine sinnvolle Freizeitgestaltung."

In seiner Festrede "Wie viel Volkshochschule braucht das Land?" sagte Prof. Klaus Meisel, der Vorsitzende des Bayerischen Volkshochschulverbands, dass im öffentlichen Diskurs der Begriff "Volkshochschule" oft etwas Despektierliches habe, "obwohl die Volkshochschulen bei allen Qualitätsuntersuchungen der Stiftung Warentest sehr gut abschnitten". VHS sei also zu Unrecht die Abkürzung für "viele halbe Sachen". So seien die Volkshochschulen etwa die größten Sprachschulen der Republik und trügen damit zur Weltoffenheit bei.

Ebenso könne EDV-Kompetenz erworben werden; Meisel nannte dies ein "gigantisches Wirtschaftsförderungsprogramm". Als weiteren Gesichtspunkt zählte er die präventive Gesundheitsbildung auf. Durch die demografische Entwicklung stünden die Volkshochschulen vor einer Herausforderung: Das Altersbild habe sich geändert und das Leben nach der Erwerbstätigkeit umfasse Jahrzehnte der Gesundheit und Teilhabe.

Bis zu 32 Jahre Dozent

"Nah an den Bildungsbedürfnissen der Menschen" sei die Schwandorfer VHS, lobte stellvertretender Landrat Jakob Scharf und sprach von einem "riesigen Kursangebot". OB Andreas Feller versicherte schmunzelnd, "die Volkshochschule ist uns lieb und teuer". Er spielte damit auf die Kosten an, mit denen die Stadt für die Bildungseinrichtung aufkomme. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Klarinettenensemble der VHS-Jugendblaskapelle.

Zur Festversammlung gehörte auch die Ehrung von langjährigen Dozenten, die zwischen 16 und 32 Jahren für die VHS tätig sind: Pia Hartinger, Josef Hellmann, Christine Donhauser-Lorenz, Thomas Herold, Beate Kroneder-Nößner, Regina Pflamminger, Rita Scharl (Bronze-Abzeichen), Uschi Grau, Edith Kuttner, Gabriele Ludwig, Andrea Nitzsche, Walter Reichl, Christine Wild (Silber-Abzeichen) sowie Helga Greiler (Gold-Abzeichen). Eine Ehrung für mehr als 30 Jahre Dozenten-Tätigkeit erhielt Johann Hehberger.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.