13.03.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Abschluss des Schwandorfer Klavierfrühlings Beeindruckende russische Tongemälde

Mit einer ausverkauften Matinee endet am Sonntag der 12. Schwandorfer Klavierfrühling. Zu einem phänomenalen Abschluss der Reihe tragen auch Jung Won Oh und Christian Seibert mit bei.

Mit einer sonntäglichen Matinee für Violine und Klavier, gestaltet von Jung Won Oh und Christian Seibert, geht unter dem Thema "In Vielfalt geeint" der bemerkenswerte 12. Schwandorfer Klavierfrühling zu Ende. Bild: Tietz
von Reinhold TietzProfil

Ausverkauft ist das Auditorium im Oberpfälzer Künstlerhaus, als das Schlusskonzert des 12. Schwandorfer Klavierfrühlings beginnt. Moderator Dirk Lötfering erklärt, welchen schwierigen Stand der Komponist Sergej Prokofjew in der Sowjetunion hatte. Vor jedem Programmteil gibt er ein interessantes Statement jeweils zu Person und Werk. Dann eröffnen Jung Won Oh (Violine) und Christian Seibert (Klavier) die Programmfolge mit der 1. Violinsonate op 80 des obengenannten Komponisten.

Dezent und klar

Melodiös verhalten und intensiv schön ist das Spiel der Geigerin im beginnenden "Andante assai" bis zum abschließenden Pizzikato. Christian Seibert begleitet dezent und klar. Feurig das folgende "Allegro brusco", dessen herbe Spielfreudigkeit von beiden Interpreten engagiert nachvollzogen wird. Das anschließende umfangreiche "Andante" erklingt in lieblicher Melodie auf der gedämpften Violine, während das Klavier fast alle Tonfolgen dezent vorträgt bis auf einige großen Akkorde. Ruhelos und sehr rasch zieht das "Allegrissimo" vorbei. Es beeindruckt durch seine flotteste Tonsprache. Beiden Musikern gelingt eine überzeugende Leistung in virtuoser wie musikalischer Hinsicht, die dem Verständnis der erweiterten Tonalität, die das Werk prägt, sehr hilfreich ist.

Einfacher von den harmonischen Anforderungen her sind die "Alt- Wiener Tanzweisen" von Fritz Kreisler in der Bearbeitung für Klavier solo von Sergey Rachmaninoff. So erklingt "Liebesleid" einerseits in seiner einfachen Hauptmelodie, wird aber in der hinzugefügten verdichteten Harmonie-Begleitung ein virtuoses Klavierstück. Rachmaninoff verfolgt ein völlig anderes musikalisches Aussageziel als Kreisler. Seibert geht sensibel auf diese Vorgabe der beiden Komponisten ein. Auch "Liebesfreud" wird in Rachmaninoffs Bearbeitung zum virtuosen Stück. Der Bearbeiter hat sozusagen die Gefühle, die der Titel benennt, stark verdichtet und verstärkt. Nach der Pause erklingen t von Alexander Skrjabin die "5 Preludes für Klavier solo" op 74, die letzten Werke dieser Gattung, die ihn sein gesamtes kompositorisches Schaffen begleitet hat. Lötfering weist auf die mystische Klangfärbung hin, mit der Skrjabin seinen Klavierwerken besondere Klangwirkungen ermöglicht. Auch in diesen Preludes tragen sie zum Verständnis der Töne entscheidend bei. Verhalten nachdenklich das "Douloureu. Dechirant". Ebenso traurig das "Tres lent. Contemplatif". Gegensätzlich dazu das rasende "Allegro drammatico", wieder ruhig das "Lent. Vague. Indecis" und nochmals rasend "Fier. Belliqueux". Seibert gelingt es, die unterschiedliche Stimmung jedes einzelnen Stückes präzise an das Publikum zu vermitteln.

Elemente des Jazz

Als letztes Werk ertönt die "Sonate für Violine und Klavier" op 70 von Nikolai Kapustin. In seinen Werken sind Elemente des Jazz enthalten, meint Dirk Lötfering. Das lebhafte "Allegro" beweist die Richtigkeit dieser Ansicht. Der Rhythmus ist eindeutig vom Jazz beeinflusst. Im folgenden "Andantino" wechseln sich Geige und Klavier in Melodie und Begleitung ab. Das finale "Con moto" ist geprägt von kompliziertem und schnellem Zusammenspiel der beiden Interpreten.

Erwähnenswert ist außerdem, dass bei Kapustin die althergebrachte Tonalität wieder Verwendung findet. Auch dieses Werk wird im Spiel von Jung Won Oh und Christian Seibert zu einem Hörerlebnis. Ein phänomenaler Abschluss des Klavierfrühlings, in dem erfolgreich nachgewiesen wird, wie Musik es schafft, dass Menschen in Vielfalt geeint werden können.

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