Ausstellung im Schwandorfer Stadtmuseum
Elektrische Denkanstöße

Das ist das gute Stück, das Kochen einfacher machte. Nach anfänglichem Zögern wurde der erste E-Herd Oskar von Millers so viel benutzt, dass sogar die Schalter erneuert wurden. Während Oberbürgermeister Andreas Feller nach schaut, ob in der Röhre nichts vergessen wurde, vergleichen Museumsleiterin Eva Maria Keil und Ulli Sacher-Ley vom Bund Naturschutz (von links) diesen Herd mit heutigen Kochfeldern. Bild: Held
Kultur
Schwandorf
07.01.2017
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Alles in dieser Vitrine und noch viel mehr geht nicht ohne Strom. Der Verbrauch bei diesen Lampen und Geräten älteren Datums lag deutlich über dem von heutigen Strom sparenden. Bilder: Götz (3)

Es ist eine Duplizität der Ereignisse. Man könnte auch Ironie des Schicksals dazu sagen. Kaum ist im Schwandorfer Stadtmuseum eine Ausstellung zur elektrischen Energie eröffnet, legt ein Stromausfall Teile der Stadt Stunden lang lahm. Geschäfte schließen, Tiefgaragentore öffnen sich nicht mehr und selbst Photovoltaikanlagen sind handlungsunfähig. Der Stromausfall ist allerdings nicht Teil der Ausstellung.

Von Irma Held

Dieser kommt in unseren Köpfen und auch in der Schau, die den Blick in die Vergangenheit und mit Unterstützung des Bundes Naturschutz ebenso in die Zukunft richtet, nicht mehr vor. Dabei jährt es sich heuer erst zum 90. Mal, dass aufgeschlossene Schwandorferinnen Oskar von Miller und dem Elektroherd zum Siegeszug verhalfen. Das Zusammenspiel zwischen Strompionier und Hausfrau revolutionierte die Hausarbeit. Oskar von Miller, 1895 Gründer des Schwandorfer E-Werkes, wäre beinahe verzweifelt. Niemand wollte den bereits 1910 entwickelten Elektroherd in der Küche stehen haben, geschweige denn damit Essen zubereiten. Heute kaum noch vorstellbar.


___ Skeptiker und Zweifler
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Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit brachten von Miller nicht weiter. Er musste handeln. Erst als er dann 1927 Schwandorferinnen zu günstigen Konditionen Elektroherde und Strom zur Verfügung stellte, begannen die Vorbehalte gegenüber dieser Innovation zu bröckeln. Damit ist die Sonderausstellung "Hier geht allen ein Licht auf. Energiewende ist machbar!?" schnell in der Gegenwart angekommen. Die Skepsis und die Zweifel bremsten heute die Energiewende ebenso wie damals von Millers Elektroherd. Besonders die Windkraft ist gegenwärtig schwer in Verruf geraten.

Die Ausstellung folgt aber nicht blauäugig einfachen Lösungen. Sie thematisiert durchaus Nachteile von Windrädern im Mitmachteil am Beispiel eines Rotmilans und zeigt auf: Bei jeder Form der Energiegewinnung existiert ein Für und Wider, gibt es folgen für Mensch, Tier und Natur. Ein Kohlekraftwerk, wie das ehemalige Bayernwerk in Schwandorf-Dachelhofen, war ebenso wenig ein ästhetisches Highlight wie es eine Freiflächen-Photovoltaikanlage, ein Windrad oder eine Überlandleitung sind. Das Kraftwerk verschmutzte beispielsweise bis zum Einbau von Reinigungs- und Filteranlagen die Luft, die durch den hohen Kamin auch in die weitere Umgebung geblasen wurde und nicht wenige ehemalige Arbeiter starben an Asbestose.

Die Ausstellung will keinesfalls die Schalter des Elektroherdes dauerhaft auf Null stellen. Sie will den Besuchern die Bequemlichkeit und die Vorteile der Entwicklung nicht nehmen, aber parallel dazu sensibilisieren. Der bewusste Umgang mit Energie, dessen Einsparung und -effizienz nehmen aus diesen Gründen viel Raum ein und sind der Part des Bundes Naturschutz, den sich Museumsleiterin Eva Maria Keil als Partner geholt hat. Am Beispiel der Weiterentwicklung von Elektrogeräten offenbart sich nicht nur modernes Design, sondern auch die Reduzierung des Stromverbrauchs. Besonders interessant dabei, die Backhaube, eine völlig aus der Mode gekommene Art in Ermangelung eines Bratrohres keineswegs Strom sparend Kuchen zu backen.


___ Lichter gehen auf
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Ein richtiger Stromfresser eben, wie die ersten Wasserkocher oder Staubsauger. Stromfresser sind aber, allen Verbesserungen zum Trotz noch nicht ausgestorben, beweist die Ausstellung. Spätestens an der Ratestation zeigen sie sich und dem Besucher gehen gleich mehrere Lichter auf. Wäschetrockner zum Beispiel haben einen großen Energiehunger. Strom für 150 Euro im Jahr verschlingt er gut und gerne. Doch auch der Standby-Modus kostet. Der Austausch von veralteten Kühl- und Gefriergeräten zahlt sich ebenso aus wie langfristig die Umrüstung auf LED. Dazu gehen wiederum an einer Mitmachstation mehrere Lichter mit unterschiedlichem Stromverbrauch auf.

A propos Licht: Die ersten Glühbirnen in Schwandorf, 40 Stück, hingen schon in einem Schwandorfer Anwesen lange bevor der erste Elektroherd geliefert wurde. Um genau zu sein 40 Jahre vorher, wie eine Zeitungsnotiz verrät. Der wohlhabende Kunstmühlenbesitzer Stettner leuchtete damit bereits 1887 Wohnhaus, Mühle und Stallungen aus.

ServiceAusstellung: "Energiewende - Hier geht allen ein Licht auf!?". Bis 5. Februar.

Ort: Stadtmuseum, Rathausstraße 1, 92421 Schwandorf.

Öffnungszeiten: Mittwoch, Freitag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr; Donnerstag von 12 bis 18 Uhr, und nach Vereinbarung.

Kontakt: Telefon: 09431/41553; stadtmuseum@schwandorf.de

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Weitere Informationen:

www.schwandorf.de
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